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Bezahlen mit Karte – bequem für dich, teuer für mich?

Was Kartenzahlung für kleine Unternehmen wirklich kostet

Stell dir vor, du kommst zu mir ins Studio, machst deine Passbilder, wir quatschen noch kurz – und am Ende zückst du ganz selbstverständlich die Karte.

  • Kontaktlos, piep, fertig.
  • Für dich super bequem. Für mich auch praktisch.
  • Aber: Im Hintergrund passiert mehr, als viele ahnen.

Manchmal höre ich den Satz: „Stell dich doch nicht so an, du kannst die Gebühren doch absetzen.“

Klingt erstmal logisch. Ist aber ehrlich gesagt nur die halbe Wahrheit – und genau darum geht es in diesem Artikel.

Kartenzahlung beim Fotografen
Kartenzahlung beim Fotografen

Ich zeige dir:

  • was bei einer Kartenzahlung im Hintergrund passiert
  • was Dienstleister wie ich tatsächlich an Gebühren zahlen
  • was „absetzen“ in der Realität bedeutet
  • warum Kartenzahlung trotzdem wichtig ist
  • und wie du als Kunde bewusster damit umgehen kannst

Wie Kartenzahlung aus Kundensicht funktioniert

Für dich ist Kartenzahlung einfach:

  • Karte oder Handy dranhalten
  • Betrag bestätigt
  • fertig

Du musst kein Bargeld holen, keine Scheine zählen, kein Kleingeld suchen. Und: Viele haben sich so ans Kartenzahlen gewöhnt, dass Barzahlung schon fast „altmodisch“ wirkt.

Wie Kartenzahlung aus Sicht eines Selbstständigen funktioniert

Jetzt drehen wir die Perspektive mal um. Ich nutze zum Beispiel Zettle by PayPal (jetzt PayPal Point of Sale), damit meine Kunden im Studio bequem mit Karte zahlen können. Ich kann damit:

  • EC- und Kreditkarten annehmen
  • kontaktloses Bezahlen ermöglichen
  • auch Apple Pay und Google Pay akzeptieren

Klingt super – ist es auch. Aber Zettle arbeitet nicht kostenlos. Pro Transaktion fällt eine Gebühr an.

Je nach Modell und Karte liegt die Gebühr im Bereich von grob um 1 bis knapp 3 Prozent des Umsatzes (z. B. 0,95 % auf bestimmte Debitkarten, rund 2,75 % auf Kreditkarten; neuere PayPal-POS-Modelle arbeiten mit etwa 1,39 % als Standardgebühr).

In deinem Beispiel aus meinem Studio:

34 Euro Zahlung → 0,48 Euro Gebühr

Das sind rund 1,4 Prozent. Je nach Kartenart und Konditionen variiert das – aber das Prinzip bleibt: Je mehr mit Karte gezahlt wird, desto mehr Gebühren sammelt mein Zahlungsdienstleister ein.

Gebühren von der Steuer absetzen
Gebühren von der Steuer absetzen

„Aber du kannst das doch absetzen!“ – was das wirklich heißt

Jetzt kommen wir zu dem Mythos, der mich zu diesem Artikel gebracht hat.

Der Standardsatz: „Ist doch egal, du kannst es doch absetzen.“

Klingt, als würde das Finanzamt mir die Gebühren einfach wieder zurückgeben.
Leider nein.

Was „absetzen“ bedeutet

Wenn ich als Selbstständiger Gebühren für Kartenzahlungen zahle, gelten diese als Betriebsausgaben. Das ist soweit korrekt. Gebühren für Zahlungsabwickler, Bank- und Kartengebühren sind Kosten des Unternehmens und mindern den Gewinn.

Das heißt:

  • Die Gebühr reduziert mein zu versteuerndes Einkommen.
  • Ich zahle dadurch etwas weniger Steuern.
  • Aber ich bekomme die Gebühr nicht komplett zurück.

