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Wie werde ich Fotograf und wie berechnet man seinen Stundenlohn?

Was Du für Handwerkszeug als Fotograf benötigst, um in der eigenen Selbstständigkeit voll durchzustarten und wie Du Deinen Stundenlohn kalkulierst, das erfährst Du in diesem Artikel. Nimm Dir etwas Zeit, denn gerade der Punkt „Preiskalkulation als Fotograf“ ist für Deinen Start in die Selbstständigkeit enorm wichtig.

Wie wird man Fotograf?
Wie wird man Fotograf?

Braucht man als Fotograf eine Ausbildung?

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Seit einigen Jahren ist der Begriff „Fotograf“ in Deutschland nicht mehr geschützt. Eine Ausbildung als Fotograf ist daher nicht erforderlich. Somit macht es dieser Berufszweig einem Quereinsteiger relativ leicht, sich als Fotograf selbstständig zu machen. Klingt erstmal einfach, doch was einigen auf Instagram oder Pinterest gefällt, muss noch lange nicht Deinen Kunden gefallen.

Bevor Du ins kalte Nass springst, Deinen Beruf an den Nagel hängst und Dich von jetzt auf gleich selbstständig machst, empfehle ich Dir, zunächst in einem Praktikum in diesen Beruf reinzuschnuppern, vor allem wenn Du Dich noch nicht weiter mit diesem Beruf auseinandergesetzt hast. Denn die Fotografie selbst ist nur ein kleiner Teil der täglichen Aufgaben als Fotograf.

In welcher Stadt möchtest Du Dich als Fotograf selbstständig machen?

Wie ist das Mitbewerberumfeld in Deiner Stadt? Gibt es zum Beispiel einen bestimmten Bereich, in dem Du Dich selbstständig machen möchtest? Nicht als „Eierlegende Wollmilchsau“, sondern als Fotograf für professionelle Bewerbungsbilder zum Beispiel. Sieh Dir an, wer in dem von Dir bevorzugten Bereich unterwegs ist.

Was kannst Du tun, um Dich vor diesem oder mehreren Fotografen zu positionieren? Was ist Dein Alleinstellungsmerkmal, womit setzt Du Dich von diesen Fotografen ab? Warum sollte ein Kunde gerade zu Dir kommen? Ist der Standort für Dich günstig? Wie kommen die Kunden zu Dir oder Du zu ihnen? Wie viele Kunden befinden sich in Deinem Einzugsgebiet?

Freiberuflicher Fotograf oder ein Gewerbe anmelden?

Als freiberuflicher Fotograf genießt man einige steuerrechtliche Vorteile. Freiberufliche Fotografen müssen keine Gewerbesteuer oder Beiträge an die Industrie- und Handelskammer (IHK) abführen. Aber Achtung, die Übergänge von der freiberuflichen Tätigkeit zum Gewerbetreibenden sind fast fließend.

Wenn Du bei Deiner Arbeit nur kreativ arbeitest, gilt es als freiberuflich. Sobald Du aber als Hochzeitsfotograf tätig bist oder ein kleines Fotostudio eröffnest, bist Du automatisch gewerbetreibend. Im Zweifel solltest Du Dich vorher bei der IHK oder dem Finanzamt beraten lassen.

Freiberuflicher Fotograf
Freiberuflicher Fotograf

Wie teuer ist die Gewerbeanmeldung?

Als freiberuflicher Fotograf reicht es bei Beginn Deiner Tätigkeit als Fotograf dies dem Finanzamt formlos zu melden. Das Finanzamt wird Dir dann einen Fragebogen für die steuerliche Erfassung zusenden. In dem Fragebogen beschreibst Du Deine Tätigkeit und musst dazu Deine Einnahmen schätzen, was zu Beginn natürlich gar nicht so leicht ist; danach bestimmst Du noch die Rechtsform Deiner Tätigkeit.

Das Finanzamt wird Deine eingereichten Unterlagen prüfen und Dir eine Steuernummer zuweisen. Du hast Dich vorab informiert und möchtest gleich mit einem Gewerbe starten? Dann musst Du Dein Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden. Das Gewerbeamt wird Dich dann beim Finanzamt und der zuständigen Kammer melden. Eine Gewerbeanmeldung kostet etwa 25 Euro.

Benötigst Du als Fotograf besondere Lizenzen oder Genehmigungen?

