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Interview mit Wildtierfotograf Boris Nordmann

Boris Nordmann, Wildtierfotograf aus Kiel, war bei mir zu Gast. Boris Bilder sind atemberaubend. Ich war beim Ansehen seines Instagram-Accounts absolut geflasht. Ich schrieb ihn daraufhin an, und Zack saß er mir gegenüber, und ich konnte ihm alle mir durch den kopfgehenden Fragen stellen. Und damit kommen wir auch schon zu meiner ersten Frage und beginnen mit der Transkription des Interviews. Das, was hier fehlt, sind die Bilder, die wir am Ende besprochen haben. Ich denke, es macht Sinn, wenn du dir seine Bilder im Video ansiehst und hörst, was Boris Nordmann dazu zu sagen hat.

Wie ist Boris Nordmann zur Wildtierfotografie gekommen?

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Boris antwortet: Ich habe früher viel Landschaften und Architektur fotografiert. An vielen Wettbewerben teilgenommen und irgendwann habe ich gemerkt: Es langweilte mich immer mehr. Im Umkreis von einigen hundert Kilometern hatte ich bereits alles an Landschaften abfotografiert. Mein Traum war es schon immer, Tiere zu fotografieren. Aber meine Technik hat es halt nicht möglich gemacht. Ich fotografiere mit Nikon und ich hatte zu dem Zeitpunkt die Z6 und die Z7. Einer meiner Lieblingsvögel ist der Eisvogel. Den wollte ich immer schon gerne mal fotografieren. Ich fragte einen Bekannten, der Wildtiere fotografiert, ob ich mal mitkommen könnte und wir fuhren zu einem See.

Wir mussten gar nicht lange warten und da war er der kleine Prachtkerl. Ab dem Zeitpunkt war ich vollkommen mit dem Virus Wildtierfotografie infiziert und saß, glaube ich, die nächsten 10 Tage immer wieder mit Tarnung draußen, also habe ich mir schnell etwas zur Tarnung besorgt und habe meine ersten Eisvogelbilder gemacht. Ich hatte zwar meinen Traumvogel fotografiert, aber noch nicht so, wie ich es gerne wollte. Aber zu der Zeit gab es keine andere Z-Kamera von Nikon, und irgendwann kam die Z9 raus und die habe ich mir dann sofort gekauft. Dazu kamen die vielen großen Objektive raus und ab da an, habe ich nur noch Tiere fotografiert in ganz Europa.

Komplette Video – Interview mit Boris Nordmann

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Tarnung? Ist das wirklich nötig?

Ich fragte mich: Tarnung, ist das wirklich so ausschlaggebend? Reicht nicht einfach ein Parker oder irgendeine grüne Jacke? Und Boris antwortete: Es kommt tatsächlich immer auf das Tier an. Ich benutze mehrere Möglichkeiten der Tarnung. Ich habe ein Tarnzelt, einen Tarnumhang oder auch wirklich, was man von der Bundeswehr kennt, so diese Tarnmatten, die man über einen Panzer wirft. Sowas habe ich halt auch, und es ist tatsächlich so, dass die Tiere es sehen, wenn da ein Mensch steht, aufgrund der Umrisse.

Du versuchst eher, die Umrisse von dir als Mensch zu verbergen. Was dazu noch ein großer Punkt ist, sind hastige Bewegungen. Deswegen bist du meistens in der Tarnung, sodass die Tiere es nicht merken, dass du dich bewegst, weil sie sonst erschrecken und fliegen dann sofort von dannen. Deswegen tun wir Wildtierfotografen alles, damit das Tier uns nicht erkennt, und ein großer Fehler ist halt, wenn man sagt: „Okay, ich tarne mich nicht, sondern einfach nur mit schwarzer Kleidung loszugehen, aber die Farbe Schwarz gibt es nicht in der Natur.“ Ergo schrecken die Vögel hoch.

Atemberaubende Bilder, aber nur wenige Follower

Wie bei jedem Interview durchforste ich alle verfügbaren Kanäle und schaue mir die Bilder, die Followeranzahl und die Interaktionen an. Wie ich bereits anfangs schrieb, war und bin ich immer wieder aufs Neue geflasht von Boris Nordmanns Wildtierfotografie. Und wenn ich dann auf die Followerzahl blicke, frage ich mich: Warum sind es nur so wenige? Es gibt so viele Profile, die posten irgendwelche Bilder. Sie stechen kaum aus der Masse hervor, haben aber trotzdem eine irre Anzahl an Fans. Als ich Boris fragte, wie das sein kann, zuckte er auch nur mit den Schultern und sagte: Keine Ahnung. Aber in erster Linie fotografiere ich Wildtiere für mich und lasse andere daran teilhaben!

