Erfahrungsbericht Einzelcoaching bei Andreas Jorns

Workshop bei Andreas Jorns

Nachfolgend ein Erfahrungsbericht vom Einzelcoaching Workshop bei Andreas Jorns in Haan. Erfahre mehr darüber, warum ich ein Einzelcoaching gebucht habe, mit welchen Fragen ich mich im Vorwege beschäftigt habe und wie der Workshops bei Andreas abgelaufen ist. Was diesen Artikel von anderen Erfahrungsberichten unterscheidet ist, dass ich Dir zeige, wie sich die Bilder im Laufe des Workshops verändert haben und wodurch diese Veränderung herbeigeführt wurde.

Der Preis des Einzelcoachings

Der Preis eines Einzelcoachings von neun Stunden beträgt 1.400 Euro. Für Akt liegt er bei 1.600 Euro (Stand Juni 2017). Anfangs stellte ich mir die Frage, ob mir der Workshop so viel wert ist und ob ich für mich einen Mehrwert daraus ziehen kann, der diesen Preis rechtfertigt. Schließlich kamen für mich, wie wahrscheinlich auch jeden anderen, die Anreise und die Unterbringung vor Ort hinzu. 450 km liegt Haan von mir entfernt. Aus diesem Grunde entschied ich mich für drei Tage ein Hotel zu buchen. Einen Tag Anreise, einen Tag Workshop und den letzten Tag Abreise. Alles in allem hat mich das Einzelcoaching in etwa 1.700 Euro gekostet. Drei Tage Hotel, ein Abendessen am ersten Tag, einmal Frühstück am letzten Tag und die Fahrtkosten (Benzin). Die Frage nach dem Mehrwert kann ich allerdings ganz klar mit „Ja“ beantworten. Denn das Wissen, das mir dort vermittelt wurde, hätte ich mir mühselig aus Tutorials etc. zusammensuchen müssen und wäre mit einem einzigen Tag niemals hingekommen. Rechne ich dagegen, wie viel Arbeitszeit mir nun erspart bleibt, war es für mich auf jeden Fall eine lohnenswerte Investition.

Weiterentwicklung in der Fotografie

Als Fotograf gehört es für mich dazu, mich weiterzubilden. Neue Eindrücke und Ideen einzuholen. Ich bin immer offen für Neues. Andreas folge ich schon sehr lange. Seine Arbeiten finde ich sehr ansprechend. Ohne viel Schnickschnack, klar und mit enormer Aussagekraft.

Dazu habe ich nie das Gefühl, dass irgendetwas von dem, was er tut, aufgesetzt ist oder er nicht zu hundert Prozent dahinter steht. Nach meinem Empfinden ist er ein sympathischer, offener Fotograf, der es auch noch versteht sein Wissen anderen zu vermitteln. Ich nenne ihn den Fotografen-Flüsterer.

Mich interessierte, wie Andreas an ein Bild herangeht, was ihm durch den Kopf geht und wie er seine Werke bearbeitet. Mir war klar, dass er mir einige Fragen stellen würde – zum Beispiel warum ich das Einzelcoaching bei ihm gebucht habe, warum ich fotografiere, in welchen Bereichen ich mich verbessern möchte etc.

Fragen, die man sich als Fotograf selbst stellen könnte

Ich stellte mir Fragen, was Andreas von mir wissen möchte oder besser gesagt, in welchen Bereichen ich mich verbessern will und wie die passenden Fragen dazu lauten könnten. Wo sehe ich selbst meine Defizite und was sind die Bereiche, mit denen ich des Öfteren zu kämpfen habe? Im Vorfeld hatte ich ein wenig Angst, dass mir eine bestimmte Frage nicht einfällt, die ich unbedingt stellen müsste/sollte, dass der Tag vergeht und mir dann beim nächsten Shooting 1.000 Dinge einfallen, die ich hätte fragen sollen.

Fragen an mich selbst – Hausaufgabe vor dem Einzelcoaching

Warum fotografierst Du?

  • Es ist eine Art Entspannung für mich und gleichzeitig mag ich es, etwas Schönes auf einem Bild festzuhalten.
  • Neben der Portraitfotografie liebe ich es, mit Musik in den Ohren meine Kamera zu schnappen und rauszugehen. Mich durch die Musik leiten zu lassen, nichts zu erzwingen und mich durch sie und die Stimmung inspirieren zu lassen.

