Pearl of Europe 2025 – Einblick Hinter die Kulissen
Ein Wochenende, das den Begriff Wettbewerb neu definiert
Wenn man den Begriff ‚Wettbewerb‘ hört, denkt man wahrscheinlich in erster Linie daran, dass sich einzelne Personen miteinander messen. An Kategorien und das Vergeben von Punkten, aber die Fashion-Show „Pearl of Europe 2025“, die in Lübeck stattfand, hat mir gezeigt, dass dieser Begriff viel zu klein gedacht ist für das, was hier passierte. Es gab eine Bühne und es wurden Preise, Schärpen und Kronen verteilt, aber im Kern ist es eine Bewegung, die Frauen eine Stimme gibt und Geschichten sichtbar macht, die sonst leise bleiben. Als Fotograf begleitete ich die Vorbereitungen der Show bereits einen Tag vorher. Somit zwei Tage, die ich fotografisch für die Veranstalter, Kandidatinnen und Models festhielt. In diesem Artikel schreibe ich über meine Arbeit als Eventfotograf und über die Fashion-Show Pearl of Europe und was sie ausmacht.

Die Grundidee von Pearl of Europe
Frauen in den Zwanzigern standen neben Frauen in den Sechzigern und sogar auch Achtzigern. Jede von ihnen brachte ihre ganz eigene und besondere Biografie mit sich, die der Moderator Joey Villero-Vlasblom vortrug, bevor die jeweilige Kandidatin sich den Zuschauern und der Jury präsentierte. Michelle Winkler ist die Geschäftsführerin und hat die Pearl of Europe ins Leben gerufen. Die gesamten Kosten werden über ein Sponsoring von verschiedenen Unternehmen getragen. Dazu erhält Michelle Unterstützung von einem großen Orga-Team. Sie alle zusammen, federführend aber Michelle, stemmten die gesamte Veranstaltung. Wer mal ein Event organisiert hat, weiß, welche Arbeit dahintersteckt und wie viel Planung. Nachfolgend die wichtigsten Positionen und Namen der Pearl of Europe.
- Geschäftsführerin: Michelle Winkler
- Gesamtleiter: Kacper Grzegorzak
- Künstlerischer Leiter: Jethro Tapiru
- Regieassistent / Moderator: Joey Villero-Vlasblom
- Musikalischer Leiter: John DJ Jhny
- Bühnenleiter: Geralyn Tapiru
- Leitende Make-up-Artistin: Kassy Tapiru
- Make-up Artists / Maskenbildner: Shon Madrigal, Abby Gregorio, Cedes Manila, Edz Csato, Cassy Havanna

Proben, Briefings, das Zittern vor dem ersten Schritt
Am Freitag, den 5. September, begann mein Tag wie jeden Tag sehr früh. Gegen 6 Uhr klingelte mein Wecker. Wie vor jedem Auftrag bereitete ich mich wieder vor. Packte meine Fotoausrüstung, lud die Akkus und formatierte die SD-Karten. Die gesamte Ausrüstung passte in einen großen Fotorucksack. Zwei Kameras, Aufsteckblitz, Ersatzakkus und SD-Karten. Gebrieft und geprobt wurde in den Räumlichkeiten der Bunten Räume im Gewerbegebiet Buntekuh, die nur wenige Fahrminuten von meinem Fotostudio entfernt sind. Vor Ort angekommen, ging ich gleich nach oben. Die Kandidatinnen übten bereits unter Anweisung von Jethro Tapiru. Damit jede verstand, was er meinte, führte er kurz vor, wo man zu stehen und sich zu bewegen hatte.
Die ersten Bilder der Kandidatinnen
Ich fotografierte zunächst aus der Distanz mit dem Teleobjektiv, um den Ablauf nicht zu stören. Dazu positionierte ich eine Actioncam am Rande und eine an meiner Brust, um später ein wenig Futter für ein Video zu haben, das ich von den zwei Tagen zusammenschneiden wollte. In kurzen Pausen kamen die Kandidatinnen zu mir, die einzeln als auch in Gruppen fotografiert werden wollten. Nebenher hielt ich verschiedene Situationen und Momente fest. Nichts Gestelltes, vergleichbar mit der Fotografie bei einer Veranstaltung, wie einem Fest zum Beispiel. Am Ende kam eine gute Mischung aus verschiedenen Situationen zusammen. Bereits in den Proben war der Spirit der Pearl of Europe spürbar. Der Ablauf wurde wieder und wieder durchgespielt: das Verhältnis aus Eleganz und Persönlichkeit, gepaart mit strikten Vorgaben, an welchem Zeitpunkt welche Kandidatin wo zu stehen hatte.