Atemberaubende Wildtierfotografie
Atemberaubende Wildtierfotografie

Wildtierfotografie ist ein teures Vergnügen

Möchte man nicht nur reinschnuppern, sondern gleich voll durchstarten, muss man tief in die Tasche greifen. Lichtstarke Objektive mit hoher Brennweite kosten so viel wie ein kleiner Gebrauchtwagen und liegen gut über 10.000 Euro bis 20.000 Euro. Dazu wird natürlich auch ein guter Kamerabody benötigt. Zwei Faktoren kommen bei der Wildtierfotografie zusammen, Schnelligkeit und Rauschverhalten. Keine Frage, hier reden wir gleich von der Premiumklasse. Wer mal schnuppern möchte, sollte sich eine teure Ausrüstung mal leihen oder auf das zurückgreifen, das man vielleicht schon im Bestand hat, wie ein Teleobjektiv mit 70-200 mm oder eine 100-500 mm Brennweite. Boris möchte aber Bilder, in denen Tiere in Action sind, und braucht hohe Verschlusszeiten, viel Licht und niedriges Rauschverhalten. Daher ist er auf die Linsen im Wert eines Kleinwagens angewiesen.

Wildtiere finden durch die Meldungen der Ornithologen

Wie findet man besondere Vögel? Diese Frage stellte ich Boris Nordmann und die Antwort darauf war: Durch die Meldungen der Ornithologen (Vogelbeobachter). Auf dessen Seiten findet man stets die neuesten Meldungen und kann schauen, wo wann, welcher Vogel gesichtet wurde. Aber auch selbst die Augen offen halten beim Sparziergang. Durch die neuesten Meldungen hatte ich gesehen, dass die Bartmeise in der Nähe vom Wellsee gesichtet wurde, und bin sofort dort hin. Nach einer halben Stunde hatte ich sie gefunden und einige Bilder von ihr gemacht.

Darüber hinaus ist es auch das Informieren über das Tier selbst. Was sind die Eigenarten, was frisst es und wo hält es sich gerne auf? Höre mir Audioaufnahmen von Vögeln an, um das Gezwitscher dann dem Vogel zuordnen zu können, den ich fotografieren möchte. Draußen weiß ich dann, wenn ich den Vogel höre, in welche Richtung ich muss, oder eben wenn ich mich in meiner Tarnung befinde, in welche Richtung ich sehen muss. Dabei nutze ich stets meine Linse und verwende zusätzlich kein Fernglas.

Geist des Waldes - der Habicht
Geist des Waldes – der Habicht

Hat Boris Nordmann ein Lieblingstier?

Boris Nordmann antwortete: „Boah, Lieblingstier, ich finde, irgendwie jedes Tier hat seine besondere Art und Weise.“ Der Eisvogel steht halt für mich immer an Platz 1 und danach der Habicht, der Geist des Waldes, wie man ihn auch nennt. Das ist wirklich ein besonderes Tier und lebt hauptsächlich nur im Wald und fliegt wirklich selten aus dem Wald heraus. Geist des Waldes, weil man ihn so gut wie gar nicht hört. Trotz seiner Größe und das Weibchen, ist doppelt so groß wie das Männchen. Die ist in etwa so groß wie der Seeadler. Ich finde es beachtlich, dass so ein großer Vogel sich nur im Wald bewegt und da auch jagt. Deswegen nennt man ihn auch Geist des Waldes.

Kuriose Frage: Welcher Superheld würde Boris Nordmann gerne sein?

Ohne zu überlegen antwortete Boris Nordmann prompt: Natürlich einer meiner Kater. Ganzen Tag auf der Couch liegen, gekrault werden und schlafen. Und ich dachte, er antwortet jetzt wie aus der Pistole geschossen: Eisvogel oder Habicht, aber so kann ich mich irren!

Gibt es ein bestimmtes Tierverhalten, was dich immer wieder fasziniert?

Boris antwortete: Ach, da gibt es immer ganz unterschiedliches Verhalten, besonders im Frühling, das ist ja so für uns Wildtierfotografen immer die stressigste Zeit. In den frühen Monaten bekommen die Tiere ihren Nachwuchs. Aber auch gerade diese Zeit ist sehr gefährlich. Ich habe schon gesehen, wie ein Mensch vom Seeadler angegriffen worden ist oder vom Steinkauz. Da muss man so höllisch aufpassen, wenn man aus Versehen rangeht, weil man ja eigentlich nicht in die Nähe der Nester geht, aber es passiert halt mal aus Versehen, wenn man sich in den Wäldern bewegt. Dass man dann wirklich angegriffen wird und die kämpfen bis zum Tode, damit du nicht an das Nest kommst.

