So stellst Du den ISO-Wert richtig ein

Hohe ISO-Werte bei schlechten Lichtverhältnissen

Hoher ISO-Wert

Dieses Bild wurde bei Schwarzlicht aufgenommen. Mit einer Halbformatkamera Nikon D7100 und einem Nikon AF-S DX Nikkor 35mm 1:1,8G Objektiv. Das Gesicht wurde mit fluoreszierenden Farben bemalt. Das Schwarzlicht hatte nicht so viel Power. Die ISO musste ich auf 6.400 raufsetzen, bei einer Blende F/1.8 und einer Verschlusszeit von 1/60. Bei genauerem hinsehen, sieht man an der Wange ein leichtes Bildrauschen, das bereits durch die Anhebung des Luminanzreglers in Photoshop herabgesetzt wurde.

Bildrauschen durch einen hohen ISO-Wert

Beim Fotografieren gibt es drei Einflussfaktoren auf die Belichtung und die Qualität eines Bilder: die Blende, die Belichtungszeit und den ISO-Wert. Als Faustregel gilt: Mit zunehmendem ISO-Wert steigt auch die Lichtempfindlichkeit, allerdings auf Kosten der Qualität. Denn: Mit einem hohen ISO-Wert nimmt das so genannte Bildrauschen zu. Dieses ist als leichtes bis starkes Grieseln auf dem Bild zu erkennen.

Klartext: Für was steht eigentlich ISO?

ISO ist eine Abkürzung und bedeutet Internationale Organisation für Normung (englisch: International Organization for Standardization). Die ISO selbst beschreibt die Lichtempfindlichkeit Deiner Kamera (Sensors). In früheren Zeiten entsprach sie der Empfindlichkeit des Filmes.

First things first: Der ISO-Wert und die Bildqualität
Eine gute Bildqualität erreichst Du mit einem ISO-Wert von 100. Dabei müssen aber weitere Bedingungen beachtet werden, wie Lichtsituation und Motiv.

Ein bisschen Theorie: ISO-Empfehlungen aus Kamera-Handbüchern

  • ISO-Empfindlichkeit: 100–200 – Aufnahmesituation: Aufnahmen bei Sonne
  • ISO-Empfindlichkeit: 400–800 – Aufnahmesituation: bedeckter Himmel, abends
  • ISO-Empfindlichkeit: >800 – Aufnahmesituation: nachts oder in dunklen Innenräume

Das ewige Problem: ISO-Wert und Bildrauschen

Je nach Modell der Kamera setzt das Bildrauschen früher oder später ein.

Zwei Beispiele:
Bei einer Halbformat Nikon D7100 setzt das Bildrauschen bei einem ISO-Wert von 800 ein, unverkennbar wird es bei einem ISO-Wert von 6.400.
Die Rauschempfindlichkeit bei der Vollformat Nikon D3 ist deutlich geringer. Von einem Bildrauschen ist bei einem ISO-Wert von 800 bei dieser Kamera noch nichts zu merken. Das macht die Nikon D3 zur idealen Ausstattung, wenn es ans Fotografieren an schlecht beleuchteten Orten geht, wie zum Beispiel Kirchen.

Je höher, je kürzer: der ISO-Wert und verschiedene Belichtungszeiten

Bei gleicher Lichtmenge beeinflusst der ISO-Wert auch die Belichtungszeit. Je höher der Wert eingestellt wird, je kürzer kann belichtet werden. Wie im Artikel „Richtige Belichtungszeit an der Kamera einstellen“ beschrieben, lässt sich aber einer Belichtungszeit von 1/90 ein Bild noch aus der Hand schießen. Darunter empfiehlt es sich, ein Stativ einzusetzen oder den ISO-Wert höher einzustellen. Wenn Du ein Rauschen auf dem Bild abmildern möchtest, kannst Du den Wert der Blende herunter stellen. All das ist aber immer davon abhängig, welche Aussagekraft das Bild haben soll.

Bildrauschen bei hohen ISO-Werten

Wie sich schlechtes Licht und ein hoher ISO-Wert auf die Qualität eines Bildes auswirken zeige ich an dem nachfolgenden Beispiel.

Beide Bilder wurden zu unterschiedlichen Uhrzeiten geschossen. Aufgenommen wurden die Bilder mit einer Vollformatkamera Nikon D3 und einem Nikon AF Nikkor 85mm 1:1,8D Objektiv. Das erste Bild wurde um 20:50 Uhr aufgenommen. Mit einer ISO von 2.000, einer Blende von F/2.8 und einer Verschlusszeit von 1/125. Das zweite Bild wurde um 21:55 Uhr geschossen, bei einer ISO von 6.400, einer Blende von F/1.8 und einer Verschlusszeit von 1/50. Das Bildrauschen ist auf dem zweiten Bild deutlich zu erkennen. Bei beiden Bildern wurde nichts nachbearbeitet und kommen so aus der Kamera.

ISO-Einstellung

ISO 2.000, Blende F/2.8, Verschlusszeit 1/125

Bildrauschen bei hoher ISO

ISO 6.400, Blende F/1.8, Verschlusszeit 1/50

Immer wieder neu bewerten: den ISO-Wert der Situation anpassen

In der Abenddämmerung oder in den ausgesprochen dunklen Räumen ist ein Wert über 3.200 keine Seltenheit. Für sonnigen Tage eignet sich ein ISO-Wert von 100 ideal.

