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Freie Rednerin Thing im emotionalen Deep-Dive

Hast du dich eigentlich schon mal gefragt, was passiert, wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, die das Leben nicht nur oberflächlich betrachten, sondern immer einen Blick hinter die Kulissen werfen wollen? Genau das ist mir vor Kurzem passiert. Wenn du meinen Artikeln vielleicht schon länger aufmerksam folgst, weißt du, dass ich für mein Leben gern Menschen porträtiere – nicht nur mit der Kamera, sondern auch in Form von Interviews, die ich auf meinem YouTube-Kanal veröffentliche.

Heute habe ich ein ganz besonderes Highlight für dich: ein langes, ungeschnittenes und verdammt ehrliches Interview mit einer Frau, die mich vom ersten Moment an fasziniert hat. Ihr Name ist Thing. Sie ist 39 Jahre alt, Mutter, Ehefrau, ehemalige Recruiterin und – das ist der Grund, warum wir uns überhaupt kennengelernt haben – eine unfassbar warmherzige freie Traurednerin.

Freie Rednerin Thing
Freie Rednerin Thing

Zwischen Lebensläufen, Karate-Halle und Seelenverwandtschaft

Wir sind uns am 11. Mai bei einer Hochzeit über den Weg gelaufen. Für mich war es ein ganz normaler, wunderschöner Buchungstag als Hochzeitsfotograf. Für Thing war es die absolute Feuertaufe: ihre allererste freie Trauung überhaupt. Wer sie dort bereits vor der Rede rumlaufen sah, hätte das allerdings im Leben nicht erwartet. Sie strahlt eine solche Offenheit aus und hat eine so positive Präsenz, dass ich sie zwei Stunden nach der Hochzeit, nachdem ich zuhause war, einfach per WhatsApp anschrieb: „Mensch, Thing, hast du nicht Lust auf ein Interview?“ – und sie sagte sofort zu. Gesagt, getan. Wenige Tage später saß sie bei mir im Studio, drei Kameras liefen, und wir haben über eine Stunde lang über die ganz großen Fragen des Lebens gesprochen.

Mach dir einen Kaffee oder einen Tee. Das hier wird kein schnelles 5-Minuten-Häppchen. Das hier ist ein Deep-Dive in die Welt einer Frau, die gelernt hat, die Masken der Menschen zu durchschauen, um das zu finden, worauf es ankommt: pure, bedingungslose Liebe.

Die Feuertaufe: Wenn der DJ zum Fels in der Brandung wird

Stell dir folgende Situation vor: Du hast monatelang gelernt, eine Ausbildung absolviert, Reden geschrieben – und dann stehst du da. Vor euch das Brautpaar, hinter euch die gesamte Hochzeitsgesellschaft. Alle Augen sind auf dich gerichtet. Du weißt alles über die beiden: ihre Hoffnungen, ihre Träume, ihre Ängste. Und plötzlich schießt dir dieser eine Gedanke durch den Kopf: „Ich darf jetzt nicht versagen. Ich darf keinen Aussetzer haben. Ich tue das nicht für mich. Ich tue das für die beiden.“

Genau so ging es Thing am 11. Mai. „Ich dachte eigentlich, ich wäre viel aufgeregter“, gesteht sie im Interview mit einem Schmunzeln. Doch sie hatte einen geheimen Verbündeten, den einige vielleicht aus der norddeutschen Hochzeitswelt kennen: DJ Tobi Webster.

Thing hatte sich mit Tobi bereits im Vorfeld schon ausgetauscht. Und Tobis Reaktion? Absoluter Support ab der ersten Sekunde. Er teilte nicht nur unkompliziert seine gesamte Tontechnik mit ihr, sondern nahm sie vor dem Eintreffen der Gäste beiseite, probte mit ihr und strahlte eine Ruhe aus, die Things Nervosität wie im Flug verpuffen ließ. „Durch Tobi hatte ich das Gefühl: Ich bin da vorne nicht allein. Da ist jemand, der mithört, mir Feedback gibt und absolut im Sinne des Brautpaares handelt“, erinnert sich Thing. Und als dann auch noch meine Wenigkeit mit der Kamera auftauchte und sie einfach wohlwollend anlächelte, wusste sie: Hier will ihr niemand was Böses. Alle sind da, um dem Brautpaar einen wundervollen Tag zu bescheren.