Das ist der entscheidende Punkt, den viele nicht auf dem Schirm haben.

Ein einfaches Rechenbeispiel

Nehmen wir wieder die 34 Euro aus meinem Studio:

  • Kunde zahlt: 34,00 Euro
  • Zettle-Gebühr: 0,48 Euro
  • Bei mir kommen an: 33,52 Euro

Die 0,48 Euro sind eine Betriebsausgabe. Angenommen, mein persönlicher Steuersatz läge bei 30 % (nur als Beispiel):

  • 0,48 € × 30 % = 0,144 Euro Steuerersparnis

Was bleibt real an Kosten?

  • 0,48 € Gebühr
  • minus 0,144 € „Steuer-Effekt“
    = 0,336 Euro, die wirklich bei mir hängen bleiben.

Oder anders gesagt:

Rund 70 % der Gebühr zahlst du aus eigener Tasche als Unternehmer, nur etwa 30 % holt man sich über den Steuereffekt wieder rein – grobe Richtung.

Je niedriger der Steuersatz, desto weniger bringt das Absetzen. Bei 20 % Steuersatz wären es z. B. nur 0,096 Euro Steuerersparnis – der Rest bleibt bei mir hängen.

Hochgerechnet auf einen Monat wird’s spannend

Jetzt stell dir vor, ich habe einen gut gebuchten Monat im Studio.

Nur als Beispiel:

  • 80 Kartenzahlungen à 150 Euro
    = 12.000 Euro Umsatz über Karte
  • Gebühr (nehmen wir 1,5 % im Schnitt):
    12.000 € × 1,5 % = 180 Euro Gebühr

Diese 180 Euro sind Betriebsausgaben und mindern meinen Gewinn. Bei 30 % Steuersatz „spare“ ich dadurch 54 Euro Steuern.

Bleiben trotzdem: 180 € – 54 € = 126 Euro reale Kosten.

Und das ist nur der Gebührenblock. Dazu kommen ja noch:

  • Miete fürs Studio
  • Strom, Heizung, Equipment
  • Versicherungen
  • Software, Buchhaltung, Website, Marketing
  • Reparaturen, Verschleiß
  • und deine eigene Zeit, die niemand bezahlt, wenn du abends noch Dateien sortierst, Mails beantwortest

Also ja: Kartenzahlungsgebühren sind absetzbar – aber sie verschwinden nicht einfach.

Mit Karte zahlen
Mit Karte zahlen

Warum der „Absetz-Mythos“ so hartnäckig ist

Viele stellen sich das ungefähr so vor:

„Wenn ich 100 Euro Gebühren habe, setze ich die ab und bekomme 100 Euro wieder rein.“

Das wäre schön. Stimmt aber nicht.

Die Verwechslung kommt daher, dass „absetzen“ umgangssprachlich klingt wie „zurückholen“. In Wirklichkeit ist es eher: „Ich reduziere ein bisschen die Steuerlast“.

Ein Vergleich:

  • Stell dir vor, du verlierst 10 Euro
  • und jemand sagt: „Kein Problem, ich gebe dir 3 Euro zurück.“

Ja, es ist besser als nichts. Aber du hast trotzdem 7 Euro verloren.

Genau so funktionieren Betriebsausgaben und Gebühren. Sie sind echte Kosten, die lediglich teilweise über die Steuer „abgefedert“ werden.

Warum ich als Fotograf trotzdem Kartenzahlung anbiete

Jetzt könntest du sagen: „Ja gut, dann nimm halt nur Bargeld.“

Könnte ich. Wäre aber in der Realität ein Eigentor.

Denn:

  • Viele Kunden haben einfach kein Bargeld dabei
  • Kartenzahlung wirkt professionell und zeitgemäß
  • Menschen geben oft entspannter Geld aus, wenn sie mit Karte zahlen
  • Ich muss nicht mit größeren Bargeldbeständen rumlaufen
  • Die Buchhaltung wird oft übersichtlicher, weil alles digital erfasst ist

Dienstleister, die gar keine Kartenzahlung anbieten, verlieren im Zweifel Kunden, die spontan buchen oder keine Lust auf Bargeld haben.