Wie eingangs bereits erwähnt, ist neben einer Ausbildung als Fotograf auch keine Lizenz oder andere Genehmigung von Nöten. Möchtest Du allerdings in den Bereich der Pressefotografie einsteigen, benötigst Du einen Presseausweis. Dazu musst Du belegen, dass Du professionell als Pressefotograf arbeitest, entweder als Gewerbetreibender oder Freiberufler. Die genauen Anforderungen findest Du beim DJV (Deutscher Journalisten-Verband).

Welche Voraussetzungen solltest Du als Fotograf erfüllen?

Dazu gehört eine Fülle an Anforderungen, die an Dich als Fotograf gestellt werden. Neben dem Sinn für Kreativität und Gestaltung der Bilder, solltest Du etwas technisches Grundwissen mitbringen. Denn häufig wird es Situationen geben, in denen Du improvisieren musst, beispielsweise in Sachen Licht und Bildkomposition.

Darüber hinaus musst Du Dich selbst organisieren, denn Du bist als Selbstständiger für alles selbst verantwortlich und zuständig, von Kundenakquise, Preiskalkulation, über Buchhaltung, Marketing, bis hin zum Erstellen von Angeboten. Bedenke dabei für Deine betriebswirtschaftlichen Kalkulationen stets, dass Du genügend verdienst. Das ist ein Aspekt, der gerne mal vergessen wird, aber dazu mehr unter dem Punkt „Tagessatz und Stundenlohn kalkulieren“.

Weiterbildung als Fotograf
Weiterbildung als Fotograf

Sollte man sich als Fotograf weiterbilden?

Das kann ich nur empfehlen, wobei sich Dein Stil sicherlich im Laufe der Jahre von selbst verändern wird. Beobachte den Markt. Schaue Dir an, was in Deinem Bereich gerade Trend ist. Kannst Du dies oder möchtest Du dies leisten – Dir fehlt aber das nötige Wissen dazu? Nutze Tutorials, die Du zum Beispiel auf YouTube finden kannst oder schaue Dir Fotografen an, die diese Trends bereits praktizieren und informiere Dich, ob sie eventuell Workshops anbieten.

Nach einem Jahr Tätigkeit als Fotograf solltest Du das abgelaufene Jahr Revue passieren lassen und für Dich für das kommende Jahr planen, was eventuell an Skills oder Ausrüstung noch benötigt wird – auch hinsichtlich Verdienst und Preiskalkulation. Verkaufe Deine Dienstleistung als Fotograf nicht unter Wert. Zwar mag es vorerst verlockend erscheinen, mehr Aufträge zu erhalten, weil Du so günstig bist, aber davon rate ich Dir ab. Dazu mehr unter dem Punkt „Preiskalkulation“.

Besser einen groben Businessplan, als gar keinen

Nimm Dir die Zeit und setze Dich bezüglich Deiner Selbstständigkeit als Fotograf an einen Businessplan. Wofür bist Du zukünftig selbst verantwortlich, wie zum Beispiel Krankenkassenbeiträge, Rentenabsicherung und weitere Versicherungen oder auch Ausgaben für Miete, monatliche Kosten für Essen, Strom, Auto, Handy. Schreibe Deine sämtlichen Kosten auf.

Sieh Dir Deinen Kontoauszug genau an, hast Du wirklich an alles gedacht? Dann geht es langsam darum, wie viel Du im Monat verdienen musst, um nicht nur kostendeckend zu arbeiten, sondern auch darüber hinaus. Du willst ja sicherlich auch mal Urlaub machen oder am Wochenende frei haben.

Preiskalkulation und nochmal Preiskalkulation!

Ja, das Thema Preiskalkulation ist dröge und echt trocken und ich habe es bereits einige Male erwähnt. Aber ich empfehle Dir, dass Du Dich damit auseinandersetzt. Das ist für Deinen Start in die Selbstständigkeit als Fotograf verdammt wichtig. Ich weiß, was Dir durch den Kopf geht, wenn es zum Beispiel um Deinen Stundenlohn geht. Du wirst ihn mit Sicherheit anfänglich zu niedrig ansetzen. Aber warte es ab, das schauen wir uns gleich etwas genauer an.

Preis eines Fotografen kalkulieren
Preis eines Fotografen kalkulieren

Wie kalkuliert man als Fotograf seinen Stunden- und Tagessatz?

Beim Thema Preis gibt es eine Spanne von X bis Y. Manche sind so günstig, dass ich mich frage, wie sie überhaupt monatlich ihre Fixkosten zahlen können. Aber das soll uns jetzt nicht weiter kümmern, widmen wir uns der Preiskalkulation. Jedes Jahr machen sich neue Fotografen selbstständig und andere, die seit einigen Jahren auf eigene Rechnung gearbeitet haben, geben auf.

