Ein eigenes Fotostudio zu Hause einrichten

Irgendwann erwächst der Wunsch nach einem eigenen Fotostudio. Wenn Du zu Hause einen Raum dafür zur Verfügung hast, solltest Du im Hinterkopf behalten, dass Du ausreichend Platz benötigst: Sei es, um bei der Portraitfotografie jemanden vom Hintergrund freizustellen oder dass Du das Licht beim Blitzen zielgerichtet steuern möchtest. In verschiedenen Fotoforen sind Mindestmaße für ein Fotostudio beschrieben: 6–9m lang, 5m breit und mindestens eine 3m Deckenhöhe. Da hört es bei den meisten schon auf, was die Abmessungen eines zur Verfügung stehenden Raums anbelangt. Wie Du trotz wenig Platz Deinen Raum gut nutzen kannst, verrate ich Dir in diesem Artikel.

Der Einstieg zum eigenen Fotostudio

Um dich vor Fehlkäufen zu bewahren, ist es sicherlich nicht verkehrt, sich vorab ein wenig einzulesen und zu informieren. Meine Empfehlung ist, sich bei Beispielen zu Blitzanlagen auch den dazu zur Verfügung stehenden Raum anzuschauen. Es gibt Licht-Setups und damit Ergebnisse, die bei Dir eventuell gar nicht umsetzbar sind, weil Dir der Platz und der freie Raum fehlt. Großartig ist es, wenn Du jemanden in Deinem Umfeld hast, der dich dahingehend beraten kann.

Nachfolgend gebe ich Dir ein paar Tipps und Informationen, wie ich in einem relativ kleinen Raum mein Fotostudio eingerichtet habe.

Reflexionen von Wänden und Decke beachten

Ohne Abschatter oder Waben ist es schwierig, das Licht nicht auf Stellen fallen zu lassen, wo es eigentlich gar nicht hinsoll. Zum Beispiel, wenn es durch eine naheliegende weiße Wand oder eine tiefhängende Decke zurückgeworfen wird. Mein ehemaliges Wohnzimmer ist einem kleinen gemütlichen Fotostudio gewichen. Die Abmessungen sind: L:4,40m x B:4,70m x H2,46m. Keine Idealmaße, aber dennoch lässt sich hier einiges umsetzen. Ein Ganzkörperportrait mit einer einzelnen Person ist nur mit einem 50mm Objektiv möglich. Sobald es mehrere Personen werden, muss ich auf mein 24–70-mm-F/2.8 ausweichen. Möchte ich ein weiches Bokeh, tausche ich später meist den Hintergrund, wenn ich sonst zunächst vor einem grauen Hintergrund fotografiere.

Zur Verfügung stehendes Licht – Available Light

Mein Wohnzimmer ist wie alle Räume mit normalen Fenstern ausgestattet (das heißt: normale Fenstergröße). Mit Blick auf den Hintergrund sind rechts zwei kleine Fenster und gegenüber dem Hintergrund links ein etwas größeres Fenster. Das Problem bei der Lichtführung sind nicht mal die Fenster, sondern die niedrige Deckenhöhe, die Dachschräge rechts und die nahe stehenden Wände. Eine Softbox, von oben herabgerichtet, ist aufgrund der Deckenhöhe kaum möglich. Für Halbportrait mit Tageslicht sind die Fenster zu gebrauchen, für Ganzkörper eher weniger.

High-Key- oder Low-Key-Aufnahmen?

High-Key – viel Licht, Low-Key – wenig Licht. Bei High-Key-Aufnahmen bekommst Du, wenn Du ebenfalls einen kleinen Raum zur Verfügung hast, weniger Probleme. Bei Low-Key-Aufnahmen wird es etwas einfallsreich. Meine Softboxen statte ich bei Low-Key-Aufnahmen, ebenso wie meinen Beauty-Dish, mit Waben aus, die das Licht zielgerichtet auf die Person bringen – die Waben dabei stets leicht nach unten geneigt, damit kein Licht auf die Decke fällt. Für die Wände nehme ich Abschatter. Schwarze Vorhänge oder schwarze Pappe, die ich an die Seiten hänge. Wunderbar geeignet sind Styroporplatten, die Du zum Bouncen des Lichts in weiß lassen kannst oder zum Abschatten schwarz anmalen kannst (Maße: L:100 x B:50cm). Um diese flexibel bewegen zu können, kannst Du einen fahrbaren Untersatz nutzen, wie zum Beispiel Pflanzenroller aus Holz. Darauf lassen sich mittig auf beiden Seiten zwei Holzleisten mit jeweils zwei Winkeln montieren und an den Leisten jeweils nach außen die Styroporplatten befestigen. Auf der einen Seite lässt Du die Platten weiß, die andere Seite streichst Du zum Abschatten schwarz an. Als Höhe würde ich für die Platten auf jeden Fall um die 2m nehmen.