Aufgrund dieser Äußerung fragte ich Boris Nordmann, wie er sich vor solcher Art von Angriffen schützt, und er antwortete: Ich habe tatsächlich immer Kopfbekleidung auf, immer weil, die gehen zuerst auf den Kopf. Ich hatte es auch schon gehabt, mit dem Wiedehopf. Da war ich aus Versehen zu nah am Nest, und auf einmal kamen das Männchen und Weibchen auf mich zugeflogen und stürzten sich auf mich herab. Ich riss instinktiv die Arme über den Kopf und ging ganz schnell zurück.

Wiedehopf
Wiedehopf

Welches Tier war für dich bisher am schwierigsten zu fotografieren?

Das war tatsächlich der Habicht. Vor allem den erstmal zu finden, das war sehr schwierig. Man setzt sich halt sehr viel mit dem Tier auseinander und dann erfährt man sehr schnell, dass er sich meistens im Umkreis von einem Kilometer von seinem Nest entfernt aufhält. Im Wald fällt wenig Licht durch das Geäst. Hier suchte ich dann eine Lichtung und wartete und wartete. Warten ist sowieso das, was die größte Zeit bei der Wildtierfotografie ausmacht. Oftmals über mehrere Stunden.

Welches Tier möchtest du gerne mal vor die Linse kriegen?

Ich fragte Boris, welches Tier er unbedingt mal vor die Linse kriegen will, das vielleicht auch nicht bei uns hier beheimatet ist. Boris lachte und antwortete: Die Liste ist sehr lang. Nächstes Jahr habe ich 2 große Ziele, einmal Wölfe zu fotografieren und den Luchs. Für den Luchs fliege ich nächstes Jahr nach Spanien. Da werde ich eine Woche in einem Wasserloch liegen. Im besten Fall irgendwas bei 40 Grad und hoffen, dass der Luchs mit seinen Babys dann zu dem Wasserloch kommt und ich sie fotografieren kann. Und auch hier dachte ich mir, woher weiß er, wo in Spanien an einem Wasserloch ein Luchs ist, und fragte ihn. Boris sagte: Ab einem bestimmten Level ist man ganz gut vernetzt in ganz Europa.

Aber tatsächlich hatte ich das auch schon hier und einer schrieb: Boris, hier ist ein Fuchsbaby! … und ich so ja, OK. Gleich morgens ins Auto gesetzt und sitze dann eine Tour von 8 Stunden im Auto, um die Kleinen zu fotografieren. Auch Ende des Jahres eine Fahrt am Stück gefahren, zum Großglockner. Da hatten wir den Tipp bekommen, dass da gerade 25 Steinböcke sind. Zusätzlich hat man dann noch die Murmeltiere mitfotografiert, oder nach Polen geht es nächstes Jahr auch noch mal, um den Fischadler zu fotografieren, hoffentlich. Also man reist sehr, sehr viel. Was natürlich auch sehr schön ist.

Wie steht Boris Partnerin zu deiner Leidenschaft?

Boris Nordmann erwähnte am Anfang, dass seine Partnerin auch fotografiert – aber Landschaft. Das ist eben das Schöne, wenn die Partnerin selbst auch leidenschaftlich gerne fotografiert. So lange ich halt nicht, wie ich manchmal gerne würde, meinen ganzen Jahresurlaub in solche Reisen investiere. Für ihr Verständnis bin ich sehr dankbar. Wenn ich an einem Spot bin, von Sonnenauf- bis Untergang, und manchmal nur 3 Stunden schlafe, ist sie am Strand unterwegs und fotografiert dort. Generell bekommt man als Wildtierfotograf zu solchen Zeiten auch nicht viel Schlaf. Da muss ich manchmal mit 3 Stunden Schlaf auskommen.

Seltenes Tier - der Tordalk
Seltenes Tier – der Tordalk

Was war das bisher seltenste Tier, das du bisher vor der Kamera hattest?

Boris Nordmann legte mit funkelnden Augen gleich los: Ja, das Tier wirst du wahrscheinlich noch nie in deinem Leben gehört haben. Das ist der Tordalk. Den habe ich tatsächlich letzten Monat das erste Mal fotografiert. In Deutschland sollen wir von den Vögeln nur noch 132 Brutpaare haben. Die Tiere sehen wie Pinguine aus. Nur eben, dass sie auch fliegen können. Sie können 120 Meter tief tauchen. Der Tordalk brütet auf Helgoland tatsächlich, aber selbst da sieht man ihn sehr, sehr selten, weil er natürlich immer auf einer Seite ist, wo kein Weg ist, sondern direkt an den Klippen. Das war jetzt tatsächlich das seltenste Tier, das ich fotografiert habe. Das finde ich auch sehr faszinierend. Wir haben so viele Tiere hier bei uns, von denen wir keine Ahnung haben, was die zu leisten im Stande sind.