Warum ist dies so? Häufig, weil sie sich über ihren Stunden- oder Tagessatz keine genauen Gedanken gemacht haben. Dein kalkulierter Preis entscheidet, ob Du von Deinem eingenommenen Geld als Fotograf leben kannst oder irgendwann alle Viere von Dir strecken musst, weil Dich Deine Gesundheit in die Knie zwingt. Es gibt in der Branche verschiedene Preise. Häufig wird viel zu günstig angeboten.

Orientiere Dich nicht am Durchschnitt, denn damit wirst Du meist zu niedrig angesetzt haben. Neben den Preisen, die Du im Netz findest, gibt es auch sehr viele, die ihre Preise nicht transparent machen und diese auch per Nachfrage nicht rausrücken. Warum nicht? Es täte der Branche echt gut, wenn jeder Fotograf transparent mit seinen Preisen umgehen würde und sich alle Fotografen in etwa einem Preissegment bewegen würden. Aber das steht auf einem anderen Blatt – weiter im Text.

Was muss man in die Preiskalkulation als Fotograf mit einbeziehen?

Am Anfang bist Du voller Tatendrang und möchtest am liebsten sofort loslegen, aber vorher gilt: „Kalkuliere Deinen Preis“. Die Preisgestaltung eines Fotografen ist anfänglich echt trocken, das gebe ich zu, aber mit der Zeit wird es Dir Spaß bereiten, auch das kann ich Dir vorab verraten. So erging es mir auf jeden Fall. Mittlerweile liebe ich das Kalkulieren von Angeboten, wobei dies recht einfach ist, wenn man seinen Stundenlohn und Tagessatz kennt. Aber genug geschwafelt, kommen wir zu den Fakten und einer Beispielkalkulation.

Den Preis eines Fotografen anhand eines Beispiels kalkuliert

Rechne all Deine Ausgaben, die für Deinen Job als Fotograf von Nöten sind, zusammen. Jeder kleinste Kostenfaktor ist wichtig, denn auch kleine Kosten können sich summieren! Fotoausrüstung, Dein Computer mit allem, was dazugehört, und sämtliche Versicherungen. Dazu Verbrauchsmaterial, wie Bürokram, das Marketing, um Deine Reichweite zu erhöhen, Webseitenkosten, usw. Schreibe wirklich alle Posten auf!

Sämtliche Kosten müssen in Zukunft von Deinen Einnahmen gezahlt werden. Die Fotografie ist, wenn Du Dich ernsthaft als Fotograf selbständig machen möchtest, kein Hobby mehr, sondern Dein Job, Dein Business. Dessen solltest Du Dir bewusst sein. Mit der Fotografie bestreitest Du Deinen Lebensunterhalt.

Abnutzung technischer Geräte
Abnutzung technischer Geräte

Beachte die Abnutzung technischer Geräte

Dieser Punkt wird auch ganz gerne mal vergessen. Eine neue Kamera ist irgendwann abgenutzt und Du benötigst eine neue. Wir beide wissen, dass eine Kameraausrüstung Geld kostet. Je nachdem, wie häufig Du Deine Ausrüstung nutzt, kann die Haltbarkeitsdauer zwischen drei und fünf Jahren liegen (grob geschätzt). Dann benötigst Du einen neuen Kamera-Body. Und der schlägt immer ordentlich zu Buche. Meistens braucht man auch ein Backup dazu, einen zweiten Body, und diese Summe ist auf einmal zu zahlen, wenn Du sie nicht in Raten abstottern möchtest.

Diese Kalkulation bezieht sich natürlich auf jegliches Fotoinventar, das einer Abnutzung unterliegt. Auch eventuelle Reparaturen solltest Du hier mit einbeziehen. Sämtliche Kosten/Ausgaben, die Du vergisst, können fatale wirtschaftliche Folgen haben – spätestens dann, wenn sie in der Summe so hoch sind, dass Du nicht genug Geld dafür zur Seite geschafft hast. Also gilt: „ALLES“ aufschreiben! Am Ende hast Du all Deine Ausgaben zusammen und weißt, was Du monatlich zur Verfügung haben musst. Den ersten Haken kannst Du setzen – Glückwunsch!

Wie viel Arbeitstage als Fotograf hast Du zur Verfügung?

Du weißt, das Jahr hat 365 Tage. In Schleswig-Holstein hat(te) das Jahr 2021 256 Arbeitstage. Warum schreibe ich SH? Da sich dies bezüglich Feiertage je Bundesland unterscheidet. Sicherlich möchtest Du in einem Jahr auch mal Urlaub machen? Wie viele Urlaubstage hattest Du noch im Angestelltenverhältnis?

