Hurrikan Irma – Unerwarteter Verlauf einer Fototour in Miami Beach

Vorab ein kurzes Video vom Eintreffen des Hurrikans Irma in Miami. Das Video wurde aus der Tiefgarage des Marriott Hotels in Miami aufgenommen. Der durchgehende Pfeifton der im Video zu hören ist, kommt von einem Sicherungskasten aus der Tiefgarage. Ich nehme an, das dies im Zusammenhang mit dem Stromausfall lag. Auf der zusehenden Straße vor dem Hotel stand circa 40cm hoch das Wasser nachdem Hurrikan Irma.

Alles scheint vorherbestimmt

Wie das Leben so spielt, langsam glaube ich, alles ist im Leben vorherbestimmt. Vor einigen Wochen lernte ich einen Fotografen kennen (Liebe Grüße Olli), der hatte einen Auftrag in Miami Beach angeboten bekommen, den er leider nicht wahrnehmen konnte. Er schlug mich als alternativen Fotografen vor, ich stellte ein Portfolio meiner Fotografie-Arbeiten zusammen und sendete es dem Auftraggeber einer Eventagentur in Miami zu – bereits wenige Stunden später erhielt ich die Zusage: Vier Tage lang fotografisch eine Schweizer Firma in Miami Beach bei ihren Ausflügen zu begleiten. Ich dachte mir, das wäre die Gelegenheit mich bei einer befreundeten Fotografin zu bedanken, in dem ich sie zu diesem Event einlud. Vivian hat mir in der Vergangenheit einige Aufträge vermittelt und meine Devise ist: Wer nimmt, sollte auch geben! Das Hotel wurde auch für sie von der Eventagentur übernommen, den Flug zahlte ich vom Budget das die Eventagentur mir vorab überwiesen hatte.

Hurrikan Irma – Vorkehrungen der Geschäfte in Miami

Probleme mit unseren Reisepässen

Die Reise nach Miami begann bereits ruckelig. Erst gab es Probleme bei der Bundesdruckerei mit einem generellen Ausweisdruck, dann wurde es zeitlich knapp den Flieger zu erwischen und bereits wenige Stunden nach der Ankunft stand fest, dass etwas Großes über den Atlantik kommt. Mittlerweile kann ich die Musik in der Warteschleife von Air France mitsingen „Love is in the Air“. Eigentlich müsste es zu gegebenen Zeitpunkt heißen Panic is in the Air! Alle Flüge wurden bis auf weiteres gekänzelt. Der nächste Flug soll voraussichtlich am 11. September aus Miami weggehen. Die Suche bei anderen Fluggesellschaften nach Flügen gen Heimat war eher ernüchternd, ab 2.000 Euro aufwärts pro Flug. Das gibt leider meine Portokasse nicht her. Also, vorab Florida genießen und das Beste aus der Situation machen.

Amerika das Land der Gegensätze

Amerika das Land der krassen Gegensätze

Gelandet und aus dem Terminal raus liefen wir gefühlt gegen eine Wand: 32°C, die Luftfeuchtigkeit beträgt um die 70%. Ich kam kaum mit dem waschen hinterher, drei T-Shirts pro Tag. In Restaurants, Hotels und Taxis das krasse Gegenteil: Von der Hitze in einen Eisschrank – Amerika scheint das Land der Gegensätze zu sein. Vieles erschließt sich mir noch nicht – Wie Plastikgeschirr in Restaurants und Hotels, wäre normales Besteck nicht umweltfreundlicher und kostengünstiger? Kein Dosen- oder Flaschenpfand. Einkaufswägen werden an Ort und Stelle stehengelassen – Einkaufschips oder Ähnliches gibt es dafür nicht, aber Personal das sie alle immer wieder zusammensammelt. Durchtrainierte Menschen in Miami Beach, aber kein gesundes Essen. Kein Alkohol in der Öffentlichkeit, aber Geschäfte in denen eine Waffe erworben werden kann. Aber es gibt auch positives zu berichten: Das Licht in Florida ist für Fotografen der Hammer.