Also: Kartenzahlung ist ein Service, der am Ende auch Umsatz sichert.

Warum ich trotzdem offen darüber sprechen möchte

Was mich persönlich stört, ist weniger die Gebühr an sich – die ist Teil des Spiels.

Was mich nervt, ist dieser moralische Zeigefinger, wenn Dienstleister das Thema ansprechen:

  • „Stell dich nicht so an.“
  • „Ist doch nur ein Prozent.“
  • „Du kannst das doch absetzen.“

Ja, kann ich. Trotzdem bezahlt niemand für mich die Rechnung außer ich selbst.

Und gerade bei kleinen Unternehmen, Solo-Selbstständigen oder Ein-Mann-Betrieben summiert sich das. Da reden wir nicht über Konzernstrukturen, sondern über Menschen, die jeden Monat schauen, was am Ende übrigbleibt.

Wissenswertes als Kunde
Wissenswertes als Kunde

Was du als Kunde wissen solltest

Du musst dich nicht schlecht fühlen, wenn du mit Karte zahlst. Wirklich nicht. Dennoch ein paar Dinge kannst du im Hinterkopf behalten:

  • Bei sehr kleinen Beträgen (z. B. nur ein einzelnes Bild, eine Kleinigkeit) kann Bargeld für den Dienstleister deutlich angenehmer sein.
  • Wenn du das Gefühl hast, jemand arbeitet extrem fair, persönlich und mit viel Herzblut, dann ist Trinkgeld in bar oder ein bewusster Umgang mit den Zahlarten ein echtes Zeichen von Wertschätzung. Wobei das auch noch mal wieder ein Artikel wert wäre, denn Trinkgeld muss auch versteuert werden.

Wenn ein Geschäft oder Studio freundlich sagt: „Unter X Euro bitte Barzahlung“

Dann hat das meistens genau mit diesen Gebühren zu tun – nicht mit „Bocklosigkeit“. Kartenzahlung ist ein Komfort, den du bekommst – und den der Dienstleister mitfinanziert.

Ein Wort an andere Selbstständige

Falls du selbst Unternehmer oder selbstständig bist und das hier liest:

Mach dir bewusst:

  • Kartengebühren sind Betriebsausgaben, ja – aber sie fressen trotzdem Marge.
  • Es kann sinnvoll sein, die Gebühren in deine Preiskalkulation einzurechnen, statt dich am Ende zu wundern, warum so wenig hängen bleibt.
  • Anbieter wie Zettle, SumUp und Co. unterscheiden sich teils deutlich in ihren Gebührenmodellen und Sätzen je nach Kartenart. Ein Vergleich lohnt sich.

Und: Sprich ruhig offen mit deinen Kunden darüber. Viele wissen es schlicht nicht.

Fazit: Kartenzahlung ist ein Komfort – aber kein kostenloser

Für dich als Kunde ist Kartenzahlung:

  • schnell
  • praktisch
  • unkompliziert

Für mich als Fotograf und Dienstleister ist sie:

  • ein Service, der Kunden glücklich macht
  • ein Stück Professionalität
  • aber auch ein Kostenfaktor, der Monat für Monat aufläuft

Ja, ich kann die Gebühren absetzen. Nein, das heißt nicht, dass sie mir nichts ausmachen. Wenn du das nächste Mal bei mir oder einem anderen kleinen Unternehmen mit Karte zahlst, darf im Hinterkopf gerne kurz aufploppen:

„Okay, das kostet ihn oder sie gerade ein bisschen extra.“

Und manchmal ist allein dieses Bewusstsein schon ein Zeichen von Respekt.

Der Rest ist eine Frage von Fairness, Ehrlichkeit – und davon, wie wir miteinander umgehen, wenn Geld im Spiel ist.

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