Eisvögel sind für Boris Nordmann ein absolutes Highlight!

Es gibt 3 Arten, wie ich die Tiere finde, sagt Boris Nordmann. Entweder, wie vorhin erwähnt, über die Meldungen der Ornithologen, selbst viel spazieren gehen und vor allem auch mit dem Gehör dabei sein. Wenn wir wieder auf den Eisvogel zu sprechen kommen: Man muss wissen, an welchen Gewässern sich der Eisvogel bewegt. Bevor du dieses Tier siehst, hörst du es irgendwann, wenn du es hörst und weißt: „OK, hier ist er.“ Und dann gehe ich immer wieder dorthin und versuche ihn zu sehen, seine Eigenarten festzustellen.

Eisvogel auf einem Ansitzstock
Eisvogel auf einem Ansitzstock

Gerade beim Eisvogel ist es so, der landet immer gerne auf Stöckern und Ästen, die aus dem Wasser ragen. Auf so genannten Ansitzstöckern, so nennt man die. Wenn man so einen gefunden hat, auf dem ein Eisvogel sitzt, wird er immer wieder auf diesen Stock zurückkehren. Das kann 10 Minuten dauern. Das kann aber auch 3 Wochen dauern, aber er wird wieder hinkommen. Dann versucht man sich halt gut zu positionieren, um seine Bilder zu machen. Wenn kein Stock in der Nähe ist, setze ich einen Stock nahe meiner Tarnung ins Wasser. Da ich weiß, dass der Eisvogel sehr neugierig ist, stehen die Chancen gut, dass er dann genau auf diesem Ast landet, wenn kein anderer in der Nähe ist. Dann schaue ich 12 Stunden lang auf diesen Stock und hoffe, dass er genau in dieser Zeit dort landet.

Wildtierfotografen müssen Geduld mitbringen

Eigentlich ist Boris Nordmann kein wirklich geduldiger Mensch, wie er selbst von sich behauptet, aber bei der Wildtierfotografie bringt er die nötige Geduld mit. Gerade dann, wenn er ein Tier fotografieren möchte, dass er unbedingt vor die Linse kriegen möchte. Wie den Grünsprecht. Boris sagt: Ich habe 2 Jahre dieses Tier gesucht, dann habe ich irgendwann gehört, dass er in einem bestimmten Gebiet ist. Ich habe mich jede freie Minute ins Auto gesetzt und bin dorthin gefahren. Habe nach seinem Platz Ausschau gehalten und habe ihn schließlich gefunden.

Ich habe dort mit meiner ganzen Ausrüstung gelegen und auf ihn gewartet. Ich habe ihn irgendwann nach 2 Jahren doch fotografieren können, hatte aber leider das Pech, dass die Naheinstellgrenze von meinem Objektiv nicht so perfekt war, weil er es zu nah neben mir landete. Dennoch habe ich das eine oder andere Bild hinbekommen – auch sind da gute Bilder, aber noch nicht das eine Bild, wie ich es mir wünsche. Aber manchmal ist es halt so.

Suche nach einem Uhu
Suche nach einem Uhu

Auf der Suche nach einem Uhu

Wenn ich jetzt ein Tier im Kopf habe, was ich unbedingt fotografieren möchte, wie ich das auch gerade sagte mit dem Grünspecht. Suche ich nach Informationen, wo hält es sich gerne auf und schaue auf der Karte oder eben, wie erwähnt, wo wurde so ein Vogel bereits gesichtet. Die meisten Tiere sind Reviertiere. Auch wenn die Reviere manchmal sehr, sehr groß sein können, dann gehe ich immer wieder dorthin, bis ich es höre, weil das ist das Entscheidende. Wenn ich das Tier nicht höre, wird es schwierig.

Oft ist es so, dass die Tiere nur zu bestimmten Uhrzeiten an bestimmten Orten sind. Als Beispiel hatte ich einen Tipp gekriegt, dass in der Nähe von Kiel ein Uhu in einem Wald lebt. Ich wusste also, dass in einem Wald ein Uhu ist. Ich war 20-mal in dem Wald, bis ich den Uhu wirklich gesehen habe. Aber nur gesehen habe, und ich habe immer noch kein Foto gemacht. Ich habe ihn gefunden, einen Baum. Ich nenne ihn mal seinen Kackbaum, da man an dem überall weiße Stellen findet. Gesehen habe ich ihn dann immer noch nicht. Ich hatte mir von einem Jäger eine Wärmebildkamera ausgeliehen und bin die Bäume alle durchgegangen und habe ihn trotzdem nicht gefunden.

