Wie wird man ein guter Hochzeitsfotograf?
Das Grundlegendste ist, wer hätte das gedacht, man sollte Spaß an seiner Tätigkeit als Fotograf haben. Auch die Empathie spielt eine wesentliche Rolle. Dazu hatte ich bereits vor längerer Zeit einen Artikel geschrieben: Bessere Fotos durch Empathie. Am besten wir schauen uns das Ganze mal an einem realen Beispiel an, einer standesamtlichen Trauung in Lübeck. Und das von Anfang an: dem Erstkontakt, dem Vorgespräch und dann der fotografischen Begleitung an dem Tag.

Erstkontakt per E-Mail: Hochzeitsfotos
Anfang Januar erhielt ich eine E-Mail von einem Kunden. Sven schrieb, dass er und Alexandra auf ihrer Suche nach einem Hochzeitsfotografen meine Webseite gefunden hätten, diese sehr ansprechend fänden, und fragten mich, ob ich Anfang April noch zur Verfügung stehen würde. Wir telefonierten daraufhin kurz und verabredeten uns zu einem Hochzeitsvorgespräch bei mir im Studio. Zwischen Gespräch und Termin lagen gerade mal zwei Tage. Schneller und guter Service ist mir persönlich ein großes Anliegen.
Hochzeitsvorgespräch am Morgen an einem Samstag
Vielleicht fragst du dich, wieso ich so weit aushole? Nun, ich möchte, dass du das große Ganze siehst und nicht nur einen kleinen Ausschnitt ohne Zusammenhang. Der Beruf Hochzeitsfotograf ist so viel mehr, als nur an einem Tag der Hochzeit die Bilder zu machen. Bei einem kurzen Plausch mit einem Hochzeitsgast kamen wir auch kurz über meine Arbeitszeiten zu sprechen und auch ihm war nicht bewusst, wie viel Zeit so ein Auftrag beinhalten würde. Und ich sagte ihm, dass du eigentlich locker das Dreifache von dem rechnen kannst, was ich während der Zeit einer Hochzeit fotografiere. Auch dazu findest du bereits mehrere Artikel auf dieser Webseite, wie zum Beispiel: Preise für Hochzeitsfotografen. Ich schreibe bewusst auch, weil viele einfach nicht wissen, dass das Fotografieren nur ein kleiner Teil meines Jobs als Fotograf ist.

Erstes Treffen im Studio
Alexandra und Sven waren pünktlich. Von meinem Schreibtisch aus sehe ich, wenn sich etwas an der Glaseingangstür bewegt, und ging langsam zur Tür, bevor sie geklingelt hatten. Ich begrüßte die beiden freundlich und bat sie rein. Und ab hier sind wir beim Thema: Was sagt mir mein Bauchgefühl? Du kennst es vielleicht von dir selbst: Du siehst einen Menschen und hast gleich ein gutes oder schlechtes Gefühl oder es lässt sich noch einem dieser beiden Punkte nicht zuordnen Ich bin ehrlich, ich hatte ein sehr gutes Gefühl. Aber was wäre gewesen, wenn ich ein schlechtes Gefühl gehabt hätte? Du errätst es bestimmt – du findest hierzu auch einen Artikel: Die Kunst Nein zu sagen. Dieser Artikel kam so gut an, dass sogar der Focus damals bei mir ein Interview anfragte, ob ich mich in einem Beitrag dazu äußern würde. Beide wirkten sympathisch. Wir setzten uns zusammen und sprachen über deren Wünsche an dem Tag und ich machte mir nebenher, wie bei jeder Hochzeit, Notizen. Eine Empfehlung, die ich dir hier geben kann: Mach ein Bild vom Hochzeitspaar und lege es deiner Notiz bei. Manche Hochzeiten werden bereits ein Jahr vorher gebucht und beim Standesamt stehen häufig auch andere Hochzeitsgruppen und du musst dann nicht lange überlegen: Wie sahen die beiden noch mal aus?
In sich hineinhorchen während des Gespräches
Das erste Gefühl, das schrieb ich ja schon, war positiv und während des Gespräches änderte sich daran auch nichts. Ich beobachtete sie, während wir sprachen, schaute, wie sie miteinander agierten, sich ansahen und miteinander umgingen. Sven ist ein Hohn von einem Mann, der wirkt, als könne er Thanos im Alleingang plattmachen (Marvel lässt grüßen), aber im Umgang mit seiner Verlobten ein herzensguter Mensch. Immer ein liebevolles Lächeln, wenn er in die Augen von Alexandra sah. Wir sprachen über die Wünsche der beiden und den Ablauf des Tages. Erst standesamtliche Trauung und danach Bilder in Travemünde an der Location. Wobei spezielle Wünsche hatten die beiden nicht, so überließen sie es mir und meiner langjährigen Erfahrung, was man alles vor Ort umsetzen könnte. Ich leitete sie durch das Gespräch, wie ich vorgehen würde, und sie sagten: „Das klingt nach einem Plan.“ Im Anschluss zeigte ich ihnen noch ein paar Galerien am Rechner und am Ende erhielt ich bereits die Zusage von den beiden.