Zieh mal 25 Urlaubstage von den Arbeitstagen ab, dann bist Du bei 231 Arbeitstagen – vorausgesetzt, Du wirst nicht einen einzigen Tag krank. Wie oft warst Du im Durschnitt in den letzten Jahren übers Jahr verteilt krank? Ziehe für Krankheit auch nochmal sieben Tage ab. Dann kommst Du auf 224 zur Verfügung stehende Arbeitstage.

Wie viel musst Du als Fotograf verdienen?

Wie viel Geld brauchst Du, um die vorigen Ausgaben decken zu können? Sagen wir mal, Du benötigst 2.500 Euro netto. Dieses Geld ist für Miete, Strom, Auto, Spritgeld, Handy, Essen und Trinken, Haushaltsgeld usw. Multipliziert mit zwölf Monaten sind das 30.000 Euro. Nun wird es spannend, denn das war es noch lange nicht. Beachte die Sozialversicherungsabgaben, die bei 38,65 Prozent liegen (2021).

Die kommen auf die 30.000 Euro noch oben drauf, das sind 11.595 Euro, gesamt also 41.595 Euro. Nicht vergessen darfst Du die Umsatzsteuer von 19 Prozent, die noch dazu kommt, sowie die Einkommenssteuer, die wiederum abhängig ist von Deinem Gewinn. Die Untergrenze liegt bei14 Prozent und der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent. Der Einfachheit halber rechnen wir mit einem Mittelwert von 28 Prozent.

Als letztes noch die Gewerbesteuer. Diese zählt zu den Gemeindesteuern und ist eine der wichtigsten Einnahmequellen für jede Gemeinde. Bei dem sogenannten Gewerbehebesteuersatz gibt es starke regionale Unterschiede. Um es einfacher zu machen, habe ich für diese Kalkulation elf Prozent angesetzt. Die eigentliche Berechnung ist etwas komplexer und lassen wir hier mal unbeachtet.

30.000 Euro monatlich netto zuzüglich:

  • 5.700 Euro – 19 Prozent  Umsatzsteuer
  • 8.400 Euro – 28 Prozent  Einkommensteuer
  • 3.300 Euro – 11 Prozent  Gewerbesteuer
  • 11.595 Euro – 38,65 Prozent  Sozialversicherungsabgaben

macht 58.995 Euro. Aber wars das jetzt? Nicht wirklich!

Geld verdienen als Fotograf
Geld verdienen als Fotograf

Ausgaben als Fotograf mit einbeziehen!

Anfangs hätte ich es nie für möglich gehalten, dass so viele Ausgaben auf einen zukommen, aber es summiert sich schnell mal und 20.000 Euro im Jahr sind gar nichts. Hier mal eine neue SD-Karte, ein neues Objektiv, Softbox, Stativ, neuer Drucker etc. Ich habe mir in 2021 zwei neue Bodys (Canon R5 und R6) gekauft und diverse Objektive, diese Ausgaben betrugen alleine schon 15.000 Euro. Okay, Du erinnerst Dich an die soeben errechneten 58.995 Euro? Jetzt liegen wir mit unserer Ausgabenplanung bei 78.995 Euro. Du meinst jetzt sicher, das ist ausreichend für alles? Na, schauen wir mal!

Welcher Stundenlohn ergibt sich aus dem Umsatz?

Oben errechneten wir 224 Arbeitstage. Ganz ehrlich, ich kann mich an einen Acht-Stunden-Tag kaum erinnern in den letzten Jahren, aber nehmen wir diese acht Stunden fürs erste. 224 Arbeitstage x 8 Stunden ergibt 1.792 Arbeitsstunden als Fotograf. Bei einem errechneten Umsatz von 78.995 Euro ergibt das einen Stundenlohn von 44,08 Euro. Das heißt also, Du berechnest Deinen Kunden nun 44,08 Euro pro Stunde? Falsch!

Denn Du arbeitest nicht nur für Deine Kunden, sondern auch an Deinem Unternehmen. Auch die Zeit, in der Du Marketing für Dein Unternehmen betreibst oder Dich weiterbildest, gehört on Top auf diesen Stundenlohn. Die Liste variiert und füllt bei weitem mehr Stunden! Rechne es mal durch, mit dem Fotografieren selbst wirst Du wahrscheinlich gerade mal zehn bis 15 Prozent Deiner Arbeitszeit verbringen. Der Rest geht für alles Drumherum drauf. Aber komm, das schauen wir uns genauer an.

Wie errechnet man einen realistischen Stundenlohn?