Was möchtest Du lernen?

  • Ich habe manchmal keinen Ansatz, wie ich an ein Bild herangehen soll. Ich habe von einigen Fotografen gehört, dass sie eine Geschichte im Kopf haben und wissen, wie das fertige Bild am Ende aussehen soll, aber das habe ich nicht. Ist das ungewöhnlich?
  • Wenn ich ein Bild oder verschiedene Bilder sehe, weiß ich, wenn mir eins besonders zusagt. Bereits vorher habe ich mir unterschiedliche Bilder angesehen und für mich interpretiert, was mir an dem Bild gefällt und wieso. Wenn ich dieses Wissen selbst anwenden möchte, fällt es mir manchmal sehr schwer einen Ansatz, zum Beispiel eine Perspektive zu finden, obwohl mir die Themen goldener Schnitt und Bildaufteilung bekannt sind.
  • Manchmal tue ich mich schwer mit dem Schärfeverlauf. Bei der späteren Betrachtung auf dem Monitor sehe ich dann, dass ich die Blende hätte doch noch etwas weiter schließen sollen. Das passiert nicht häufig, aber ab und an.
  • Ich bin immer auf der Suche nach einem bestimmten Blick. Da gehen die Geschmäcker auseinander. Aber habe ich ihn dann gefunden, ist die Resonanz bisher sehr gut und zeigt mir, dass ich mit meiner Art der Fotografie und dem wie ich fotografiere, nicht ganz falsch liege.
  • Wie kann ich einem Model einen Ausdruck übermitteln (Anweisungen geben), den ich selbst des Öfteren auf einem Bild suche und schwer in Worte fassen kann? Das ist für mich, wenn ich so darüber nachdenke, das Schwierigste. Woher soll das Model wissen, was ich möchte, wenn ich den Ausdruck selbst weder beschreiben noch vormachen kann? Welche Hilfestellung hat Andreas da?
  • Was muss ich tun, damit der Mensch vor meiner Kamera sich wohl fühlt und weiß, was ich von ihm möchte?
  • Was muss ich bei der Bildkomposition beachten und wie bearbeite ich mein schwarz-weiß-Bild in Lightroom?
    Bearbeitung der Rohdaten, was ist zu viel bzw. zu wenig, wie setzt Andreas Akzente?
  • Hat Andreas Tipps, wie man das Licht erkennen und gezielt damit arbeiten kann?
  • Bin ich mit dem Umgang und den Einstellungen der Kamera vertraut genug?
  • Wie arbeitet Andreas mit Licht und Schatten?

Wo möchte ich mit meiner Fotografie hin?

  • Eine Frage, die ich mir des Öfteren stelle. Vereinzelt gibt es Bilder, die mir auch in Farbe gefallen, aber die meisten sind in schwarz-weiß. Die Tendenz, wie ich zukünftig arbeiten möchte, geht Richtung s/w.
  • Aufgrund meiner Wohnung, der niedrigen Decke und den bescheidenen, kleinen Fenstern, habe ich keine großen Optionen mit Available Light zu arbeiten. Die Suche nach einer größeren Wohnung mit großen Fenstern läuft.
  • Gerne würde ich meine Arbeiten in der Portraitfotografie erweitern.

Wann ist ein Bild für mich gut?

Wenn ich einen bestimmten Ausdruck sehe oder ein ehrliches Lachen. Eine Situation, die man gemeinsam erlebt hat und die das Bild besonders macht – nichts, was man bei Models standardmäßig sieht.

Anreise zum Einzelcoaching nach Nordrhein-Westfalen

Einen Tag vor dem Einzelcoaching reiste ich von Lübeck mit dem Auto nach Haan und checkte Luftlinie circa 800 Meter entfernt von Andreas Atelier im Hotel Savoy ein. Vom Hotelpersonal wurde ich sehr freundlich begrüßt und bekam ein Upgrade meines Hotelzimmers. Ein guter Einstieg! Den Abend ließ ich im Restaurant Los Hermanos, einem argentinischen Steakhaus an der Ecke, mit einem schönen Steak und einer Apfelschorle ausklingen. Mental bereitete ich mich auf den kommenden Tag vor und schrieb an den oben aufgeführten Fragen auf dem Hotelzimmer noch etwas herum.