Erstes Wiedersehen am Standesamt Lübeck
Vor Alexandra und Sven trafen bereits einige ihrer Gäste ein und durch den genannten Namen beim Beamten, zu dessen Trauung sie wollten, gesellte ich mich zu ihnen und stellte mich vor. Ich machte die ersten Bilder und wenige Minuten später trafen auch Alexandra und Sven ein. Beide strahlten über das ganze Gesicht und kamen langsam in unsere Richtung. Wir begrüßten uns und ich widmete mich wieder meiner Tätigkeit. Hielt hier ein Lachen fest und da eine Umarmung. Sven hielt die beiden Ausweise in den Händen, die sie noch mal vorzeigen mussten, und lachte über das Bild von Alexandra. Ich musste beim Anblick durch meinen Sucher unweigerlich mitlachen. Auch da bestätigte sich wieder das anfängliche Gefühl, dass es toll werden würde mit den beiden.
Als Hochzeitsfotograf ist man kein Fremder
Worauf ich hinauswill, ist, dass ich nie das Gefühl eines Dienstleisters habe, auch wenn ich es in diesem Augenblick bin, aber man macht da mal ein Späßchen, spricht hier mit einem Gast und macht nebenbei Bilder, die authentisch und ehrlich sind. Man bewegt sich neben und zwischen ihnen. Alles fühlte sich sehr vertraut und freundschaftlich an und genau da sind wir wieder beim Kern des Ganzen. Entweder man ist so ein Mensch oder nicht. Wobei es sich bei mir im Laufe der Jahre und meiner Arbeit stark gewandelt hat, und damit meine ich jetzt nicht meine Arbeit als Fotograf, sondern generell, vom Introvertierten zum Extrovertierten. Ich habe jegliche Berührungsängste verloren. Ich spreche offen an, was ich denke. Wenn etwas zu klären ist, setze ich mich sofort ran, wenn Dinge erledigt werden müssen. Diese kurz angerissenen Punkte, so banal und trivial sie vielleicht klingen mögen, desto schwieriger ist es, sie in leicht verständlichen Worten rüberzubringen. Auf jeden Fall war es an dem Tag so, als wäre ich ein Teil des Ganzen, als wäre ich ein Freund der Familie.

Spaß von Anfang bis Ende
Wir gingen hoch in den Wartebereich. Fing hier wieder ein Lächeln ein und nahm da über eine Schulter hinweg einen unbeobachteten Moment auf. Scherzte mit der Schwester und bewegte mich durch die Gäste und machte mal hier und da mal auffällige und mal weniger auffällige Aufnahmen. Der Raum ist relativ klein, wenig Auffälliges ist bei 14 Personen in diesem kleinen Raum kaum möglich. Wenige Minuten später ging es dann bereits auch ins Trauzimmer. Als alle Platz genommen hatten, bewegte ich mich durch den Raum und schaute nach Emotionen und fotografierte diese aus unterschiedlichen Perspektiven. In den letzten 10 Jahren habe ich hunderte von Trauungen und Hochzeiten begleitet und das Miteinander ist nicht immer gleich. Bei manchen wirkt es sogar, wenn auch nicht häufig, gefühlt distanziert, wo ich mich dann frage: Wo ist hier das Gefühl? Aber das ist eher selten, trotzdem wollte ich es kurz erwähnen. Aber bei den beiden: sowas von Harmonie, Liebe und Spaß. Sie lachten gemeinsam, hielten sich während der Zeremonie an den Händen. Einfach toll anzusehen und zu erleben!
Ein Blick, der Geschichten erzählt
Wobei ich eher Blicke schreiben sollte. Als sich die beiden beim Jawort ansahen: diese bedingungslose Liebe und diese Freude in ihren Augen. Und das nach so vielen Jahren. Die beiden kennen sich über zehn Jahre und dennoch hatte man das Gefühl, als wären sie frisch verliebt. Wer wünscht sich sowas nicht und das auch noch nach einer so langen gemeinsamen Zeit? Und ich mitten drin und darf diese besonderen Momente festhalten und bekomme da auch noch Geld für. Da sind wir wieder bei meiner Aussage am Anfang: Man sollte Spaß bei der Arbeit haben und den habe ich auch noch nach über zwölf Jahren, jeden Tag aufs Neue und bei jeder Hochzeit immer wieder, und ich denke, das ist genau das, was Kunden auf meinen Bildern sehen. Nichts Gestelltes, sondern natürliche Bilder und besondere Momente, die den Augenblick festhalten. Bilder, auf die man auch nach Jahren immer wieder gerne schaut und sich an diesen besonderen Augenblick zurückerinnert.

