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Wie macht man ein Mugshot?

Das Thema Mugshot hatte ich so gar nicht auf dem Zettel. Bis heute eine Redakteurin vom Deutschlandfunk Nova per E-Mail bei mir anfragte, ob ich dazu ein kurzes Interview geben könnte. Aus aktuellem Anlass, weil Justin Timberlake mit seinem Mugshot gerade in den Medien für Aufsehen sorgt. Sie fragte mich, ob ich Tipps dazu geben könnte, wie man ein gutes Profilbild mit dem Handy macht. Um darauf kurz einzugehen: Ich bin kein „Experte für gute Handyfotos“. Klar, weiß ich, wie man so ein Mugshot mit dem Handy machen könnte, aber da auch die Wörter „hübsches Profilbild“ fielen, bin ich raus. Aufgrund ihrer E-Mail hatte ich sie angerufen und mich kurz erkundigt, was der Inhalt des Interviews sein sollte.

Ein Mugshot ist ein Polizeifoto

Mugshot
Wie muss ein Mugshot aussehen?

Kurze Recherche im Netz über Mugshots

Kurz vor dem Gespräch hatte ich mir den Mugshot von Justin Timberlake angesehen und keine Frage: Justin Timberlake ist ein schöner Mann, aber als hübsch würde ich das Polizeibild nicht bezeichnen. Ein Mugshot ist auch nicht dafür gedacht, eine Person hübsch abzubilden, sondern es soll eine Person identifizierbar machen: frontal, gut ausgeleuchtet und mit einer guten Tiefenschärfe. Das hat, meinem Empfinden nach, wenig mit einem hübschen Profilbild zu tun, aber gut. Meine Neugierde war geweckt und ich habe mich mit dem Thema beschäftigt und gebe dir in diesem Artikel einige Infos und Tipps, wie du ein Mugshot mit einer Kamera und einem Handy machen kannst. Also, legen wir los und steigen wir in das Thema ein.

Was ist ein Mugshot?

Ein Mugshot, auch bekannt als Polizeifoto, ist ein Portrait, das bei der Festnahme einer Person gemacht wird. Sicherlich legt die Polizei keinen Wert darauf, dass das Bild besonders hübsch ist, sondern dass es einen hohen Wiedererkennungswert gewährleistet: Hell und klar, damit die Person gut identifizierbar ist. Das gemachte Foto ist Teil einer Akte, in die die personenbezogenen Daten kommen, wie auch die Fingerabdrücke. Wer straffällig in Deutschland geworden ist und von dem ein Mugshot existiert, kann dessen Löschung nach zehn Jahren beantragen. Anders sieht es in den USA aus. Da wird mit dem Datenschutz und den Persönlichkeitsrechten nicht so umgegangen. Selbst wenn die Daten gelöscht werden, bleibt der Mugshot weiterhin bestehen. In den meisten Bundesstaaten der Vereinigten Staaten gelten diese Fotos als gemeinfrei und sind gemäß dem „Freedom of Information“* für die Öffentlichkeit zugänglich.

* Informationsfreiheit, auch bekannt als Informationszugangsfreiheit oder Informationstransparenz (englisch: Freedom of Information (FOI) oder Right to Know (RTK)), ist das Recht auf Zugang zu offiziellen Informationen.

Aktuelles Beispiel: Justin Timberlake

Kommen wir zurück zum aktuellen Mugshot von Justin Timberlake. Das Bild, das gerade durch die Presse geht, hat die Diskussion über Mugshots neu entfacht. Laut den Informationen, die auf gängigen Presseseiten zu finden sind, wurde Justin Timberlake beim Fahren in Schlangenlinien und dem Überfahren eines Stoppschilds erwischt. Nach einem Abendessen mit Freunden soll er sich ans Steuer seines Wagens gesetzt und die Verkehrsregeln missachtet haben. Dabei wurde er von der Polizei im US-Bundesstaat New York gestoppt. Im offiziellen Protokoll heißt es: „Am 18. Juni um 0:37 Uhr wurde Justin Randall Timberlake, 43 Jahre, aus Tennessee beobachtet, wie er in südlicher Richtung auf der Madison Street in einem BMW nicht ordnungsgemäß an einem Stoppschild anhielt und die Fahrspur nicht einhielt.“