Traumhaftes Licht für Fotografen in Miami Beach

Traumhaftes Licht für Fotografen in Florida

Das Licht in Florida lässt sich mit dem Wort „traumhaft“ sehr gut beschreiben. Die Farben wirken satter und generell wirken die Bilder kontrastreicher. Kaum bis gar keine Bereiche auf den Bildern auf denen einen Überbelichtung zu sehen ist. Wolken und dunkle Bereiche sind gut ausgeleuchtet und Strukturen, wie zum Beispiel Wolken gut erkennbar. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Ab Montag den 4. September waren wir in Miami Beach. Erst erkundeten wir Miami Beach, danach Miami, soweit uns unsere Füße trugen. Große Ausflüge waren nicht geplant, da wir auf unser Geld achten mussten, hätten wir uns doch noch länger hier aufhalten müssen. Dabei gibt es so viel zu entdecken, wie die Wynwood Walls oder eine Tour durch Everglades Safari.

Auftrag in Miami Beach fiel Hurrikan Irma zum Opfer

Mit dem heranziehenden Hurrikan Irma wurde der Foto-Auftrag abgesagt: Eine absolute Hiobsbotschaft, da wir bereits angereist waren. Erstmal ging es darum, Irma heil zu überstehen. Wir wurden aus Miami Beach evakuiert und befanden uns ca. 10 Minuten vom Miami Airport entfernt, im Marriott Hotel untergebracht. Wir hofften, dass das Marriott ein starkes Fundament hat und ebenso starke Wände. Einfach nur schade, das wir an einem so schönen Ort waren und dann kommt so ein Monster an Hurrikan auf Florida zu.

Feuerwehr in Miami

Vorkehrungen vor dem Hurrikan Irma

Jeder traf Vorkehrungen, von den Geschäften bis hin zu den Hausbesitzern und Mietern. Fenster wurden gesichert, entweder komplett mit Wellblech von außen oder Brettern geschützt. Die keine Materialien wie Holz oder Wellblech zur Verfügung hatten, nahmen Klebeband um sich vor umherfliegenden Glas zu schützen, sollten Scheiben zu Bruch gehen. Auf umliegenden Tankstellen war die Hölle los. Jeder betankte sein Auto und dazu noch weitere Kanister, um bei einem längeren Stromausfall Stromgeneratoren mit Benzin zu betreiben. Innerhalb weniger Tage vor dem Eintreffen des Hurrikans Irma hatten einige Tankstellen kein Benzin mehr.

Geschäfte treffen Vorkehrungen vor dem Hurikan

Entwicklung des Hurrikans Irma

Ein Update zum Verlauf und Entwicklung des Hurrikans Irma kam alle drei Stunden über das National Hurricane Center heraus. Mit dem Forecast wurde angezeigt, wo sich Irma gerade befand und zu welcher Zeit er die einzelnen Städte erreichen würde. Nach wie vor ist es für mich kaum vorstellbar, dass der Umfang Irmas um die 700 Kilometer betrug und das Auge des Hurrikans 37 km. Geschwindigkeiten im inneren des Auges wurden mit 300 Stundenkilometern gemessen. Eine Naturgewalt die einem das Fürchten lehrt!

Die Ruhe vor dem Sturm

Die umliegenden Straßen und Tankstellen wurden leerer. Nur noch wenige Stunden bis Irma auf Florida traf. Das Gefühl ist unbeschreiblich – eine Mischung aus Angst, Respekt, Aufregung und Demut vor der Natur. Das war keine steife Brise an der Waterkant, das war ein Monster mit gewaltigem Ausmaß! Kein Fernsehsender der nicht darüber berichtete. Auch in unserem Hotel war ein Kameramann und ein Reporter untergebracht, die auf Irma warteten. Es blieb nichts anderes übrig, als zu warten… warten was da kam. Die Sicherheitshinweise des Hotels hatten wir aufmerksam gelesen, von den Fenstern fernzubleiben sobald es losging und uns gegebenfalls in die Flure zurückzuziehen.