Auf zur zweiten Location nach Travemünde
Bevor es zum A-ROSA nach Travemünde ging, hatte ich ein dreistündiges freies Fenster. Zeit, um Anrufe zu tätigen, E-Mails zu beantworten und bereits die Bilder vom Standesamt zu sichten. Kommen wir kurz auf das Gespräch zurück, das ich mit einem Gast hatte: Aufgewendete Zeit für eine Hochzeit als Fotograf und alles Drumherum. Eine Woche unter 60 Stunden habe ich nie. Meistens liege ich bei 80 Stunden und mehr und das seit Beginn. Und trotzdem: Ich liebe, was ich tue, und die Zeit vergeht wie im Flug. Es wird nie langweilig und zack – ein weiteres Kalenderblatt fällt nach unten und das mit jedem Wimpernschlag. Kein voriger Job erfüllte mich so wie meine Tätigkeit als Fotograf, trotz der ganzen Arbeit und geringen Freizeit. Das muss man wollen und mögen. Vieles bleibt dabei auf der Strecke. In meiner freien Zeit treibe ich sehr viel Sport, um mich als Fotograf fit zu halten. Meine zweite Leidenschaft: Sport. Krafttraining und Graveln. In der Woche bin ich häufig hunderte von Kilometern auf dem Rad unterwegs. Ein Ausgleich zu meiner Arbeit. Aber zurück zu Alexandra und Sven.
Shooting am Strand von Travemünde
Wir trafen uns am Eingang vom A-ROSA und gingen von da aus Richtung Strand. Die Schwester begleitete uns und richtete das Kleid und den Schleier von Alexandra. Wir lachten und es war sehr viel Situationskomik dabei. Als träfe man einen langjährigen Freund und man versteht sich einfach. Auf einer Wiese vorm Strand hielten wir und hier machte ich die ersten Bilder. Ich sagte, sie sollen auf mich zukommen und nicht zwingend in meine Kamera sehen, sondern den Moment beim Gehen miteinander genießen und Spaß haben. Ich, gute hundert Meter mit meiner Canon R5 mit 70–200-mm-Teleobjektiv von den beiden weg, in der Froschperspektive, hielt die beiden dabei fest. Danach ging es an den Strand runter. Das Wetter war wie bestellt an dem Tag: nicht windig und sonnig. Ein Holzsteg zum Wasser war ein schönes Motiv und so hielten wir für weitere schöne Aufnahmen an Danach ging es zurück ins Hotel.