Anfahrt zum Atelier von Andreas

Um kurz vor zehn stand ich vor der Wilhelmstraße Hausnummer 21. Ich nahm zumindest an, dass ich davor stand, da es sich zwischen den Nummern 19 und 23 befand, aber weder ein Namensschild noch ein sonstiger Hinweis wies darauf hin, dass ich vor dem Atelier von Andreas stand. Es wurden Malerarbeiten durchgeführt und das ganze Haus war mit einem Gerüst versehen, inklusive verklebter Fenster. Mein Handyempfang war so grottenschlecht, dass ich nicht in Google Maps schauen konnte, geschweige denn Andreas hätte anrufen können. Einige Minuten später sah ich Andreas aussteigen und war fürs Erste beruhigt, dass ich pünktlich und richtig war.

Erster Kontakt und Begrüßung

Zuerst war ich überrascht, dass Andreas fast genauso groß war wie ich. Warum auch immer hatte ich ihn etwas kleiner in Erinnerung. Aber egal, diese Erinnerung bezog sich nur auf Bilder und Videos, die ich von ihm gesehen hatte. Nachdem ich mich kurz im Atelier umgeschaut hatte, nahmen wir in einem Nebenraum Platz und frühstückten zusammen. Andreas fragte mich vorab per Mail, ob ich süß oder deftig mag. Ich feedbackte ihm damals „deftig“, also war wirklich alles dabei. Wer mich kennt, weiß: Ich kann viel essen. Ich musste aber aufgegeben, da ich sonst in ein Fresskoma verfallen wäre.

Lockerer Smalltalk beim Frühstück

Wir hielten lockeren Smalltalk, sprachen über dieses und jenes und lernten einander besser kennen. Während wir Kaffee tranken, fragte mich Andreas nebenbei verschiedenste Dinge zur Fotografie: wie ich dazu gekommen bin, wo ich damit hin möchte etc. Ein Großteil dessen, worüber ich mir bereits im Vorwege Gedanken gemacht hatte, kam hier zur Sprache. Das war eine riesen Erleichterung für mich, da ich mir nicht just in dem Augenblick Gedanken darüber machen musste.

Der Blick in meine Fotomappe

Als Hausaufgabe hatte mir Andreas auf dem Weg gegeben, eine Fotomappe mitzubringen. Bis dato hatte ich immer vorgehabt eine zu erstellen, es aber noch nicht getan. Von daher suchte ich Bilder heraus, die mir gefallen, ließ sie extern druckten und legte sie in meine Fotomappe. 10 Fotos sollte ich mitbringen, aber es wurden mehr. Wahrscheinlich hätte ich besser nur drei bis fünf mitbringen sollen. An einigen gab es Kleinigkeiten, die mir nicht gefallen und genau diese Dinge fielen auch Andreas auf. Aber es freute mich, dass meine Favoriten auch von Andreas gewählt wurden. Ich hatte mich bewusst dafür entschieden mehr Bilder in die Mappe zu legen, weil ich mit ihm gleichzeitig meine Defizite und die bereits oben angesprochene Fragen durchsprechen wollte.

Das Model Kati traf ein

Gegen halb zwölf kam das Model Kati. Kati kam in dem Raum und ich dachte: Wow, was für tolle strahlende Augen, die an sich schon ein Hingucker sind. Sie strahlte über das ganze Gesicht. Wir begrüßten uns und hielten auch erstmal Smalltalk, bevor sie ebenfalls meine Fotomappe in die Hand nahm und mir ein Feedback zu meinen Bildern gab. Kati war dabei noch einmal eine Spur kritischer als Andreas, aber ich war dankbar für jede konstruktive Kritik oder besser gesagt, ich bin es noch. Danach wurde auch nicht mehr lange geredet und wir gingen rüber ins Atelier.

Der Anfang – Leg los!

Andreas sagte: „So, fang erstmal an zu fotografieren und ich schaue mir an, was Du machst und wie Du es machst.“ Nachdem ich kurz meine Kamera eingestellt und Kati sich umgezogen hatte, ging es auch schon los. Meine Fotoausrüstung für diesen Tag, meine Nikon D750 und das 85mm Portraitobjektiv. Also gut, ich machte ein, zwei Bilder und gab gemäßigt bis gar kein Feedback. Die Bilder sahen dementsprechend aus. Keine Stimmung, viel zu gut ausgeleuchtet und langweilig.