Bisher arbeitest Du eigentlich nur kostendeckend. Kein Urlaub, nichts für Dich oder Deine Freizeit. Wo also ansetzen? Für die erste Überlegung wäre ein Verhältnis von eins zu zwei sinnig, hier fließt dann zum Beispiel auch mit ein, dass Du die Bilder bearbeitest, dem Kunden zur Verfügung stellst, weitere E-Mail Korrespondenzen, Rechnungen schreiben etc.

Aber dieses Verhältnis ist unternehmerisch zu kurz gedacht. Wie Du hier zum Beispiel nachlesen kannst, erhält ein Kunde für eine Stunde häufig 3,5 Stunden an Dienstleistung von mir: Leistungen die ein Kunde erhält und wofür er zahlt. Somit solltest Du ein Verhältnis von 3,5 nehmen (1 zu 3,5). Nehmen wir die errechneten 44,08 Euro, bedeutet dies einen Stundenlohn von 154,28 Euro.

Das bezieht sich jetzt auf Deine Stunden-Kalkulation, die auch die Bildbearbeitung beinhaltet und alle weiteren Arbeiten an Deinem Unternehmen. Somit sollte Dein Tagessatz (acht Stunden) auch bei 1.234 Euro liegen. Auch jetzt weiß ich, was in Deinem Kopf vorgeht…  Das bezahlt doch keiner? Aber wenn Dir das jetzt zu hoch vorkommt, dann nur weil Du am Anfang von einem viel zu niedrigen Stundensatz ausgegangen bist und Du Dich wenig mit diesen betriebswirtschaftlichen Belangen auseinandergesetzt hast, oder?

Realistischen Stundenlohn berechnen
Realistischen Stundenlohn berechnen

Weitere Ausgaben, die Du noch nicht berücksichtigt hast

Zu den oben aufgeführten Ausgaben kommen bei mir zum Beispiel jährlich noch: 6.914,72 Euro zu den 78.995 Euro, ergibt in der Summe 85.909,72 Euro. Ich denke, so langsam wird erkenntlich, warum ein Jahresumsatz von100.000 bis 150.000 Euro schon erstrebenswert sein sollte, oder?

  • 228 Euro – Handwerkskammer
  • 400 Euro – Berufsgenossenschaft
  • 4.000 Euro – Marketingausgaben
  • 630,72 Euro – Berufsunfähigkeitsversicherung
  • 456 Euro – Firmenhaftpflicht, Elektronikversicherung
  • 200 Euro – Homepagekosten
  • 1.000 Euro – Sonstige Ausgaben

Ob ich persönlich dies erreichen werde, stellt sich dieses Jahr (2021) heraus. Dies ist mein zweites Jahr als hauptberuflicher Fotograf.

Wieviel verlange ich als selbstständiger Fotograf?

Neben den 79 Euro für die reine Arbeitszeit kommen noch 13,49 Euro je Bildbearbeitung dazu, sowie An-/Abfahrt. Je nachdem, wie viele Bilder genommen werden, liege ich mit durchschnittlich drei Bildern je Auftrag bei 120,47 Euro. Wie Du siehst, muss ich auch nochmal nachbessern, da ich bisher auch nur mit einem Faktor von drei gerechnet hatte.

Während da ich mich jetzt mehrere Stunden mit diesem Artikel und der Kalkulation auseinandergesetzt habe, ist mir bewusst geworden, dass ich eine Nachbesserung meines Stundenlohns vornehmen muss. Ansonsten würde ich meinen Kunden stets 0,5 Stunden schenken und das heißt somit Zeit (Lebenszeit). Und wie wir alle wissen, ist Lebenszeit das kostbarste Gut. Lass die ganze Berechnung auf Dich wirken und mach Dich dann an Deine eigene Preiskalkulation.

Selbstständig als Fotograf
Selbstständig als Fotograf

Kalkuliere jetzt richtig und Deine Gesundheit wird es Dir danken!

Wenn ich mir die Preise im Netz so anschaue, muss ich mit Erschrecken feststellen, dass sich die wenigsten Gedanken über den Stundenlohn und Tagessatz zu machen scheinen. Sie würfeln vielleicht die Preise aus und gehen völlig naiv an die Preisfindung heran. Letztendlich wird es ihre Gesundheit sein, die ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Ein weiteres Problem, das dadurch verursacht wird, ist, dass Kunden ein völlig falsches Bild davon erhalten, was Fotografie eigentlich kostet.