Beispiele von Portraitaufnahmen im Fotostudio

Einige dieser Bilder wurden mit Fensterlicht (Available Light) gemacht, andere mit einem oder wie beim Beauty-Shooting mit mehreren Blitzen fotografiert.


Mobile oder stationäre Blitzanlage?

Der Vorteil einer mobilen Blitzanlage ist, dass Du sie für Outdoor-Shootings mitnehmen kannst. Sofern Du noch nie mit einer Blitzanlage gearbeitet hast (siehe weiter unten: Entfesselt blitzen), wäre dies für den Anfang ein kostengünstiger Einstieg in die Fotostudio-Fotografie. Wenn Du am Anfang mit dem Hauptlicht anfängst, kommt danach das Aufhelllicht dazu. Taste dich langsam an die Materie heran. Schau Dir Tutorials an und lege Dir gut erklärte Videos in einem eigenen Favoritenordner ab. Am Anfang heißt es viel lesen und ausprobieren.

Mobiles Fotostudio für unter 150 Euro

Wie gesagt, es kommt ganz darauf an, was Du zukünftig mit Deiner Blitzanlage machen möchtest. Zum Start könntest Du Dir auch erst mal ein kleines Set um die 130 Euro zulegen. Dazu benötigst Du einen Systemblitz, ein Lampenstativ, einen Schirm und einen Funkauslöser.

  • Yongnuo RF-602/N Funkauslöser und Blitzauslöser für Nikon: 23,30 Euro
  • Walimex Pro WT-806 Lampenstativ (max. Höhe 256 cm und Federdämpfung): ,28,96 Euro
  • Yongnuo OS02037 YN-560 Mark III Systemblitz mit integriertem Funkauslöser: 57 Euro
  • Walimex Pro Mini-Durchlichtschirm 91 cm (faltbar, Transportgröße ca.40 cm, inkl. Transporttasche): 18,51 Euro

Dieses kleine Setup lässt sich natürlich beliebig erweitern. Möchtest Du das Licht mehr führen, kannst Du eine portable Softbox 60 x 60cm von Life of Photo (faltbar mit L-Form-Blitzhalterung) für Aufsteckblitze dazuholen. Möchtest Du mit einem Führungslicht arbeiten, holst Du Dir einen weiteren Systemblitz dazu. Der Vorteil der kleinen Systemblitze besteht darin, dass Du sie auch draußen verwenden kannst. Der Nachteil ist die geringe Leistung.

Andere Anforderungen im Outdoorbereich

Das Thema ist hier das Fotostudio zu Hause, dennoch möchte ich kurz auf den Outdoorbereich zu sprechen kommen. Zwar ist es möglich, mit der mobilen Blitzanlage wie beschrieben auch draußen Bilder zu machen, aber bei strahlendem Sonnenschein haben die Systemblitze zu wenig Leistung. Ein Portabler Blitz mit 600 Watt ist gut, und gegen die Sonne müssen es schon 1200 Watt sein.

Als Tipp am Rande: Wenn Du draußen fotografierst und Deinen Blitz aufgestellt hast, beschwere das Stativ, oder ein Assistent hält das Stativ zur Absicherung fest. Eine leichte Windböe und der Blitz fällt Dir um. Erspare Dir den Ärger und den finanziellen Schaden. Je nachdem was Du vorhast, sind Reflektoren auch nie verkehrt. Eine zweite Person zum Halten wäre dann auch hier klasse!

Der Hintergrund für das Fotostudio

Hast Du eine weiße Wand, zum Beispiel Raufaser, weiß gestrichen, kannst Du die Wand fürs Erste sehr gut nutzen. Farbige Wände können natürlich auch sehr charmant sein, aber auch nicht für jede Aufnahme. Wenn Du keine Hintergrundvorrichtung anschrauben möchtest, kannst Du auch ein Teleskop-Hintergrundsystem nutzen. Hier wird auf zwei Teleskopstativen eine Teleskopstange gesetzt, an der Du nun einen Papierhintergrund befestigen kannst, oder zum Beispiel Molton (der Nachteil von Stoff ist, dass man ihn in den seltensten Fällen faltenfrei bekommt). Das Teleskop-Hintergrundsystem ist bei verschiedenen Herstellern erhältlich, das Walimex-Pro-Teleskop-Hintergrundsystem ist relativ kostengünstig und liegt bei 95 Euro. Dazu kommt noch der Papierhintergrund oder der Stoff. Der Stoff fängt bei 20 Euro an, der Papierhintergrund je nach Breite bei 40 Euro. Mit dem Blitz-Setup und dem Hintergrund kommst Du auf circa 270 Euro.