Irgendwann habe ich ihn aus Versehen aufgescheucht und er ist weggeflogen, aber ich wusste, wo er nun zu finden ist. An diese Stelle bin ich immer wieder zurückgekehrt und habe gehofft, dass ich ihn dort auf einem Stock auf einem bestimmten Ansitz sehe, denn mir ist es auch wichtig, dass das Tier freigestellt ist. Weil es gibt nichts Langweiligeres als eine Eule zu fotografieren, die zwischen ganz vielen Stöckern sitzt. Also immer wieder hin, immer wieder in der Hoffnung und gebetet, dass ich dann dieses eine Motiv bekomme, das ich mir gewünscht habe. Am besten ist es in der Dämmerung. Zur Sonnenuntergangszeit eigentlich nicht mal wegen des Lichts. Das wäre natürlich auch perfekt. Sondern da jagen sie, es sind nachtaktive Tiere. Tagsüber schlafen sie die meiste Zeit. Ein Bild mit Beute im Schnabel, ein absolutes Highlight!

Was packt Boris Nordmann in seinen Fotorucksack?

Eigentlich ist es immer fast gleich, wenn ich mir einen Ort ausgesucht habe. Ich habe immer 2 Kameras mit 2 unterschiedlichen Brennweiten dabei, weil man immer nicht weiß, falls das Tier kommt, in welcher Reichweite es ist. Dann entscheide ich mich auch, ob ich den ganzen Tag sitzen möchte, wie zum Beispiel in einem Tarnzelt. Vom Sitzen bin ich eigentlich kein Fan, aber ab und an mache ich das auch mal. Da ich Tiere lieber auf Augenhöhe fotografiere und dies meist nahe dem Boden erfolgt, ich also liegen muss.

Es gibt ja auch diese Sniper-Anzüge, sowas habe ich auch. Dann liege ich, habe meistens ein Stativ mit, wo die Kamera mit dem schwersten Objektiv drauf ist, und die zweite Kamera liegt neben mir und warte. Manchmal streue ich ein bisschen Vogelfutter aus. Damit locke ich die kleinen Vögel an, um mir die Zeit zu vertreiben. Die großen Raubtiere interessiert das Vogelfutter nicht. Aber so kann ich gut die Zeit überbrücken.

Die beste Erfindung ist immer noch eine Heizweste. Das ist eine Weste, wo ich eine Powerbank anschließen kann, und die wärmt dich dann sehr lange. Kommt zwar auf die Powerbank an, aber mein Rekord waren schon 9 Stunden – das ist kein Problem. An den Füßen trage ich Thermosocken und wie bei der Bundeswehr lange Unterhosen.

Eisvogel mit Beute
Eisvogel mit Beute

Boris Nordmann stellt einen Teil seiner Ausrüstung auf den Tisch

Wenn ich spazieren gehe, habe ich immer die 800 Millimeter Festbrennweite von Nikon dabei. Das Gute ist halt auch: Sie ist mit einem Telekonverter kompatibel, auch mit einem Zweifach-Konverter. 1.600 Millimeter also mit dem Zweifach-Konverter. Halten ist in der Hand kaum noch möglich. Am besten, wenn du ein Einbeinstativ dabeihast oder ein normales Stativ. Der schnelle Autofokus ist einfach toll und macht Spaß. Mein absolutes Schmuckstück ist das Objektiv 400 Millimeter Blende 2.8 von Nikon. Das Objektiv hat einen eingebauten Telekonverter.

Beim Umlegen des Schalters bin ich sofort auf 560 Millimeter mit Blende 4. Das gute Stück kostet 15.000 €. Dann habe ich noch mein erstes Objektiv dabei: das 100-400 Millimeter, wenn ich zoomen muss, wenn ich zum Beispiel einen Greifvogel fotografiere, oder auch das 70-200 mm. Die Teleobjektive setze ich gerne ein, wenn ein Greifvogel seine Flügel ausbreitet, beim Starten und Landen. Ich warf ein: Toll, 70-200, dann kann ich es ja doch mal probieren, mit der Wildtierfotografie, denn das 70-200mm nenne ich auch mein Eigen. Wenn nur die Zeit nicht wäre!