Da ich meine Preise transparent nach außen hin zeige, kommt es nicht mehr so häufig vor, aber ab und an bekomme ich doch zu hören „Das ist aber teuer. Ich habe es bei einem anderen Fotografen wesentlich günstiger gesehen.“ Ehrlich, es gab mal Zeiten, da habe ich versucht, solchen Kunden zu erklären, wie sich der Preis berechnet, aber Du erinnerst Dich, was ich in Bezug auf Lebenszeit sagte? Dafür ist mir meine Zeit inzwischen zu schade!

Ein (zu) günstiger Preis wird früher oder später zu einem Problem

Ein zu niedrig kalkulierter Preis wird sich sowohl gesundheitlich auswirken als auch finanziell. Gesundheitlich, weil Du wahrscheinlich nur noch am Arbeiten bist, um Deine Ausgaben zu decken. Und finanziell obendrein, wenn etwas kaputt geht oder irgendwas geschieht, das Dich finanziell in die Bredouille bringt und Du merkst, dass Dir dafür die Kohle fehlt. Oder Du musst einen längeren Ausfall verkraften, eine Zeit also, in der Du nicht arbeiten kannst. Ich verspreche Dir, vernachlässigst Du Deine Preiskalkulation als selbstständiger Fotograf, wirst Du die Erfahrung selbst machen und Dich in einigen Jahren an diesen Artikel zurückerinnern. Ganz sicher!

Mehr Kunden bekommen, wenn Du billiger anbietest?

Wahrscheinlich geistert Dir dieser Gedanke auch in Deinem Kopf rum, aber Du wirst mit einem günstigen Preis nur die Kunden anziehen, die ausschließlich sparen wollen. Qualität ist diesen Personen meist weniger wichtig, Hauptsache wenig bezahlen. Und selbst, wenn Du ihnen einen billigen Preis anbietest, nörgeln sie am Ende doch rum, weil sie mehr für ihr Geld erwartet hätten. Möchtest Du diese Art von Kunden?

Generell, wenn Du bei der Zusammenarbeit mit einem Kunden Bauchschmerzen bekommst, dann lerne auch Nein zu sagen. Hierüber habe ich auch einen längeren Artikel geschrieben: „Die Kunst Nein zu sagen“. Den fand ein Focus-Redakteur so gut, dass ich dazu interviewt wurde und ich in einer Ausgabe vom Focus zu diesem Thema zitiert wurde.

Billige Preise gleich mehr Kunden?
Billige Preise gleich mehr Kunden?

Gibt es nicht schon genug Fotografen?

Sicherlich ist der Bereich der Fotografie ein Markt, der jedes Jahr wächst. Aber die Nachfrage wächst ebenso, auch was das Internet anbelangt. Es gibt genug Webseiten oder Agenturen, die stetig neue Bilder benötigen. Neben denjenigen, die zu günstig anbieten, gibt es Bereiche, in denen es bereits eine Vielzahl an Fotografen gibt – auch Anfänger, die mit einem sehr guten Auge bereits beachtlich gute Bilder zaubern, wodurch wiederum die Wertschätzung professioneller Arbeiten sinken kann und damit auch die Preise.

Aber lasse Dich davon nicht beirren. Entweder Du hältst das aus oder schaust, dass Du Dich in eine Nische begibst, in der es noch nicht so viele Fotografen gibt. Und Du wirst Dich wundern, Nischen gibt es. Wie oft hast Du Dich schon bei einer Dienstleistung oder einem Produkt gefragt „Wieso bin ich da nicht selbst drauf gekommen?“ Und so verhält es sich im Bereich der Fotografie auch. Schau mal, was Dir am meisten Spaß bringt und welches Angebot sich daraus stricken lässt, mit dem Du Dich von Deiner Konkurrenz abheben kannst.

Kein kalter, sondern ein lauwarmer Sprung ins Nass!

Über das Hobby in die Teilselbstständigkeit und danach komplett selbstständig: Vom Angestellten in die Selbstständigkeit. Aus einem Hobby wurde eine nebenberufliche Tätigkeit. Ich meldete ein Kleinunternehmen an und baute so sukzessive meine Selbständigkeit auf. Es war somit am Ende kein kalter Sprung ins Wasser, sondern das Wasser hatte bereits Temperatur, was so viel heißt, ich musste nicht komplett bei null anfangen.