Kleine Anpassungen am Licht

Bevor wir zum zweiten Teil übergingen, sprachen wir kurz über die bisherigen Bilder. Und eigentlich hätte ich es bereits wissen müssen: Licht ist der Schlüssel der Bildstimmung. Was kann man tun, wenn zu viel Licht vorhanden ist? Das Licht steuern. Was heißt das für die Fenstern? Richtig, sie werden ganz nach Bedarf zugehängt. Also dunkelte Andreas einen Teil des Raums ab. Das Licht war nun etwas dezenter und es traf weniger davon auf die weißen Wände. Somit entstanden schöne Kontraste in Katis Gesicht. Wieder machte ich einige Bilder, aber ich hielt teilweise zu lange inne, flüssige Bewegungen nahm ich nur vereinzelt auf. Und auch hier war ein Stellhebel: Lieber ein, zwei Bilder in der Bewegung des Models machen – ganz egal, ob Ausschuss dabei ist. Hauptsache man hat eine tollen Ausdruck eingefangen. Kati drehte sich mit dem Gesicht von einer zur anderen Seite und bot mir eine schöne Dynamik, die ich mit ein, zwei Bildern vollkommen links liegen ließ.

Tipps vom Model – Es auch mal fließen lassen

Ich merke mir: Lieber die Dynamik mitnehmen und ein paar Bilder mehr machen. Aus irgendwelchen Gründen hatte ich Barrieren, die mir sagten, ein guter Fotograf muss nicht viele Bilder machen. Das stimmt eigentlich auch, man muss diese Aussage nur richtig interpretieren.

Ein kleines Beispiel: Das Model dreht sich wie gerade gesagt von links nach rechts. Das macht man ein-, zweimal, dann ist diese Szenerie abgefrühstückt und im Kasten. Nächste Szene. In der Vergangenheit hielt ich mich an so etwas 15 Minuten und länger auf. Wieso, frage ich mich jetzt. Lieber eine neue Position, eine neue Szene, wieder Klack….Klack….Klack und nächste Szene. Dann ist viel mehr Abwechslung drin, als etliche Male zu versuchen das perfekte Bild in der einen Position zu fotografieren. Wir kamen voran oder besser gesagt, ich lernte dazu.

Das Licht und die Bildaufteilung – Negativen Raum geben

Das Licht wurde noch etwas gedämpft und durch Klammern am Vorhang noch mehr gesteuert. So entstand eine natürliche Vignette beim Fotografieren, die man nachträglich bei der Bildbearbeitung nicht setzen muss. Sozusagen spart man sich Arbeit bei der späteren Bildbearbeitung, da das Bild an sich schon fertig ist und es nicht mehr so viel zu retuschieren gibt. Okay, ich fotografierte weiter. Andreas und Kati gaben mir zwischendurch immer wieder wertvolle Tipps. Andreas zeigte mir zum Beispiel, wie man mit einer dezenten Veränderung des Körpers eine komplett andere Bildstimmung zauberte. Oder wie man den negativen Raum ausnutzt. Doch was ist negativer Raum? Das hatte ich vorher noch nie gehört. Am besten mache ich das an einem Beispiel deutlich.

Andreas zeigte mir zwei Bilder. Auf beiden war dieselbe Person in der gleichen Pose zu erkennen – aber einmal mit und einmal ohne negativen Raum. Und ich dachte mir: Wow, wie viel schöner und aussagekräftiger ist das Bild mit negativem Raum.

Heinzelmännchen in der Kamera

Mittendrin ärgerte ich mich darüber, warum ich es trotz veränderter Kameraeinstellungen einfach nicht schaffte, den Hintergrund dunkler zu bekommen. Ich probierte kurz herum und fragte mich, warum es nicht funktionierte. Andreas sagte: „Gib mir mal Deine Kamera.“ Er schaute kurz rein und schon als ich den Namen „Active D-Lighting (ADL)“ hörte, stellten sich mir die Nackenhaare auf. Wieso hatte ich diese Einstellung drin? Kein Wunder, dass ich in letzter Zeit immer wieder Probleme mit dem Hintergrund hatte. Ich kann mich nicht daran erinnern, bewusst ADL eingestellt zu haben. Aber egal, es war aktiviert und nun ausgeschaltet. Der Hintergrund wirkte sofort ganz anders… logisch!