Trunkenheit am Steuer

Der Vorfall ereignete sich in Sag Harbor. Ein Küstenort in den Hamptons östlich von New York, der von vielen Prominenten besucht wird. US-Medien berichten, dass Timberlake sich geweigert habe, einen Atemalkoholtest durchführen zu lassen. Die üblichen Nüchternheitstests habe er zuvor nicht bestanden. Dazu stand er unsicher auf den Beinen und sprach verlangsamt. Auf dem gemachten Polizeifoto wirkt Timberlake zwar konzentriert, hat aber deutlich gerötete und glasige Augen. Solche Mugshots von Prominenten haben sich im Laufe der Jahre zu einer Art eigener Kunstform entwickelt. Viele bekannte Persönlichkeiten wurden von der Polizei in nicht nüchternem Zustand abgelichtet – wie Justin Bieber, Shia LaBeouf oder Lindsay Lohan.

Wann entstanden die ersten Mugshots?

Dazu habe ich Folgendes im Netz gefunden: Die ersten Mugshots wurden im 19. Jahrhundert aufgenommen. Alphonse Bertillon, ein französischer Polizist, entwickelte 1888 ein System zur Identifizierung von Verbrechern durch standardisierte Fotografie. Ihr Zweck war es, Kriminelle zu identifizieren und wiederzuerkennen. Mit der Zeit wurden die Polizeifotos zum festen Bestandteil der Polizeiarbeit und halfen bei der Einführung moderner kriminaltechnischer Methoden. Im Laufe der Jahre haben sich die Technik und der Stil der Mugshots weiterentwickelt. Von einfachen Schwarz-Weiß-Bildern zu hochauflösenden Farbfotos. In den frühen Tagen wurden Mugshots oft unter schlechten Lichtverhältnissen und mit primitiven Kameras aufgenommen. Heutzutage nutzen Polizeidienststellen moderne Digitalkameras und Beleuchtungstechniken, um klare und detailreiche Bilder zu erstellen. Aber genug zu den Hintergrundinfos. Wie würde ich so ein Mugshot machen?

Wie macht man ein Mugshot
Wie macht man ein Mugshot?

Wie macht man ein Mugshot mit der Kamera?

Für einen gelungenen Mugshot sind die richtigen Kameraeinstellungen wichtig. Eine Brennweite von 50mm bis 85mm eignet sich besonders gut, um Verzerrungen zu vermeiden und das Gesicht natürlich abzubilden. Die Blende sollte auf etwa f/8 eingestellt werden, um eine ausreichende Tiefenschärfe zu gewährleisten. Bei der Verschlusszeit achte einfach darauf, dass du die nicht zu kurz wählst, um eine Bewegungsunschärfe zu vermeiden. Gerade bei einer hohen Blende brauchst du viel Licht. Zum Thema Licht komme ich gleich noch, aber je nach Kameratyp kannst du auch ruhig mit der ISO etwas höher gehen. Schau dir danach einfach das Bild an, ob es eventuell etwas zu grieselig ist. Wenn du Lightroom oder Photoshop nutzt, kannst du das Bild auch entrauschen. Hierdurch gehen die Details etwas flöten, aber experimentiere ein bisschen, um ein Bild zu erhalten, das deinen Wünschen entspricht.