Als kleiner Tipp ergänzte Boris Nordmann noch: Wer einen Greifvogel fotografieren möchte, einfach mal ins Auto setzen und die Landstraße entlangfahren. Besonders den Mäusebussard sieht man häufig. Die kennen Autos, also die Umrisse, und lassen sich durch diese kaum stören. Einfach dann auf einem Standstreifen halten und aus dem Fenster heraus fotografieren. Okay, sagte ich, das muss jeder mit sich selbst vereinbaren, auf dem Standstreifen zu halten, um zu fotografieren und lachte.

Welche Kameraeinstellungen für die Wildtierfotografie?

Ich frage Boris Nordmann nach seinen Kameraeinstellungen bei der Wildtierfotografie. Boris antwortete: Fotografieren tue ich mit der Z8 und Z9, wobei die Z9 meine Hauptkamera ist. Ich fotografiere eigentlich immer mit einer Zeitvorwahl. Den ISO-Wert habe ich immer auf Automatik. Den Höchstwert habe ich auf 12.800 eingestellt. Als Fokus ist der Augenfokus gewählt. Dann habe ich selbst ein längliches Feld hinterlegt, in dem die Kamera ein Auge versucht zu finden. Denn man hat häufiger das Problem, dass Tiere sich hinter Schilf, hinter Blättern oder so verstecken.

Extra-Tipp von Boris: Ich sag halt immer, gerade in der heutigen Zeit mit dem KI-Entrauschen, man sollte keine Angst vor hohen ISO-Werten haben. Man braucht hohe Verschlußzeiten und damit viel Licht. Lieber das Tier schärfer mit etwas Rauschen im Bild, als ein unscharfes Foto zu haben und wenig Rauschen. Am Ende einfach das Bild noch mal entrauschen in der Bildbearbeitung, und alles ist perfekt!

Software zum entrauschen eines Bildes
Software zum entrauschen eines Bildes

Welche Software nutzt Boris Nordmann zum entrauschen?

Lightroom und Photoshop bieten bereits die Option, Bilder zu entrauschen. Was nutzt Boris für Software? Seine Antwort: Ich nutze Topaz und finde das Entrauschen damit großartig. DXO ist auch sehr gut. Die werden auch von Update zu Update besser. Selbst Lightroom ist richtig gut, nur hat man da keine großen Einstellungsmöglichkeiten. Da hingegen ist Topaz dann sehr innovativ. Hier hat man viele einzelne Möglichkeiten zum Regulieren. Topaz bezahlt man einmalig und hat alle Updates für eine gewisse Zeit mit drinnen. Wenn man dann wieder ein Update machen muss, wartet man einfach bis zum nächsten Black Friday. Die Software kostet schon ein paar Euro, aber ist meiner Meinung nach jeden Euro wert. Bei jedem Bild von mir jage ich Topaz einmal rüber.

Einsatz von Presets bei der Bildbearbeitung

Als ich mir die Bilder von Boris Nordmann bei Instagram angesehen habe, gab es immer verschiedene Lichtstimmungen bei den einzelnen Tieren und ich fragte mich, ob er für jedes Tier ein eigenes Preset hat? Boris antwortete darauf: Ich gehe nach meinem Bauchgefühl. Zum Beispiel Eulen, ist meine persönliche Meinung, sind mystische Tiere. Ich versuche nie eine Eule in Sonnenlicht, rot/orangem Licht zu fotografieren, das passt irgendwie nicht. Eine Eule muss irgendwie immer so ein bisschen bläulich, Kälte enthalten sein, dieses Mystische, und daher versuche ich die Bilder auch so dementsprechend zu bearbeiten.

Ich habe mir eigene Presets erstellt. Hier wähle ich dann das Passende aus. Natürlich passt es nicht immer gleich und ich muss noch mal etwas nachjustieren. Aber eigentlich ist es meistens mein Bauchgefühl, und was halt auch ganz wichtig ist, ist die persönliche Stimmung, die man gerade hat. Ich finde, das sieht man immer sehr auf den Bildern, ob man gerade fröhlich ist, ist man vielleicht nicht so gut drauf. Bei mir sieht man das sofort.

Wie viel Zeit fließt in die Bildbearbeitung?

Ich hatte mich gefragt, ob er formatfüllend fotografiert oder croppt? Meist ist es ja so, dass, wenn man Bilder zu stark croppt und nur einen sehr kleinen Bereich aus dem Bild wählt, es dem Bild dann an Schärfe und Details fehlt. Boris antwortete: Ja, ich croppe meine Bilder. Zwar versuche ich bereits das Bild so zu machen, wie ich es haben möchte. Aber ist nicht so wie in der Portraitfotografie, einer Person, der du sagen kannst: Komm jetzt noch ein paar Meter näher oder geh weiter zurück. Bei mir entscheidet tatsächlich das Tier.