Als der große Moment kam, das Paar einzog und alle Gäste saßen, passierte etwas Magisches: Thing schaltete in den absoluten Tunnelblick – aber nicht aus Angst, sondern aus tiefer Empathie. Sie war gedanklich jeden einzelnen Schritt mit dem Paar gegangen. Sie war so sehr bei den beiden, dass für eigene Zweifel überhaupt kein Platz mehr war. Ein perfekter Start für ihre große Reise als Rednerin.

Video des Interviews auf meinem YouTube-Kanal

Vom Sichten der Lebensläufe zum Verstehen der Herzen

Aber wie kommt man eigentlich dazu, freie Rednerin zu werden? Things Lebenslauf ist selbst ein kleines Abenteuer. Sie hat ursprünglich VWL und Sinologie studiert. „Mehr Zufall als rechte Wahl“, lacht sie, als ich sie frage, was Sinologie überhaupt ist (nein, es hat leider nichts mit dem Sinn des Lebens zu tun, sondern ist schlichtweg die chinesische Kultur- und Sprachwissenschaft!). Obwohl sie heute, nach 15 Jahren ohne Praxis, kaum noch aktiv Chinesisch spricht, hat das Studium Spuren hinterlassen – vor allem durch den Konfuzianismus, der ihr Denken tief geprägt hat.

Beruflich landete sie schließlich im Recruiting. Jahrelang beschäftigte sie sich intensiv mit den Lebensläufen anderer Menschen. Und genau hier liegt die fundamentale Parallele zu ihrem heutigen Job als Traurednerin.

Im Recruiting lernte Thing, Berührungsängste abzubauen und den Menschen die richtigen Fragen zu stellen. „Im Studium hieß es oft: ‚Thing, du bist zu aufdringlich, du fragst zu viel!‘ Bei der Arbeit im Recruiting durfte ich dann aber genau das tun“, erklärt sie. Sie lernte schnell, dass Menschen antworten, wenn man ihnen mit echtem Interesse begegnet – und wenn sie etwas nicht sagen wollen, dann sagen sie es eben nicht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Vorstellungsgespräch und einer freien Trauung?

Der entscheidende Unterschied zwischen einem Vorstellungsgespräch und einer freien Trauung? Im Recruiting musste sie eine Person innerhalb von zwei Minuten einem Unternehmen präsentieren und erklären, warum dieser Mensch perfekt auf eine Stelle im Marketing oder der IT passt. Man sucht nach den Zeilen zwischen den Stationen im Lebenslauf: Welche Krisen wurden gemeistert? Welche Fähigkeiten stecken hinter den Brüchen?

Heute macht Thing als Rednerin exakt dasselbe – nur auf einer viel höheren, emotionalen Ebene. Sie schaut sich ein Paar an und fragt sich: „Was ist das Besondere an diesen beiden Menschen? Trotz der Fehler, trotz der Macken, trotz der kleinen Kanten?“ Sie übersetzt das, was Außenstehende vielleicht als alltäglichen Streit oder neckisches Necken wahrnehmen, in die wahre, dahinterliegende Sprache der Liebe. Sie gibt dem Paar Worte für Gefühle, die sie unter Umständen selbst oft gar nicht so präzise formulieren könnten.

v. l. n. r. DJ Tobi Webster, Freie Rednerin Thing, Fotograf André Leisner
v. l. n. r. DJ Tobi Webster, Freie Rednerin Thing, Fotograf André Leisner

Die Schönheit der Unvollkommenheit: Was ein Rechtschreibfehler über Beziehungen lehrt

Wer Things Webseite besucht, stößt auf ein wunderbares, fast schon poetisches Detail: Sie schreibt dort, dass ihr eigener Name einen Rechtschreibfehler ihrer Eltern enthält – und dass sie diesen Fehler über alles liebt.