Auf den Punkt: Faustregeln zum ISO-Wert

  • Wenig Licht + hohen ISO-Wert = schlechter Bildqualität
  • Viel Licht + geringen ISO-Wert = gute Bildqualität

Bei steigendem ISO-Wert verkürzt sich die Verschlusszeit, die Körnung und Bildqualität nehmen ab. Umgekehrt verhält es sich bei einem niedrigen ISO-Wert: Mit längeren Verschlusszeiten nimmt die Bildqualität zu. Bei Sonnenschein und damit einhergehender Helligkeit mag „hohe Verschlusszeit“ zunächst etwas komisch klingen: Du kannst dann mit Verschlusszeiten fotografieren, die meistens – je nach Motiv – deutlich höher als 1/200 liegen.

Schnell agieren vs. lange probieren: ISO-Automatik oder manuelle Einstellung

Neue und auch viele ältere Kameramodelle besitzen die Einstellung „ISO-Automatik“. Damit überlässt Du Deiner Kamera die Wahl des richtigen ISO-Werts – je nach gewählter Blende und Verschlusszeit. Diese Einstellung ist zwar sehr bequem, aber bei hohen ISO-Werten setzt auch hier das Bildrauschen ein. Trotzdem setze ich unter bestimmten Voraussetzungen diese Methode ab und an noch ein. Der Vorteil gegenüber der manuellen Einstellung: Du kannst schneller agieren, ohne viel einstellen zu müssen.

Auf zack: ISO-Einstellung bei Bewegungen
Bei spielenden Kindern oder Sportaufnahmen, also schnelle Bewegungen, werden kürze Belichtungszeiten benötigt – abhängig davon, wie schnell sich das Motiv bewegt. Der Verschlusszeit sollte der ISO-Wert angepasst werden.

  • Erstes Beispiel: Um zwei herum tobende Kinder in der Wohnung zu fotografieren, könnte eine Einstellung sein: ISO 1.200 F/5.6 Belichtungszeit 1/400.
  • Zweites Beispiel: Fahrender Wagen bei hochstehender Sonne: ISO 100 F/4 Belichtungszeit 1/1000.

Licht ins Dunkel: ISO-Wert bei schlechten Beleuchtungsverhältnissen
Bei schlechtem Licht gilt es immer, einen Kompromiss zu finden. Zum Fotografieren einer tanzenden Menge eignet sich keine lange Verschlusszeit (z.B. <50). Auch ein Stativ ist hier nicht zu gebrauchen. Du hast zwei Optionen: Entweder Du nimmst einen Blitz zur Hilfe oder regulierst den ISO-Wert hoch. Denn sind wir doch mal ehrlich: Lieber ein Bild mit einem leichten Rauschen als ein unscharfes Bild. Aber irgendwann stößt selbst das beste Equipment an seine Grenzen. Wenn zum Beispiel keine weiteren Hilfsmittel eingesetzt werden, wie ein Blitz.

Im Nachhinein: Bildqualität verbessern

Wenn Du im RAW-Format fotografiert hast (Achtung: RAW-Bilder benötigen viel Speicherplatz >20MB/Bild) kannst Du mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms noch Bildqualität rausholen, Kontraste anpassen und das Bildrauschen entfernen.

Gut zu wissen: praktische Tipps im Umgang mit dem ISO-Wert

  • Wenn möglich, arbeite stets mit einem kleinen ISO-Wert.
  • Wenn Du sicherstellen möchtest, dass Du eine gute Bildqualität mit wenig Körnung erhältst, dann solltest Du den ISO-Wert herabsetzen.
  • Erhöhe den Wert nur, wenn es keine andere Option gibt und Du weder Stativ noch Blitz einsetzen kannst.
  • Wenn es die Situation erlaubt, nutz ein Stativ: Zum Beispiel um bei langer Belichtungszeit Verwackeln zu vermeiden. Damit kannst Du länger belichten und benötigst einen geringeren ISO-Wert – abhängig vom Motiv und Situation.
  • Bei der Portraitfotografie oder generell wenn Personen fotografiert werden, solltest Du einen Blitz bei schlechten Lichtbedingungen einsetzen.
  • Wenn Du nur einen Aufsteckblitz und keine Möglichkeit hast, diesen zu dämpfen, wie beispielsweise mit einer Softbox, kannst Du mit dem so genannten Bouncen arbeiten: gegen Wand oder Decke Blitzen. Dadurch wird die Aufhellung nicht ganz so krass.
  • Nutze Bildbearbeitungsprogramme: Kontrast und Details lassen sich so verbessern, eventuelles Bildrauschen entfernen, zum Beispiel mit Lightroom oder Photoshop.

Fazit: Dieser Artikel umreißt grob das Thema ISO. Bei offenen Fragen scheu Dich nicht, diese in die Kommentare zu schreiben! Gleiches gilt, wenn Du Ergänzungen hast. Viel Spaß beim Ausprobieren und üben mit Deiner Kamera.

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