Kauf einer günstigen Blitzanlage

Bei Amazon oder ebay findest Du Komplettsysteme ab 180 Euro. Ich habe selbst mit einem minimalistischen Komplettsystem angefangen und dann sehr schnell festgestellt, dass ich damit an Grenzen stoße – sei es bei der Blitzleistung, der Wiederaufladezeit oder bei der Abbrenndauer. Es stellt sich immer die Frage: Was möchtest Du fotografieren und wie häufig kommen Deine Blitze zum Einsatz. Ich habe mich damals für Blitze von Jinbei entschieden. Preis und Leistung passen für meine Anforderungen. Das Jinbei-Studioset von foto-morgen bestand aus einem 400-Watt-Blitzkopf und zwei 200-Watt-Blitzköpfen, aus Schirmen, Softboxen, Stativen und einem Transportkoffer – Preis: um die 600 Euro. Siehe: https://www.foto-morgen.de/Studioausstattung/Studioblitz-Sets/. Hinzu kamen im Laufe der Zeit noch diverse Softboxen und Lichtformer. Für den Außenbereich habe ich ein Jinbei DC II 1200 Porty PRO Blitz-Set und etliche Schirme, Reflektoren etc. Da kommt mit der Zeit ganz schön was zusammen. Mehr Equipment aufzustellen und zu nutzen wäre aufgrund geringen Raumgröße gar nicht mehr möglich.

Meine Fotostudioausrüstung

  • Hintergrundhaltesystem: 3 Rollen, 2,70m Länge
  • Studioblitze: 1 x 100 Watt noname, 2 x 200 Watt Jinbei DM2, 1 x 400 Watt Jinbei DM2
  • Lichtformer und Softboxen: 1 x Jinbei Profi Hintergrund Reflektor, 2 x Jinbei EM 35×140 cm Grid Softbox, 1 x PhotoSEL FRN30 Engstrahler mit Abnehmbaren Wabenraster, 1 x Jinbei Beauty Dish 50cm mit Wabenvorsatz
  • 2 x Studio Reflexschirm Schwarz/Silber
  • 4 x Walimex Pro WT-806 Lampenstativ und 1 x Walimex Pro Galgen mit Gegengewicht
  • 4 4 x Yongnuo YN-622N Wireless i-TTL Blitzauslöser
  • Kamera: Nikon D750
  • Objektive: 50mm, 24–70mm, 85mm, 70–200mm
  • Diverse Softboxen, Reflektoren, weiterer Schirme und Kleinkram

Einfach entfesselt blitzen lernen

Was Du mit einem Blitz-Setup um die 150 Euro alles machen kannst, dazu hat Benjamin Jaworskyj ein tolles Buch geschrieben: „Fotos nach Rezept: Schritt für Schritt zum perfekten Foto.“ In diesem Buch erklärt er sehr einfach den Umgang mit der Technik und die passenden Einstellungen anhand von Praxisbeispielen. Selbst für Techniklaien ist alles sehr anschaulich und einfach erklärt.

Baustrahler als Blitzanlage

Eine Alternative zu einer stationären Blitzanlage ist das Dauerlicht durch Baustrahler. Preislich liegen sie mit Ständer bei circa 50 Euro. Mit Klemmen kann man davor weißes Backpapier befestigen. Wegen der starken Wärmeentwicklung sollte das Papier aber nicht direkt davor gespannt werden, da es sich entzünden könnte. Baustrahler werden sehr heiß – für Model und Fotograf ist also Vorsicht geboten! Zum Reflektieren oder Abschatten können auch hier die Styroporplatten genutzt werden.

Achte auf eine korrekte Belichtung

Sicherlich lässt sich im Nachhinein in Photoshop oder Lightroom einiges retten, aber ich empfehle Dir, bereits beim Blitzen sauber zu arbeiten und das Licht zielgerichtet einzusetzen. Wenn keine Person zum Üben bereitsteht, eignet sich zum Beispiel auch eine Schaufensterpuppe. Am Anfang wie auch jetzt setze ich sie noch häufiger ein, um neue Blitz-Setups auszuprobieren oder für einen Auftrag das Licht vorab einzustellen, sodass der Kunde nicht warten muss. Fotografiere stets im RAW-Format. Ein RAW-Bild enthält mehr Bildinformationen als ein JPEG-Bild.

Belichtungen üben – nie ohne Vertrag!

Shootest Du am Anfang zu Übungszwecken Lernen mit TFP, denk an den Vertrag. Das wird häufig vergessen. Mit einem TFP-Vertrag sind beide Seiten abgesichert. Was ein TFP-Vertrag beinhalten sollte und wie er zum Beispiel aufgebaut sein könnte, findest Du im Netz, wenn Du nach „Muster TFP Vertrag“ suchst; ohne zu suchen kannst mal Du auf pixolum reinschnuppern:

Fazit: Die oben stehenden Informationen und Tipps sind meine gemachten Erfahrungen. Ich hoffe, Du konntest Dir damit einen kleinen Überblick verschaffen, worauf man bei der Fotostudioeinrichtung achten sollte und womit Du anfangen könntest. Meine Kunden schätzen die heimelige und gemütliche Atmosphäre in meinem Studio. Es zaubert mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich zum Beispiel höre: „Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, das habe ich bisher so noch nicht erlebt!“ Alle bisherigen Bewertungen findest Du auf Facebook und Google+.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.