Gute Frühwarnsysteme – wie das National Hurricane Center

Forecast Jose – Hurrikan Irma hat Hurrikan Jose im Schlepptau

Damit nicht genug das sich Hurrikan Irma Florida näherte, kam ein weiterer Hurrikan Jose dazu, der aber Florida nicht erreichte. OnTop links unterhalb Richtung Mexiko unterwegs ein weiterer Hurrikan namens Katja, der sich aber zum Glück auflöste. Das war eine Erfahrung, eine Erfahrung die ich gerne ausgelassen hätte. So kann eine Reise verlaufen: Geplant war eine fotografische Begleitung einer Schweizer Firma – stattdessen erlebten wir ein Hurrikan, den es in der Größenordnung bisher nicht gegeben hatte.

Essensvorräte für zwei Tage nach Irma

Essen und Trinken Vorrat

Da davon auszugehen war dass es zwei bis drei Tage danach etwas katastrophal zugehen kann was die Verpflegung anbelangt, waren wir einkaufen. Wie in den Nachrichten berichtet, sind die meisten Regale leer. Wasser kaum vom Personal abgestellt war innerhalb von Sekunden wieder leergefegt. Essen das länger haltbar ist suchte man vergebens in den Regalen. Alle deckten sich ein – dank des guten Vorlaufs seitens des National Hurricane Centers, hatten alle genügend Zeit sich vorzubereiten. Blieb zu hoffen, dass Anfang der Woche wieder einigermaßen Normalität einkehren würde.

Stay Calm Florida

Irma verschont weitestgehend Miami

Über das National Hurricane Center ließ sich sehr gut mitverfolgen, wie sich Irma bewegte. Dadurch das der Hurrikan Irma links an Miami vorbeizog, blieb Miami weitestgehend von dem schlimmsten verschont. Der Sturm entwurzelte Bäume und jagte Transformatoren wie Silvesterkracher hoch, aber traf nicht mit der zerstörerischen Kraft ein, wie er zum Beispiel über die Florida Keys hinweg zog. Der Strom fiel irgendwann am Abend mit dem Eintreffen des Hurrikans aus. Das Marriott Hotel lag komplett im dunkeln. Am Empfang wurden Taschenlampen und etwas Wasser verteilt. Die Inhalte aus den Kühlschränken standen zur freien Verfügung. So das wir für den nächsten Tag noch etwas Wasser und ein paar weitere Riegel hatten. Das Wasser in den Straßen stieg, Windböen rissen alles mit was nicht festgemacht wurde und Bäume die nicht stark verwurzelt waren, fielen um wie Dominosteine.

Irma verschont weitestgehend Miami

Air France Service Hotline kaum eine Hilfe

Wir kamen am 4. September in Miami an. Am 5. September stand fest, dass der Foto-Auftrag aufgrund des Hurrikans Irma nicht stattfinden würde. Bereits am Abend des 5. Septembers hatte ich die Air France Service Hotline kontaktiert und um eine Umbuchung gebeten aufgrund des Hurrikans. Laut Aussagen der Mitarbeiterin war eine Umbuchung nicht möglich oder nur gegen einen horrenden Aufpreis möglich. Diese Aussage musste ich erstmal sacken lassen, bedankte mich für das Gespräch und ging zur Ablenkung an den Strand.