Ich wollte von ihr wissen: Was kann uns so ein elterlicher Fehler eigentlich über den Umgang mit Unvollkommenheit in einer Liebesbeziehung lehren?

Things‘ Antwort ging mir unter die Haut: „Ziemlich viel. Ich kann als Kind sagen: Meine Eltern haben viele Fehler gemacht. Und ich kann heute als Mutter sagen: Fehler passieren. Man kann noch so perfekt sein wollen, noch so viel planen – aber es läuft nicht immer alles nach Plan. Aber ich wäre heute nicht die Frau, die hier sitzt, wenn ich nicht genau diese Fehler erlebt hätte.“

Und genau das projiziert sie auf Beziehungen. Eine perfekte Ehe aus dem Bilderbuch? Ein Leben ohne Kratzer und Dellen? „Da würde ich kotzen“, sagt sie mit einer erfrischenden Direktheit. „Die Beziehung zwischen meinem Mann und mir wäre niemals so toll, wenn sie nicht verdammt noch mal unperfekt wäre. Wir haben jede Menge Macken!“

Eine Liebesgeschichte, die mit einer Krümelmonster-Tasse begann

Wo wir gerade bei ihrem Mann sind: Die beiden sind seit 2016 ein Paar und seit 2019 verheiratet. Und wer jetzt eine kitschige, vom Schicksal orchestrierte Hollywood-Romanze erwartet, wird enttäuscht – oder vielmehr positiv überrascht. Kennengelernt haben sich die beiden nämlich über das, was Thing augenzwinkernd als „fieses Tinder“ bezeichnet.

Ihr Mann war ihr allererstes Tinder-Date überhaupt. Warum sie ausgerechnet bei ihm nach rechts gewischt hat? Wegen eines Profilbildes, auf dem eine Krümelmonster-Tasse zu sehen war. „Da dachte ich mir: Okay, der Kerl nimmt sich selbst wahrscheinlich nicht ganz so ernst. Das war mir wichtig.“

Das erste Date fand bei einem Kaffee statt. Thing bekam einen Milchschaum-Smiley in ihrer Tasse. Ihr heutiger Mann sah es, sprach es nicht groß an, aber lächelte in sich hinein. „Da wusste ich: Er achtet auf die kleinen Details. Den kann ich öfter treffen.“

Und jetzt kommt der Plot-Twist, der zeigt, wie herrlich pragmatisch Thing damals dachte: Weil sie parallel noch ein weiteres Date ausgemacht hatte, dem sie aber eigentlich schon absagen wollte, schlug sie diesem zweiten Mann ein reines „Experimentier-Treffen“ vor. Sie wollte einfach verstehen, wie dieser Tinder-Algorithmus funktioniert und ob die Chemie zwischen zwei Menschen als reines Experiment passen kann. Sie trafen sich in einem Hamburger Brauhaus, quatschten und lachten von sieben Uhr abends bis zum Ladenschluss – mit der klaren Prämisse: Hier wird absolut nichts laufen, wir sind beide eigentlich gedanklich anderweitig vergeben, wir wollen nur wissen, wie Menschen so ticken. Ein herrlich ehrlicher Umgang mit dem modernen Dating-Leben!

Traurednerin Sook Thing Wong
Traurednerin Sook Thing Wong

Bedingungslose Akzeptanz und ein Buch namens „Nein sagen“

Der wertvollste Rat, den Thing von ihrem Mann gelernt hat? Akzeptanz. Bedingungslos.