Fotoausrüstung für einen Mugshot

  • Kamera mit Fernauslöser (wenn keine zweite Person vorhanden ist)
  • Objektiv (50mm oder85mm)
  • Zwei Lichtquellen (Blitze mit Softboxen)
  • Kamerastativ
  • Grauer Hintergrund
  • Zwei Aufheller

Kameraeinstellungen Mugshot

  • Brennweite: 50mm
  • Blende: f/8
  • Verschlusszeit 1/125
  • ISO: 400
  • Weißabgleich: 5.600 Kelvin
  • Belichtungsmessung: Mehrfeld

Welche Belichtung und welchen Hintergrund für ein Mugshot?

Eine gleichmäßige Ausleuchtung ist unerlässlich. Zwei Lichtquellen, eine links und eine rechts von einer Person, sorgen für eine gleichmäßige Beleuchtung ohne harte Schatten. Aufgesetzte Softboxen tragen dazu bei, das Licht weicher und gleichmäßiger zu machen. Vermeide starke Schatten unter der Nase und den Augen, da diese das Gesicht unvorteilhaft erscheinen lassen können. Das passiert, wenn du die Lichtquellen an den Seiten zu hoch setzt. Du kannst aber auch einen Reflektor nutzen, um das Gesicht unten aufzuhellen und somit einen starken Nasenschatten zu vermeiden. Ein neutraler Hintergrund, meist in Grau oder Weiß, lenkt nicht ab und sorgt für klare Kontraste. Eine weitere Lichtquelle hinter dem Motiv kann dem Bild noch mehr Tiefe verleihen. Solltest du nur eine Lichtquelle haben, setze sie 45 Grad nach unten, leicht von oben auf das Gesicht gerichtet.

Kameraausrichtung, Körperhaltung und Kleidung

Der klassische Mugshot zeigt das Gesicht frontal und im Profil. Ein leicht erhöhter Kamerawinkel kann das Gesicht schmeichelnder abbilden. Eigentlich wird so ein Bild auf Augenhöhe aufgenommen. Aber du hast es ja selbst in der Hand, wie dein Foto aussehen soll. Experimentiere mit verschiedenen Winkeln, um das beste Ergebnis für dich zu erzielen. Seid ihr zu zweit, lasse die Person neutral in die Kamera blicken. Aufrechte Körperhaltung. Schlichte Kleidung ohne auffällige Muster lenkt den Betrachter nicht ab und hält den Fokus auf dem Gesicht. Accessoires wie Brillen sollten vermieden werden, es sei denn, sie sind ein integraler Bestandteil der Identität der Person. Bist du alleine und hast ein drehbares Display, kannst du darauf deine Haltung erkennen. Sofern Selbstauslöser vorhanden, arbeite damit.

Wie macht man ein Mugshot mit dem Handy?

Die oben genannten Punkte zählen auch für das Bild mit dem Handy, wie Hintergrund, Ausleuchtung und Handywinkel. Ebenso die angesprochene Kleidung. Wenn du ein Selfie machst, nimm auf jeden Fall die Frontaufnahme. Die Bilder haben eine bessere Qualität. Wenn du kein zusätzliches Licht zur Verfügung hast, geht auch das Fensterlicht. Wenn du die Frontkamera deines Handys nutzt, musst du nach jedem Bild rumlaufen, um dir das Ergebnis anzugucken. Einfacher geht es mit einer zweiten Person.

Fazit: Beim Mugshot geht es nicht darum, ein hübsches Portraitbild zu machen, sondern die Person sollte auf dem Bild gut identifizierbar sein. Ähnlich, wenn nicht sogar gleich einem biometrischen Passbild. Der Ausschnitt ist bei einem Passbild etwas kleiner. Aber auch beim Passbild gelten die Anforderungen wie bei einem Mugshot. Gut ausgeleuchtet, frontal ausgerichtet und ein neutraler Hintergrund. Manch einer betitelt ein Passbild auch als Verbrecherfoto. Willst du auch mal so ein Bild von dir machen? Probiere die aufgeführten Tipps mal aus. Viel Spaß!

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