Pearl of Europe 2025 im Kolosseum Lübeck
Gegen 15 Uhr traf ich am Kolosseum ein. Hinter dem Kolosseum gab es zum Glück noch freie Parkplätze. Als Erstes rief ich Michelle Winkler an, die bereits vom Make-up-Artisten geschminkt wurde. 16 Uhr war der Start der Show geplant – überall herrschte noch buntes Treiben. Ich sprach kurz mit Michelle und sah mich dann vor Ort um und sprach mit einigen Gästen, die ich einen Tag zuvor kurz kennengelernt hatte. Ich bemerkte ein leichtes Knistern in der Luft. Eine Mischung aus Aufregung und Freude zauberte allen ein Lächeln ins Gesicht, mich eingeschlossen. Bevor es losging, versorgte das Catering von Larrys Restaurant die Gäste, Models und Mitarbeiter mit leckerem philippinischem Essen. Als ich mich umsah, sah ich eine Mischung aus festlichem Auftritt und herzlich privatem Wiedersehen. Familien waren da, Freundinnen und Unterstützer. Ich ging noch mal kurz meine Kameraeinstellungen durch, änderte den Verschluss auf mechanisch, da sich bekanntlich bei LED-Licht schnell mal Streifen bilden, sogenanntes Banding.
Backstage ist eine Parallelwelt
Während bereits Musik zu hören war und die einzelnen Sponsoren der Pearl of Europe über die große Leinwand liefen, war hinter der Bühne ordentlich was los. Make-up-Artists arbeiten konzentriert, Stylisten richten noch die Outfits der Kandidatinnen, Helfer bringen Kleider von der einen in eine andere Kabine, die sich näher an der Bühne befindet. Und zwischendrin diese kleinen, menschlichen Szenen: eine Kandidatin, die einer anderen den Reißverschluss zumacht; ein kurzer Hüpfer gegen das Lampenfieber; jemand, der Wasser reichte, weil der einer anderen der Nervenkloß im Hals zu groß geworden war.
Dann begann mit leichter Verspätung die Show. Der offizielle Wettbewerbssong, komponiert 2023 von Manuel Catamura, vorgetragen vom Sining-Pilipinas-Singing-Choir-Ensemble, ertönte durch die Boxen im Saal des Kolosseums. Über die große Leinwand wurde ein Film von der Charity-Arbeit auf den Philippinen gezeigt. Danach betrat Michelle Winkler unter Applaus der Gäste die Bühne und hielt eine kurze Rede.

Threads of Culture – Mode als Brücke zwischen Tradition und Moderne
Ein besonderes Highlight innerhalb der Pearl-of-Europe-Fashion-Show war die Präsentation von Threads of Culture, einer Reihe von Designs, die Kreativität, Nachhaltigkeit und kulturelles Erbe miteinander verbinden. Jethro Tapiru stellte die Designer sowie die Kleider vor, die von den Models auf der Bühne präsentiert wurden. Als Model auf dem Laufsteg stand unter anderem auch Michelle Winkler selbst. Nachfolgend findest du internationale Designerinnen:
- Jem Brao Dynasty Signature (Finnland): Sie zählt zu den bekanntesten Designerinnen ihres Landes und verbindet in ihren Kleidern finnische Eleganz mit der Leidenschaft und Detailarbeit philippinischer Schneiderkunst. Ihre Entwürfe sind geprägt von Herz und handwerklicher Hingabe – eine Fusion zweier Kulturen, die in jedem Detail spürbar wurde.
- Fay Libutaque (Vereinigtes Königreich): Berühmt für ihre modernen, von der philippinischen Kultur inspirierten Entwürfe, kombiniert sie Tradition mit zeitgenössischer Eleganz. Ihre Kreationen stehen für Exzellenz, meisterhafte Schnitte und kulturellen Stolz, die Mode und Identität miteinander verschmelzen lassen.
- Maricel Chelony Mercado-Lelieveld (Niederlande): Als Malerin und Designerin verbindet sie Kunst und Mode. Mit handbemalten Stoffen erzählt sie Geschichten über Frauen, Inspiration und das Leben selbst. Ihre Kollektion „La Mode en Moi“ ist ein Tribut an ihre verstorbene Mutter und zeigt, wie sehr Mode auch Erinnerung und Empowerment sein kann.
- Leonora Petker (Deutschland): Sie bringt die reiche Tradition der Philippinen in moderne Form. Nachhaltigkeit, kulturelle Verbundenheit und individuelle Ausdruckskraft stehen im Zentrum ihrer Designs. Ihr Ziel: Mode, die Wurzeln respektiert und zugleich eine neue, selbstbewusste Stimme für Filipiniana-Design in Europa schafft.
Gemeinsam zeigten diese Designerinnen, dass Mode weit mehr ist als schöne Kleidung. Threads of Culture steht für gelebte Vielfalt, die Verbindung von Herkunft und Zukunft – und für die Kraft, über Mode Identität, Geschichte und Stolz auszudrücken.