Thing beschreibt sich selbst als einen Menschen, der im Leben auch mal radikale Schnitte macht. „Ich habe in meinem Leben schon einige Male einfach meinen Job gekündigt und gesagt: Ich gehe jetzt weg, irgendwas ruft mich, ich weiß nur noch nicht was. Vertraust du mir?“ Und ihr Mann? Der hat jedes einzelne Mal gesagt: „Thing, vertrau deiner inneren Stimme. Du hörst eh viel zu selten auf sie. Tu es einfach, wir kriegen das schon irgendwie hin.“ Diese tiefe Sicherheit, aufgefangen zu werden, obwohl er selbst als Typ ganz anders handeln würde, hat Thing nachhaltig geprägt.

Er war es auch, der ihr in einer sehr verletzlichen Phase geholfen hat, ihre größte Schwäche zu überwinden: das Unvermögen, Grenzen zu setzen. Nach einem Vorfall vor einer Diskothek, bei dem Thing in einer unangenehmen Situation sprichwörtlich vor Schreck erstarrte, weil sie nicht „Nein“ sagen konnte, machte ihr Mann ihr keine Vorwürfe. Er machte sie nicht zur Schnecke. Stattdessen schenkte er ihr ein Buch mit dem Titel Nein sagen.

„In dem Moment dachte ich: Boah, endlich sieht mich mal jemand genau so, wie ich bin, ohne dass ich mich verstellen muss“, erinnert sich Thing mit glänzenden Augen. „Er wusste, dass ich nicht aus Hinterlistigkeit so gehandelt habe, sondern weil ich es einfach nie gelernt hatte.“

Der innere Kampf in der Karate-Halle: Perfektionismus abstreifen

Ein weiterer großer Baustein in Things Leben ist der Kampfsport, sprich das Karate, auch wenn er momentan durch den Fulltime-Job als Mama und Rednerin ein bisschen schleift. Aber Karate ist für sie weit mehr als nur Tritte und Schläge – es ist pure Lebensphilosophie.

„Karate lehrt uns, dass wir selbst unsere größten Gegner sind“, erklärt sie. Ihr eigener innerer Kampf? Massiver Perfektionismus, Prüfungsangst und die ständige Angst vor der Kritik und Bewertung anderer Menschen.

In der Karate-Halle schaut der Lehrer (ein herzlicher Gruß geht an dieser Stelle raus an ihre Trainer Vitus und Schäfki!) ganz genau hin. Er sieht jede Fehlhaltung am Hals, jede falsche Gewichtsverlagerung in der Hüfte. Als Thing ganz neu war, sagte ihr Trainer Vitus einen Satz zu ihr, der alles veränderte: „Thing, wenn du selbst nicht an dich glaubst, wie willst du das dann überhaupt lernen?“

Durch das Training lernte sie, den Anspruch, alles sofort perfekt machen zu müssen, abzulegen. Es ging nicht darum, direkt die perfekte Kata abzuspulen, sondern überhaupt erst einmal anzufangen, es zu machen und die eigene Art zu finden. Diese körperliche und mentale Haltung lässt sich eins zu eins auf das gesamte Leben übertragen. Kein Wunder also, dass heute ihre gesamte Familie – ihr Mann und ihr inzwischen sechsjähriger Sohn (der schon mit dreieinhalb Jahren mit Karate startete!) – diese Leidenschaft teilen.

Hochzeitsrednerin Thing
Hochzeitsrednerin Thing

Was uns die Sterbenden über das Leben lehren

Es gibt Themen im Interview, da hält man als Zuhörer automatisch kurz den Atem an. Eines davon war Things Erfahrung mit dem Thema Tod und Abschied. Bevor sie sich endgültig für die Hochzeitswelt entschied, war es die Trauerfeier ihrer Schwiegermutter im Jahr 2017, die etwas in ihr ins Rollen brachte. Die damalige Trauerrednerin hatte es geschafft, trotz des schweren Abschieds eine ungeheure Wärme und die Persönlichkeit der Verstorbenen noch einmal spürbar in den Raum zu bringen.