Das Gelernte umsetzen

Nun gab mir Andreas die Aufgabe, mir anzuschauen, was Kati für Kleidung dabei hat. Ich sollte mir überlegen, was sie anziehen soll, wie sie ihre Haare tragen soll und wie ich sie mit dem hier zur Verfügung stehenden Licht in Szene setzen kann. Ich dachte mir, die Sitzgarnitur im Atelier, sprich ein Sessel daraus, könnte ganz interessant sein. Bezüglich Kleidung dachte ich, ich bewege mich mal aus meiner Komfortzone heraus und nehme weiß, da habe ich des Öfteren Probleme damit habe. Dazu eine schlichte blaue Hose. Okay, schlicht war sie auch nicht, sie war Fashion Like mit einigen Rissen. Ich hatte eine Szenerie a la Matrix  im Kopf, ließ Kati auf dem Sessel Platz nehmen und dachte mir: „Kacke, irgendwie sieht das nicht so toll aus.“ Die Beine waren viel zu präsent (erschienen fast schon dick – was sie gar nicht waren). Also was tun? Klar, die einfachste Sache der Welt: Mit dem Oberkörper weiter vorkommen und schon wirkt das Bild ganz anders. Danke Kati, auch das kam wieder von Dir als Tipp. Ich schaute immer wieder aufs Kameradisplay. Warum?

Der ständige Blick aufs Kameradisplay

Ich gehe gerne auf Nummer sicher. Soll heißen, ich kontrolliere gerne mal, ob die Kameraeinstellungen passen, indem ich mir ein, zwei Bilder anschaue. Es muss eigentlich nicht ständig sein, trotzdem machte ich es zu diesem Zeitpunkt. Wieder stand das Model da, bekam kein Feedback und in den wenigsten Fällen kommunizierte ich, was ich auf dem Display sah.

In meinem Fall brachte ich ein „Hmm…“ heraus. „Hmm“ heißt bei mir so viel wie „Dies und das sollte „ich“ noch verändern.“ Doch was denkt ein Model bei dieser (Deiner) Aussage? Gefällt ihm mein Ausdruck nicht? Sehe ich nicht gut aus? Habe ich mich falsch hingestellt? Kommunikation mit dem Model ist ein Muss! Das hatte ich damals beim Workshop von Stefan Röhl bereits gelernt, aber bereits wieder vergessen und vollkommen außer Acht gelassen.

Keine Hilfe und Blindflug

Wohl oder übel machte ich die Aussage: „Kati, warum muss ich etwas an meiner Kommunikation verändern? Du veränderst einfach Deine Position und Deinen Blick und ich kann mir den Ausschnitt selbst setzen.“ BAMM! Kati sagte: „Okay, mache ich nicht mehr.“ Und nun stand ich da. Das Model stand vor mir und ich fragte mich, was ich machen soll. Als Steigerung klebte mir Andreas noch mein Kameradisplay ab. Zwei Dinge, die ich daraus auf die harte Tour gelernt habe: Kommuniziere mehr mit dem Model und schau nicht immer auf Dein Kameradisplay. Ich bin, wie fast jeder, bereits vertraut und routiniert mit den Kameraeinstellungen, also warum so häufig auf das Display schauen?

Genau in so einem Augenblick, in dem man als Fotograf auf das Display schaut, hat das Model einen Ausdruck, der Dir durch die Lappen gehen könnte. Also lieber die Momente festhalten, als einen zu verpassen.

Hilfestellung bei Anweisungen und Licht

Stellenweise hatte ich noch Probleme, weil viel Licht auf Katis weiße Bluse fiel. Also kam von Andreas folgender Tipp: „Kati, dreh dich mal etwas vom Licht weg, Gesicht zum Licht hin. Hände in die Taschen.“ Und siehe da – warum bin ich nicht selbst darauf gekommen?! Dezent fällt das Licht auf Katis Bluse, aber ausreichend Licht auf ihr Gesicht. Dazu die lockere Haltung, ein tolles Bild. Danach sprach ich immer mehr aus, was ich dachte und sah. Ich fragte mich jetzt nicht mehr, ob ich etwas sagen sollte, sondern sagte es einfach. Ich konzentrierte mich auf Kati und das Licht, das auf sie fiel. Korrigierte sie hier und da und ließ sie machen, wobei ich immer wieder aktiv in den Prozess eingriff und Kati kleine Anweisungen gab.