Wenn Du damit liebäugelst, Dich selbständig zu machen, kann ich Dir dieses Vorgehen nur empfehlen; baue also in Deiner Freizeit Deine Selbstständigkeit auf. Hier ist natürlich zu empfehlen, Dir durch Deinen Arbeitgeber das „Go“ zu holen (schriftlich), dass Du Dir in Deiner Freizeit als Fotograf ein paar Euro dazu verdienst. Sofern Dein Hauptjob darunter nicht leidet, sollte das kein Problem sein. So kannst Du in Ruhe Dein Business und Kundenportfolio ausbauen und wenn Du soweit bist und es Dir zutraust, die Leinen zum Angestelltenverhältnis komplett kappen.

Welche Rechtsform ist als Fotograf die beste?

Häufig wird die Rechtsform „Einzelunternehmen“ gewählt, aber darüber hinaus gibt es noch einige Rechtsformen mehr. Welche am besten zu Dir passt, hängt von Deinem Vorhaben ab. Wie immer, wenn Du Dir unsicher bist, lasse Dich beraten. Dabei kann Dir ein Steuerberater helfen. Im Nachhinein kannst Du die Rechtsform immer noch rückgängig machen und ändern.

Benötigst Du für den Start eine Finanzierung?

Eventuell hast Du noch nicht alles für Deinen Start beisammen und musst noch ein paar Investitionen tätigen. Sofern Du keine Rücklagen hast, wäre ein Kredit eine Option. Dies finde ich persönlich immer etwas heikel, denn das Darlehen musst Du natürlich auch wieder begleichen. Das solltest Du in Deinem Businessplan berücksichtigen. Hast Du genügend Kunden, um Deine errechnete Summe zu erreichen und darüber noch etwas mehr, um den aufgenommenen Kredit zu tilgen? Eine super Sache sind Beratungsstellen für Existenzgründer. Schau mal in Deiner Stadt, welche Institutionen dort vertreten sind und ob ein Kredit Deine beste Wahl ist. Vielleicht hast Du ja auch Anspruch auf Fördergelder?!

Webseite als Kundenmagnet
Webseite als Kundenmagnet

Bist Du fit in Sachen Marketing?

Marketing ist ein weitläufiger Begriff. Meines Erachtens fallen hier sämtliche Dinge mit rein, um mehr auf Dich als Fotograf aufmerksam zu machen. Bei dem einem funktioniert Instagram gut, bei einem anderen Facebook; davon unabhängig möchte ich Dir einen Tipp auf den Weg geben, vernachlässige „nie“ Deine eigene Webseite. Aus irgendwelchen Gründen bricht einer dieser Kanäle weg, in den Du viel Arbeit und Zeit gesteckt hast und Deine Webseite erzielt kaum Traffic, das heißt also, Du würdest quasi wieder bei null anfangen.

Aber auch hier solltest Du nicht nur alleine auf Deine Webseite bauen! Sie ist Teil einer gesunden Mischung aus weiteren Kundenquellen, wobei Dein Hauptaugenmerk meiner Meinung nach auf Deiner Webseite liegen sollte. Jeder weitere Kanal kostet Zeit. Qualität geht vor Quantität. Bespiele lieber einen Kanal richtig, als mehrere halbherzig. Fast vergessen: Vergiss Google my Business nicht! Das ist wirklich ein Marketing-Kanal, der sich lohnt. Einige meiner Kunden gehen gar nicht mehr auf meine Webseite, sondern rufen mich direkt über den Eintrag bei Google my Business an.

Wer ist Deine Zielgruppe?

Ziel …was? Zielgruppe. An wen richtet sich Dein Angebot eigentlich und wo halten sich deine potentiellen Kunden auf? Statista liefert dazu einige Auswertungen. Dazu solltest Du im Vorwege wissen, ob sich Deine Dienstleistung an Privat- oder Geschäftskunden richtet. Für Privatkunden kann Social Media – wie oben genannt – eine gute Wahl sein. Um Geschäftskunden zu generieren, sind eher XING oder LinkedIn die richtigen Kanäle. Wenn Du weißt, wo sie Deine potentiellen Kunden aufhalten, kannst Du Deine Marketingausgaben gezielter ausrichten.

Über welche Kanäle nehmen die Kunden mit Dir Kontakt auf und welcher dieser Kanäle hat die beste Konvertierungsquote? Mit einem Tracking lässt sich dies herausfinden. Über die altmodische Art geht es natürlich auch: Du fragst einfach Deine Kunden, wie sie auf Dich aufmerksam geworden sind – wobei manche nicht den Unterscheid zwischen AdWords-Anzeigen, Google my Business oder das Suchergebnis (organischer Traffic) kennen.

Zielgruppe als Fotograf ermitteln
Zielgruppe als Fotograf ermitteln

Die Königsklasse: Mundpropaganda!