Bilder in der Hotel-Lounge des A-ROSA
Das A-ROSA in Travemünde kenne ich gut. Ich habe hier schon unzählige Hochzeiten und Veranstaltungen begleitet und kenne die einzelnen Spots sehr gut. Vor dem Saal, in dem die Gesellschaft später zusammenkam, gibt es noch eine tolle Lounge mit einer Bar. Zu dem Zeitpunkt war dort aber nichts los und so konnten wir hier ungestört weitere Hochzeitsbilder machen. Da das Umgebungslicht hier nicht ausreichte, hatte ich vorsorglich noch einen Blitz dabei, so dass ich entfesselt blitzen konnte. Als Lichtformer hatte ich nur einen kleinen Spot mitgenommen, da ich den eigentlich nur draußen am Strand einsetzen wollte, wäre es bedeckt gewesen, damit der Wind nicht so viel Angriffsfläche wie bei einer großen Softbox gehabt hätte. Weitere Lichtformer hatte ich noch im Auto, aber dennoch ließ sich damit sehr gut arbeiten und so fotografierte ich die beiden zusammen und alleine in verschiedenen Szenerien in der Lounge.
Gruppenbilder vorm Hotel
Da die Eltern schlecht zu Fuß sind, machten wir die Gruppenbilder vorm Hotel, damit sie nicht so weit zu laufen hatten. Ich hielt nach einer passenden Location Ausschau und dazu nahmen wir eine Bank. In verschiedenen Konstellationen machten wir hier nun die Gruppenbilder. Und dann wollte der noch mit ihr, sie noch mit den Kindern und so weiter. Einfach toll, diese Dynamik, wie sie sich immer wieder entwickelt. Und so kamen in unzähligen Kombinationen noch weitere Bilder dazu. Hier noch ein Familienbild, da noch ein Pärchenbild. Schwestern, Mutter und selbst ein Bild für LinkedIn musste noch her. Für mich war hier langsam Schluss, alle waren hungrig und das Buffet stand bereit. Die beiden hatten mich bis zu diesem Zeitpunkt gebucht, wobei das Ende nicht an eine Uhrzeit gebunden war. Wir hatten einfach alles zusammen. Ich verabschiedete mich von Alexandra und Sven und allen anderen und dankte noch mal der Schwester für ihre tolle Mitarbeit, packte meine Sachen zusammen und fuhr nach Hause.

Noch kein Feierabend
Zuhause angekommen, machte ich gleich den Rechner an und lud die Bilder aus Travemünde in die Galerie vom Standesamt und fing bereits mit dem weiteren Sichten und Aussortieren an. Pausierte dann kurz und machte mir was zu essen. Nach dem Essen setzte ich mich wieder an den Rechner und sortierte weiter aus. Korrigierte Bildausschnitte und erlebte auch noch mal die Momente von neuem, die mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Einen Tag später in der Früh setzte ich mich wieder ran und machte alles fertig. Danach noch eine Tonwertkorrektur, ein erneutes Durchsehen und der Auftrag war so gut wie fertig. Nur noch in die Galerie hochladen und den beiden zur Verfügung stellen – Rechnung schreiben und fertig. Bereits einen Tag nach ihrer standesamtlichen Trauung hatten sie alle Bilder fertig bearbeitet, worüber sie sich sehr freuten. Natürlich fragte ich die beiden, ob ich Bilder öffentlich zeigen dürfte, sonst würdest du hier logischerweise keine Bilder sehen. Und so kann ich diesen Artikel aufwerten mit den schönen Bildern der beiden.
Fazit: Was ist wichtig als Hochzeitsfotograf?
Am Ende ist es genau das Zusammenspiel aus Technik und Menschlichkeit. Ein guter Hochzeitsfotograf braucht natürlich das Auge für das Licht und den richtigen Moment, aber ohne die echte Freude am Kontakt mit Menschen bleiben die Bilder stumm.
Was du aus diesem Tag mitnehmen kannst:
- Empathie ist dein wichtigstes Attribut: Nur wenn du dich auf die Menschen einlässt und ein Teil der Gruppe wirst, entstehen diese ungestellten, ehrlichen Momente.
- Vorbereitung schafft Vertrauen: Das Vorgespräch im Studio war das Fundament. Alexandra und Sven wussten am Hochzeitstag genau, dass sie mir vertrauen können – das nimmt die Anspannung vor der Kamera.
- Die Arbeit findet oft im Verborgenen statt: Das Shooting vor Ort ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein Großteil der Arbeit findet davor und danach statt.
Hochzeitsfotografie ist ein Handwerk, das man lernen kann, aber die Leidenschaft auf den Hochzeitsbildern für die Geschichte des Paares muss vom Hochzeitsfotografen kommen. Wenn du diesen Spaß auch nach vielen Jahren noch verspürst, dann bist du genau am richtigen Platz. Ihr sucht noch einen Hochzeitsfotografen? Dann nehmt jetzt Kontakt mir mir auf!