Es machte Klick und ich ließ es fließen

Nachdem ich immer mehr mit Kati kommunizierte, sah wie das Licht auf sie fiel und nicht mehr auf mein Display, passierte genau das, was mir Kati anfangs nahegelegt hatte: Einfach mal laufen lassen, nicht alles planen oder ständig auf der Suche nach dem perfekten Bild sein. Stattdessen einfach mal lockerer werden. Zum Ende hin war es, als hätte man etwas Schweres von seinen Schultern genommen. Es war einfach schön und befreiend. Wir probierten noch ein anderes Outfit aus und ich wandte alles Gelernte an, was ich bis dato wie ein trockener Schwamm aufgesogen hatte. Andreas war begeistert, Kati fühlte sich wohl. Ich war hin und weg. Ein toller Abschluss. Danach nahm Andreas meine Kamera, sah sich die Bilder an und als des Öfteren ein „Wow“ oder ein bejahendes Kopfnicken von ihm kam, wusste ich, dass ich zum Ende hin das umsetzen konnte, was Andreas mir auf den Weg gegeben hatte.

Wie Andreas Jorns Bilder bearbeitet

Nach dem Shooting setzten wir uns an mein mitgebrachtes Laptop. Andreas hält bei seiner Bildbearbeitung nichts von endlosen Bildbearbeitungsreihen. Ich war eher beeindruckt wie minimalistisch er vorgeht und dadurch doch so viel aus Bildern herausholen kann. Er sagte mir: „Such Dir mal ein Bild raus und ich zeige Dir in Lightroom, was ich daran bearbeite.“ Genau das tat ich und schaute Andreas über die Schulter. Nach nicht mal fünf Minuten war das Bild fertig. Und das Bild sah/sieht klasse aus. Wieso habe ich in der Vergangenheit bis zu zwei Stunden an einem Bild gesessen? Weiß, Schwarz, Licht, Tiefentonung, Verlaufsfilter, Vignette, Körnung und fertig ist ein tolles Bild. Okay, die letzte Aufgabe, jetzt ich. Wieder suchte ich ein Bild heraus und bearbeitete es nach Andreas Workflow. BAMM, ich bin selbst begeistert von dem fertigen Bild.

Der Tag des Einzelcoachings geht zu Ende

Der Blick auf die Uhr sagte mir, dass für heute bald Schluss ist. Im Nu waren sieben Stunden vergangen, ohne dass ich es gemerkt habe. Hätte man mich gefragt, hätte ich vom Zeitgefühl gesagt, es ist eine Stunde vergangen. Ich habe an diesem Tag so viel gelernt und zwei tolle Menschen kennengelernt. Ich werde Andreas definitiv für einen Aufbau-Workshop wieder besuchen und mir das Gelernte zu Herzen nehmen und anwenden. Wer sich fragt, ob er diese Investition tätigen sollte, dem kann ich guten Gewissens nahelegen, dass dieser Workshop jeden Euro wert ist. Diese Kenntnisse lassen sich schwer über Tutorials oder durch das Lesen eines Beitrags vermitteln, diese Erfahrung sollte jeder lernwillige und wissbegierige Fotograf selbst machen. Dieser Artikel gibt nur einen kleinen Abriss dessen wieder, wie ich den Tag erlebt und was ich gelernt habe.

Anschließend ging es noch zum Italiener – Pizzeria Piccolo Sud

Mein Kopf explodierte vor lauter Ideen und Dingen, die ich umsetzen möchte. Gerade auch deswegen, weil die Eindrücke noch so frisch waren, habe ich diesen Artikel direkt im Hotel nach dem Workshop vorgeschrieben. Vielen Dank, Andreas, für einen unvergesslichen, schönen und lehrreichen Workshop!

Fazit: Das Einzelcoaching bei Andreas Jorns hat mich wieder einen großen Schritt nach vorne gebracht. Kein Tutorial oder gelesener Artikel schafft es, dieses Wissen in dieser Zeit zu vermitteln. Dazu habe ich eine Menge Anregungen und Ideen für zukünftige Projekte mitgenommen. Auch im Nachhinein gibt es vieles, das mich beschäftigt und mir auch zu gewissen Teilen die Augen geöffnet hat, zum Beispiel intensiver meine Zielgruppe zu fokussieren, mir klarer bewusst zu sein, wen ich ansprechen möchte und was ich nicht mehr machen will.