Die Kandidatinnen der Pearl of Europe 2025
Dann kamen unter der Moderation von Joey Villero-Vlasblom, der die Gäste durch den Abend führte, die Kandidatinnen für die Fashion-Show „Pearl of Europe“ auf die Bühne. Jede einzelne Teilnehmerin trat vors Mikro und stellte sich kurz vor. Man sah, wie bewusst bei der Pearl of Europe mit Vielfalt umgegangen wurde. Keine künstliche Gleichmacherei, sondern eine besondere Sichtbarkeit in allen Lebensphasen: eine junge Frau, die mit Energie die Bühne betrat; eine reife Frau, die sich mit Eleganz und mit viel Anmut bewegte.
Empowerment statt Krone – warum Pearl of Europe einzigartig ist
Kronen gab es auch bei der Show, natürlich. Aber sie sind Symbol, nicht das Ziel. Je länger ich fotografierte, desto klarer wurde mir: Die meisten Teilnehmerinnen kommen nicht, um gegen andere zu gewinnen, sondern um für sich zu gewinnen. Für ihre Geschichte, für ihre Tochter in der ersten Reihe, für jene Version ihrer selbst. Die Pearl of Europe schaffte einen Raum, in dem dieser Gewinn möglich war. Er ist nicht messbar, nicht in Punkten zu erfassen, aber in Gesichtern abzulesen.
Technik trifft Intuition: Mein Workflow für zwei Tage Ausnahmezustand
Wer mich kennt, weiß: Ich liebe es, klar über Fotografie zu reden. Die Pearl of Europe war zur Abwechslung mal wieder technisch etwas fordernder: wechselnde Lichtsituationen, LED-Panels, die je nach Frequenz zu Banding neigen, schnelle Bewegungen, Farbwechsel auf der Bühne, enge Zeitfenster. Mein Setup war entsprechend agil. Ich arbeitete mit zwei Kameras, um nicht während der Show Objektive wechseln zu müssen, und deckte den Bereich vom Weitwinkel bis zum Tele ab. In der Nachbearbeitung entschied ich, was in die Auswahl für den Kunden sollte. Tausende von Bildern mussten durchgesehen, aussortiert und bearbeitet werden.

Auswahl und Bearbeitung: Die Geschichte im Nachklang
Nach zwei Tagen waren die Karten voll und mein Kopf ebenso. Ich sicherte zuerst zuhause die Bilder. Dann begann das Sichten. Ich suchte stets nach einem besonderen Ausdruck im Gesicht und dazu dann noch eine schöne Pose. Für den zweiten Tag saß ich einen kompletten Tag am Rechner. Nach dem Sichten mache ich eine kurze Pause und schaue dann ein weiteres Mal rüber. Die Bilder, die am Ende übrig blieben, bearbeitete ich. Am Ende stelle ich den Veranstaltern zwei Galerien zum Download zur Verfügung. 80 Bilder vom ersten Tag, 290 Bilder vom zweiten Tag. Bilder, die ich auch in diesem Artikel zeige, und ich freue mich schon darauf, das Videomaterial zu sichten und ein Video der beiden Tage zu schneiden. Ebenso freue ich mich, wenn Models und Kandidatinnen eine Erinnerung an diesen besonderen Tag haben.
Fazit: Mehr als eine Show – eine Botschaft für uns alle
Am Ende dieser zwei intensiven Tage blieb für mich nicht das Bild von Kronen und Schärpen im Kopf, sondern die vielen kleinen Momente dazwischen: das Zittern einer Hand kurz vor dem Auftritt, das erleichterte Lachen nach einem gelungenen Catwalk, die Tränen in den Augen von Familien, die ihre Mutter, Tochter oder Freundin auf der Bühne sahen. Die Pearl of Europe hat mir gezeigt, dass Wettbewerbe keine Gegeneinander-Veranstaltungen sein müssen.
Hier ging es nicht darum, wer besser oder schöner ist, sondern darum, dass jede Frau ihre eigene Geschichte sichtbar machen konnte – mit Stolz, Mut und Würde. Als Fotograf durfte ich diese Geschichten mit meiner Kamera einfangen. Und vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieser Show: dass Schönheit nicht in Perfektion liegt, sondern im Sichtbarwerden dessen, was uns einzigartig macht.