Machst Du einen guten Job, wirst Du weiterempfohlen. Andersherum geht es meistens schneller. Machst Du einen schlechten Job, wird dies meistens schneller per Mundpropaganda weitergegeben. Daher behandle jeden Kunden mit Respekt, Wertschätzung und Höflichkeit. Höre jedem Kunden zu, was ist sein Wunsch? Kläre mit ihm seine Erwartungshaltung ab.

Frage ihn, wann es für ihn ein tolles Shooting war, welches Ergebnis erwartet er? Erfüllst Du dies, perfekt! Baue Deine Bewertungen auf und bitte Deine Kunden, eine Bewertung zu schreiben, zum Beispiel über Google my Business. Dieser Schritt läuft bei mir immer gleich ab. Mit der Rechnung frage ich die Kunden per E-Mail, ob sie mich bewerten können und schicke den Link dazu gleich mit. Das funktioniert wunderbar!

Welche Versicherungen benötigst Du als Fotograf?

Hierzu habe ich bereits einen längeren Artikel geschrieben: Diese Versicherungen sind wichtig als Fotograf. Kommt etwas bei einem Kunden zu Schaden, ist eine Berufshaftpflicht eine der wichtigen Versicherungen. Fällt Deine Kamera oder ein Objektiv mal auf den Boden oder ins Wasser, ist eine Kameraversicherung auf jeden Fall eine gute investierte Ausgabe.

Der Versicherungsmarkt ist sehr groß, vergleiche die einzelnen Versicherungen und dessen Leistungen daher miteinander. Wenn Du Dir unsicher bist, gibt es auch sicherlich unabhängige Versicherungsmakler in Deiner Nähe, die mit Dir Deine Anforderungen durchgehen. Versicherungen gibt es wirklich unzählige, aber auch hier solltest du genau prüfen, welche Du wirklich benötigst.

Berufshaftpflicht Versicherung

Wie sollte sich ein selbständiger Fotograf für die Zukunft absichern?

Auch die Rente solltest Du auf dem Schirm haben: Erhalte ich als Fotograf genügend Rente? Hast Du zuletzt auf Deine Rentenbescheinigung gesehen und welchen Betrag Du im Rentenalter erwarten kannst? Als Selbständiger hast Du verschiedene Optionen, aber dies Thema ganz beiseite zu schieben, empfehle ich Dir nicht. Fange früh genug an, etwas für Deine Rente einzuzahlen.

Wenn Du vor Deiner Selbstständigkeit noch angestellt warst, hast Du bereits Monat für Monat Einzahlungen vorgenommen; dies kannst Du natürlich auch fortführen. Du wählst dann einen Betrag aus, den Du monatlich freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlst. Aber auch andere Optionen solltest Du Dir ansehen, wie Fonds oder Anlagen.

Wie als Fotograf krankenversichern?

Das war wirklich ein Brett, mit diesem Thema habe ich mich Wochen auseinandergesetzt. Weiter in der gesetzlichen bleiben oder privat versichern?! Bist Du als freiberuflicher Fotograf tätig, kannst Du der Künstlersozialkasse (KSK) beitreten. Darüber genießt Du fast dieselben Leistungen, als wärst Du noch angestellt. Als Fotograf bist Du verpflichtet, Dich in der Berufsgenossenschaft (Bereich Druck und Papierverarbeitung) anzumelden.

Zurück zur Krankenversicherung, auch noch eine Sache mit der Du Dich beschäftigen musst. Ob freiwillig in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen oder Dich privat versichern, diese Entscheidung musst Du für Dich treffen. Ich habe mich für die private Krankenversicherung entschieden. Möchte man von der privaten zurück in die gesetzliche Krankenversicherung, ist dies möglich, solange man noch nicht 55 Jahre alt ist.

Fazit: Das war eine Menge an Informationen, nimm Dir daher ausreichend Zeit, um Dich mit den einzelnen Punkten auseinanderzusetzen. Vielleicht hast Du im Bekanntenkreis bereits jemanden, der sich selbständig gemacht hat? Damit hättest Du eine Anlaufstation, um Dich mit der Person auszutauschen. Oder Du nutzt eine Mitgliedschaft bei Freelens, um Dich mit Fotografen auszutauschen oder den Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V.

Möglichkeiten gibt es einige; wie bei all den hier aufgeführten Informationen, ist es von Dir abhängig, was Dir am meisten zusagt und Du daraus machst. Klar, einiges ist verpflichtend, wie die BG, aber anderes kannst Du selbst entscheiden und für Dich abwägen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall von Herzen einen guten Start in die Selbstständigkeit als Fotograf!

Letzte Aktualisierung am 26.10.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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