Als dann eineinhalb Jahre später ihr Schwiegervater starb, war die Rede leider das genaue Gegenteil: ein liebloses Runterrattern des Lebenslaufs. „Das wurde ihm einfach nicht gerecht“, sagt Thing rückblickend. „Einen CV runterzulesen, das war damals im Recruiting mein Job – aber nicht der eines Redners auf einer Beerdigung. Da dachte ich mir: Das kann man besser machen, Thing. Zeig, ob du es kannst!“ Sie kündigte ihren Job und ging in die Ausbildung.

Auf meine Frage, was die wichtigste Lektion ist, die Sterbende uns über die Liebe beibringen können, antwortete Thing wie aus der Pistole geschossen mit zwei Worten: Einfach da sein.

„Es braucht nicht mehr als einfach da sein. Sowohl mit dem Geiste als auch mit dem Körper. Im Sterben haben viele Menschen keine Kraft mehr, zu sprechen. Aber sie merken ganz genau, ob du da bist oder nicht. Wenn du in diesem schweren Moment im Raum bleibst, obwohl du eigentlich weglaufen und dich nicht mit dem Tod beschäftigen willst – dann ist das der reinste Akt der Liebe.“

Für Thing sind Trauer und Freude keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille – wie Yin und Yang. „Nur durch die Trauer können wir richtige Freude überhaupt erst empfinden. Jeder Mensch, der geht, hinterlässt Erinnerungen und lehrt uns, worauf es im Leben wirklich ankommt. Genau deswegen kann ich auch die Freude auf einer Hochzeit so tief wertschätzen.“

Die Masken der Brautpaare und die Kunst, dahinter zu blicken

Wenn Thing heute auf ein Brautpaar trifft, weiß sie, dass jeder von uns im Alltag eine Maske trägt. Wir spielen Rollen – als Angestellte, als Freunde, im Alltag. Auch Paare zeigen sich beim ersten Kennenlernen oft in einer bestimmten Rolle, vielleicht besonders cool, besonders unkitschig oder distanziert.

„Mein Job ist es, hinter diese Fassade, hinter die Persona zu schauen“, erklärt Thing. „Und das, was ich dahinter finde, wenn man die Maske sanft abnimmt, ist am Ende des Tages immer dasselbe: Es ist schlicht und ergreifend Liebe. Entweder die Sehnsucht danach oder das Bedürfnis, sie zu geben. Mehr steckt nicht dahinter.“

Bei ihrer ersten Hochzeit im Mai gab es viele solcher intimen Details, kleine Anspielungen, die vielleicht nicht jeder entfernte Gast im Raum sofort verstanden hat, die aber mitten ins Herz des Brautpaares trafen. Und genau das ist Things Anspruch. Sie möchte nicht die oberflächliche Unterhalterin für die hinterste Reihe sein, sondern primär das Paar und den engsten Kreis abholen. „Manche Dinge sind zu intim für die ganz große Bühne. Da reicht ein kleiner Wink, ein winziger ‚Hint‘, und das Paar weiß genau Bescheid. Wenn ich verheiratet werde, will ich diese tiefe Bedeutung spüren. Da muss ich der Rednerin blind vertrauen können.“

Deshalb gilt bei ihr: Das Brautpaar hört die Rede am Hochzeitstag zum allerersten Mal. Kein Vorab-Skript, kein steriles Korrekturlesen. Pure Emotion im Hier und Jetzt. Deshalb muss die Chemie beim Erstgespräch zu einhundert Prozent stimmen.

Zertifizierte Rednerin Thing
Zertifizierte Rednerin Thing

Der Sprung ins kalte Wasser: Die IHK-Prüfung und die Zahl 1

Jeder Sprung in die Selbstständigkeit erfordert Mut, aber Things Weg zur zertifizierten Rednerin hatte es in sich. Während ihrer Ausbildung sabotierte sie sich phasenweise selbst – ein Phänomen, das viele Kreative kennen. Aus Angst vor dem eigenen Scheitern ballerte sie ihren Terminkalender mit ehrenamtlichen Verpflichtungen, Treffen mit Freundinnen und Karate-Terminen voll, nur um sich nicht mit der eigentlichen Aufgabe beschäftigen zu müssen. „Wenn ich erst gar nicht richtig anfange, kann ich auch nicht versagen“, beschreibt sie ihr damaliges Kopfkino.