Bildbearbeitung in der Wildtierfotografie
Bildbearbeitung in der Wildtierfotografie

Ja, es passiert, dass ich manchmal richtig stark croppe, aber es ist auch manchmal so, dass ich dann durch die KI das Bild erweitere. Das gibt es halt auch. Es ist schon beachtlich, wie viel Zeit in ein einzelnes Foto fließt. Erst liegt man in der Pampa 12 Stunden, dann geht es danach an den Rechner, und die ganzen Bilder wollen gesichtet werden. Durch Serienbildaufnahmen kommt in der Wildtierfotografie einiges an Bildern zusammen. Ich gehe jedes einzelne Bild durch und schaue: Sind die Augen auf, ist der Schnabel bzw. die Schnauze auf. Jetzt beim Greifvogel sind die Flügel ganz mit drauf usw.

Mein Macbook ist draußen immer dabei, mit diversen Festplatten. Auch Vögel machen sowas wie eine kurze Mittagszeit, und in dieser Pause überspiele ich bereits die Bilder von den Karten dann auf die Festplatte. Es passiert auch sehr, sehr häufig, dass Bilder auch 6 Monate lang auf der Festplatte liegen, ohne dass ich sie mir angucke, weil ich eine bestimmte Stimmung haben muss. Ich muss frei im Kopf sein, um Bilder zu bearbeiten. Irgendwann, gerade so die Jahreszeit im Winter, da kommt dann die Zeit, wo ich die meisten Bilder bearbeite, wenn ich nicht selber wie letztes Wochenende auf Helgoland bin und Robbenbabys fotografiere.

Was war deine größte Herausforderung, der du bisher in der Wildtierfotografie begegnet bist?

Beim Großglockner war das Problem die Höhenkrankheit. Ich vertrage große Höhen nicht. Ich komme aus Kiel, Flachland. Alles, was über 5 Meter Höhe ist, ist nicht meins. Auf einmal ist das Hotel auf 2.000 Meter Höhe. Ich hatte ständig Kopfschmerzen gehabt und jedes Mal, wenn ich irgendwie 10 Meter gegangen bin, hatte ich das Gefühl, dass ich Marathon gelaufen bin, und dann guckst runter und siehst die Steinböcke und denkst dir: Mist, jetzt darf ich da runterklettern.

Herausforderungen in der Wildtierfotografie
Herausforderungen in der Wildtierfotografie

Da hatte ich kürzlich ein besonderes Erlebnis, als ich in einer Felsspalte auf Lauerstellung lag. Hatte ich mich komplett auf die Herde konzentriert und auf einmal kommt ein Steinbock hoch: Plötzlich steht 2 Meter neben mir ein ausgewachsener Steinbock und ich dachte: Was machst du jetzt? Getarnt war ich nicht, der Steinbock beachtete mich aber gar nicht. Ich lag nur so da und habe mich nicht bewegt und schaute auf seine Hörner und dachte mir, was passiert jetzt? Aber er war nur zum Pinkeln da und strullte neben mir genüsslich und ging dann wieder zur Herde zurück.

Was tun mit Macbook und Festplatten bei Starkregen?

Schlechtes Wetter ist tatsächlich meine Lieblingszeit. Je schlechter das Wetter, desto besser. Das sieht man zum Beispiel auch, wenn man auf mein Instagram Profil oder Facebook schaut. Eulen oder Eisvogel im strömenden Regen. Finde ich wunderschön, weil das einfach mal wieder ganz was anderes ist. Klar, das meiste Equipment liegt halt sicher und trocken verpackt im Rucksack, aber bei der Kamera ist ja das Gute: In der Preisklasse sind die auch alle wasserfest, aber trotzdem habe ich zusätzlich dann noch einen Regenschutz drüber. Ob ich nass werde bis auf die Unterbüchs, ist völlig egal. Hauptsache: Das Bild ist im Kasten. Zu Hause oder im Hotel wartet eine Dusche oder die Badewanne auf mich. Hauptsache, du kriegst das Tier vor die Linse. Als Wildtierfotograf sollte einem Regen und Nässe nichts ausmachen.

Wildtiere sind halt Wildtiere

In der Brutzeit ist selbst das kleinste Tier gefährlich. Auf meinem Zettel steht noch, Bären zu fotografieren. Sowas geht dann am besten nur aus einem Hide, einem Versteck, aber sonst? Ein gefährliches Tier habe ich kürzlich fotografiert, das waren Robben. Die zählen zu den 10 gefährlichsten Tieren, die wir in Deutschland haben. Wenn die Heulersaison beginnt, haben die Mütter immer ein Auge auf einen, wenn man zu dicht dran ist. Man merkt es sehr schnell am Verhalten der Tiere. Wenn man zu dicht ist, dann sollte man schnellstens behutsam wieder zurückgehen. Aber wenn man auf die Anzeichen der Tiere achtet, passiert eigentlich nichts.