  1. 5. September (Gesprächsdauer mit Warteschleife 19 Minuten) Anruf Umbuchung nur gegen Aufpreis möglich.
  2. 6. September (Gesprächsdauer mit Warteschleife 22 Minuten) – Umbuchung des Fluges vor nun doch ohne Aufpreis möglich. Rückflug am 9. September.
  3. 8. September (Gesprächsdauer mit Warteschleife 13 Minuten) – Nachfrage ob der Flug stattfindet. Antwort ja.
  4. 9. September (Gesprächsdauer mit Warteschleife 22 Minuten) – Erstes Gespräch, Flug findet statt, aber nach Rücksprache mit dem Flughafen war der Airport Miami geschlossen. Wieder Anruf bei Air France: Rückflug für den 11. September vereinbart. Stornierung für den 9. September per SMS erhalten.
  5. 10. September (Gesprächsdauer mit Warteschleife 40 Minuten). Anfrage wegen Ticket und Buchungsnummer.
  6. 11. September (Gesprächsdauer mit Warteschleife 32 Minuten). Rückflug wurde für den 11. September storniert. Neues Datum der 13. September. Zu dem Zeitpunkt hatten wir keinen Strom mehr ich bat darum mir die Buchungsnummer per SMS zu zuschicken. Ging nicht – komischerweise konnte mir die Stornierung per SMS gesendet werden.
  7. 12. September (Gesprächsdauer mit Warteschleife 11 Minuten). Noch mal Nachfrage wegen der Buchungsnummer. Nach mehrmaligen hin und her könne ich mich nun einfach mit meinem Namen beim Air France Schalter melden zum Abreisedatum.

Alles in allem muss ich sagen war die Service Hotline von Air France nicht sehr hilfsbereit. Hohes Telefonaufkommen hin oder her. Diverse Fehlinformationen, keine entgegenkommen oder sonstige Hilfestellungen. Trotz allem habe ich die Fassung am Telefon nie verloren oder war unfreundlich. Auch nicht als mir gesagt wurde, ich solle mir die Tickets ausdrucken, obwohl ich mehrfach mitgeteilt hatte, dass es weder Strom noch Internet gab. Oder mir dann pampig gesagt wurde, ich könne den Flug auch stornieren und einen anderen Flug buchen – was völlig irrwitzig war,  weil es keinen Zugang ins Internet gab. Freundlich hingegen war die Dame am Schalter von Air France, die uns freundlich am Abflugtag begrüßte und uns alle nötigen Informationen mitteilte. Auf meine folgende Telefonrechnung bin ich sehr gespannt!

Air France Service Hotline kaum eine Hilfe

Verlängerter Aufenthalt – Kosten für Hotel und Verpflegung

Bis zum Eintreffen des Hurrikans gingen diverse Flieger hoch. Ich hätte mir gewünscht, dass Air France von alleine einen alternativen Flug vorschlägt, nachdem ich bereits am 5. September danach fragte. Oder irgendetwas von sich aus anbietet, nachdem feststand das Miami Beach evakuiert werden sollte und wir auf der Suche nach einem neuen Hotel in Miami waren. Letztendlich war es die Agentur die uns im Marriott in Miami nahe dem Airport unterbrachte.

Klimaerwärmung und dessen Auswirkungen auf das Wetter und Natur

Durch Zufall fand ich diesen Film (Eine unbequeme Wahrheit) auf Amazon der das Thema Klimaerwärmung und die darauffolgenden Folgen für Natur und Mensch sehr gut erklärt. Für mich unbegreiflich, warum dieses Thema immer noch stiefmütterlich von Politikern behandelt wird. Der Film ist von 2006, sieht man sich an was auf der Welt an Naturkatastrophen danach erfolgt sind, lässt sich erahnen, was noch auf uns zukommt. Hurrikans, Tornados und sonstige Naturkatastrophen werden sich mit Sicherheit noch häufen. Beängstigend und traurig zu gleich!

Gerne wieder Florida, aber dann aber nicht zur Hurrikan-Saison.

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Letzte Aktualisierung am 24.06.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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2 Comments

  1. Ich drücke die Daumen, daß es glimpflich abläuft und niemand zu Schaden kommt. Es ist sehr beängstigend, sogar vor dem Fernseher. Bleibt gesund !!!!

    • Hallo Eleonore.
      Danke, ich gebe mein bestes gesund zu bleiben. Momentan sind die Klimaanlagen fast schlimmer, als Irma. Aber Irma ist auch noch nicht da und hält sich noch weiter im Süden auf.
      Liebe Grüße aus Miami

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