Ich lerne aus nachfolgenden Punkten, vielleicht ist ja auch der eine oder andere Punkt für Dich dabei!

  • Kommuniziere mit dem Model! Das ist wohl das Wichtigste, was ich gelernt habe. Natürlich ist das eigentlich selbstverständlich, es wird aber viel zu häufig vernachlässigt.
  • Greif aktiv in die Entstehung des Bildes mit ein – zum einen durch eine klare Kommunikation mit dem Model, zum anderen durch kleine Korrekturen. Wenn sich das Model selbst einbringt, kannst Du eine Pose leicht korrigieren, damit zum Beispiel mehr Licht ins Gesicht fällt oder andere Akzente gesetzt werden.
  • Ein tolles Bild ist Teamarbeit, aber verleih Deinen Bildern „Deine“ persönliche Note und fotografiere nicht nur ab, was Du siehst. Das haben viele Fotografen vorher auch das eine oder andere Mal gemacht. Würde man die Fotos nebeneinander legen, könnte man nicht sagen, welches von wem ist. Hast Du etwas Neues erschaffen, sticht das heraus und damit Du als Fotograf.
  • Wenn Du Deine Kamera aus dem FF beherrscht, brauchst Du die Einstellungen nicht ständig zu kontrollieren. Bist Du Dir unsicher, weil Du aufgeregt bist, schalte auf den Automatikmodus.
  • Entspann Dich, versuch nie ein perfektes Bild zu erzwingen!
  • Available Light – setze selbst Tageslicht gerichtet ein, zum Beispiel mit dunklen Vorhängen.
  • Drucke häufiger Deine Bilder aus: Ausgeduckte Bilder in den Händen zu halten, ist ein vollkommen anderes Gefühl, als sie am Bildschirm zu betrachten.
  • Mach Dir Gedanken über Deine Zielgruppe und über deine Preise – sind es die, die Du haben möchtest?
  • Sei Dir Deiner Leistung als Fotograf bewusst und verkaufe Dich nicht unter Wert.
  • Habt vor allem Spaß zusammen und eine schöne gemeinsame Zeit – daraus werden dann bestimmt schöne Bilder entstehen!

6 Comments

  1. Prima geschrieben und da ich gerade ein Buch von Andreas lese( Sensual Nude) kann ich das geschriebene sehr gut nachvollziehen. Ich bin selber sehr überrascht was mit einem passiert wenn man die Tipps von Andreas beherzigt, also wenn man Portraitfotograf werden will.

    • Hallo Gerry,
      Lieben Dank, für Deinen Kommentar. Es freut mich, das Du das Wissen aus (s)einem Buch ziehen kannst.
      So hat jeder seine Methoden, um sich fehlendes Wissen anzueignen. 🙂
      VG André

  2. Ich danke dir für den ehrlichen, selbstkritischen Einblick! Nicht jeder fotograf ist so selbstreflektiert. Ich mag deine Art zu schreiben und auch die Art, wie du den Workshop erlebt und gesehen hast.
    Wünsche dir viel Spaß bei Shootings und beim Entdecken der Welt 🙂

    • Hallo Alina,
      ich danke Dir, für Dein Kommentar. Selbstreflexion ist mir selbst sehr wichtig, wie Du erkannt hast. Nur so schaffe ich es, mich zu verbessern. Ich wünsche Dir auch eine schöne Zeit vor der Kamera und schau gerne mal wieder auf meiner Seite vorbei.
      LG André

  3. Sehr gut geschrieben. Man muß einfach zu Ende lesen.
    Mir ging es sehr ähnlich bei einem Besuch von Stefan Beutler.
    Ich schätze beide sehr ähnlich ein, in ihrem Wesen und Bildern, und denke das dich kein anderer Workshop wieder so fesseln wird.

    • Hallo Ivo, vielen Dank, für Dein Feedback zu meinem Artikel. Stefan kannte ich bisher nicht.
      Da gebe ich Dir Recht, Menschen wie Andreas zu finden und zu treffen ist gar nicht so leicht.
      Danke, für Deinen Besuch auf meiner Webseite.
      Viele Grüße André

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