Besondere Momente in der Wildtierfotografie
Besondere Momente in der Wildtierfotografie

Besondere Momente in der Wildtierfotografie

Boris Nordmann erzählt mit einem Lächeln, wenn du den Nachwuchs eines Fuchses fotografierst. Wie die kleinen Füchse aus ihrem Bau kommen und fast vor dir toben. Wenn dann die Mutter mit etwas zu Essen im Maul ankommt. Oder die Kleinen so nah kommen, dass du dir denkst: Bitte geht wieder ein Stück zurück, sonst habe ich ein Problem mit meiner Naheinstellgrenze. Oder eine andere Szenerie, ich saß im Wald. Dort saß eine Habichtdame, die, wie erwähnt, doppelt so groß ist wie der Kerl. An dem Tag war es so bitter kalt. Circa 10 Minuten hat sie nach ihm gerufen. Auf einmal war er neben mir im Baum. Irgendwie war das so eine mystische Stimmung. Du hast den Atem als Qualm bei der Kälte gesehen, wie er zu ihr flog. Das sind so Momente, es gibt nichts Schöneres.

Hat die Wildtierfotografie deine Sicht auf die Natur verändert?

Auf jeden Fall. Wir Wildtierfotografen bewegen uns häufig im Wald. Ich werde mich jetzt wahrscheinlich sehr unbeliebt machen, aber jeder Wildtierfotograf mag keine Hundebesitzer. Hunde sind anzuleinen. Am liebsten geht gar nicht mit einem Hund in den Wald. Boris lacht dabei! Aus meinem Alltag: Da liege ich auf dem Boden mit zwei Kameras, den Blick auf einen Baum gerichtet. Kommt ein Hundebesitzer daher und fragt: Was machen sie denn da? Und ich denke: Okay, jetzt kommt der Specht mit seinen Kindern wieder nicht raus, jetzt darf ich wieder eine Stunde warten.

Wir möchten am liebsten immer unsere Ruhe haben und ganz allein sein. Zu deiner Frage vorhin: Ob meine Partnerin auch mal mitkommt oder auch Freunde. Ja, ich gehe mal mit Freunden los. Die müssen dann genauso bekloppt sein wie ich, weil in der Zeit redest du halt nicht. Wenn du jetzt nur Vögel fotografieren willst, kannst du dich auch unterhalten. Das interessiert die nicht, aber schnelle Bewegungen und so – das halt nicht. Dann liegst du zu zweit irgendwo 10 Stunden nebeneinander und man redet nicht, und wenn du was von ihm willst, nimmst du dein Handy. Schreibst eine Nachricht. Wer redet, wird gesteinigt.

Was ist dein Rat an diejenigen, die sich für die Wildtierfotografie interessieren?

Lasst es sein! Es ist wie eine Droge. Es ist eine Sucht, tatsächlich. Du willst immer mehr, du willst immer besondere Tiere, die auf der roten Liste stehen, also vom Aussterben bedroht sind. Das Equipment wird teurer, es ist einfach eine Materialschlacht. Das muss man einfach so zugeben, auch wenn zum Beispiel Canon jetzt ja doch so einige interessante Teleobjektive hat mit grauenhaften Blenden – was aber trotzdem für den Anfang reicht. Aber will man mehr, dann wird es halt richtig teuer. Für jeden, der wirklich damit anfangen will, geht viel spazieren, geht durch die Stadtparks, wo zum Beispiel auch viele Eichhörnchen sind, und legt auch gerne mal Vogelfutter hin oder ein paar Nüsse. Dagegen spricht überhaupt nichts, ganz im Gegenteil, die Tiere freuen sich darüber.

Faszination Wildtierfotografie
Faszination Wildtierfotografie

Und noch ein Tipp von mir, bewegt euch auf Augenhöhe. Ihr habt eine Waschmaschine zu Hause, legt euch hin, auch wenn es in eine Pfütze ist. Wenn die Kleidung dreckig wird, ist das völlig egal, aber das siehst du auf den Bildern sofort, aus welcher Perspektive das Bild gemacht wurde. Und Augenhöhe ist stets die interessantere Perspektive.

Das war ein Ausschnitt aus dem Interview. Es sind noch viele weitere Fragen enthalten und auch die Fragen aus der Community sind hier nicht mit aufgeführt. Ganz am Ende sprechen wir über die Bilder, von denen ich hier ein paar gezeigt habe. Schau dir am besten das Video an. Es lohnt sich!

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