Der absolute Knall kam bei einem Präsenzwochenende. Die Aufgabe: eine fertige Rede schreiben und sie frei vor der Gruppe halten. Thing hatte zwar elf Seiten Text runtergeschrieben (was viel zu lang für die geforderten 15 Minuten war), hatte den Text aber kein einziges Mal geübt oder laut vorgelesen. Als sie am Abend vor den Präsentationen merkte, wie intensiv die anderen Teilnehmer sich vorbereitet hatten, schoss ihr der Schweiß in den Nacken.

Stoßgebete nach oben

In ihrer Not schickte sie Stoßgebete nach oben: „Wenn ich hier wirklich richtig bin, dann lass mich morgen bitte als allererste drankommen. Bringen wir es hinter uns.“ Am nächsten Morgen wurden Nummern von 1 bis 14 gezogen. Und dreimal dürft ihr raten, welche Zahl Thing auf ihrem Zettel hatte: Die Nummer 1.

„Ich hatte nichts vorbereitet, hatte den Inhalt nicht im Kopf und sollte frei sprechen“, lacht sie heute. Das Ergebnis? Von den 15 Minuten sprach sie gerade mal drei oder vier Minuten, weil in ihrem Kopf nur ein Satz hämmerte: „Thing, du versagst hier gerade auf ganzer Linie.“ Sie brach ab. Es gab einen warmen, fast schon mitleidigen „Schadensapplaus“ von der Gruppe. Ein echter Tiefpunkt.

Doch genau dieser Aufprall auf dem harten Boden der Realität war der Weckruf, den sie brauchte. Eineinhalb Wochen später stand die offizielle Prüfung vor der IHK in Köln an. Diesmal gab es keine Ausreden mehr. Thing strich alle Nebentermine, fokussierte sich Tag und Nacht nur auf ihre Rede – und lieferte so gigantisch ab, dass die Prüfer sie nicht nur bestehen ließen, sondern ihr die Bestnote „Sehr gut“ verliehen. Ein Moment tiefer innerer Bestätigung: „Ich bin auf dem richtigen Weg. Es geht nicht um die Bewertung der anderen. Es geht immer nur um die Frage: Bin ich mir selbst genug? Glaube ich an mich?“

Zum Abschluss: Ein Plädoyer für Ehrlichkeit und Wohlwollen

Am Ende unseres langen Gesprächs habe ich Thing nach ihrer ultimativen Botschaft an die Welt gefragt. Und auch wenn sie scherzte, dass es jetzt richtig kitschig wird, steckt darin so viel Lebensweisheit, dass wir uns alle eine Scheibe davon abschneiden sollten:

„Seid wohlgesonnen und ehrlich.“

„Sobald ich einem Menschen wohlgesonnen begegne, sehe ich, was wirklich hinter seinem Verhalten steckt. Dann erkenne ich, dass der andere gar nicht so grimmig oder abweisend ist, wie er rüberkommt, sondern dass da vielleicht eine ganz andere Geschichte dahintersteckt. Und wenn ich ehrlich bin, gebe ich dem anderen die Möglichkeit, sich selbst echt zu zeigen. Wenn wir diese zwei Dinge jeden Tag beherzigen, gehen wir respektvoll miteinander um – und dann kämen wir als Menschheit schon ziemlich weit.“

Mein Fazit als euer Fotograf

Als ich nach über einer Stunde die Kameras ausschaltete, hatte ich ein tiefes, warmes Gefühl im Bauch. Ich arbeite als Hochzeitsfotograf, weil ich Menschen liebe, die ihr eigenes echtes „Why“ gefunden haben. Menschen, die diesen Job nicht machen, um schnell Geld zu verdienen, sondern weil eine innere Stimme sie dazu treibt.

Thing ist genau so ein Mensch. Sie ist ein absoluter Herzmensch, eine positiv denkende Frau mit einer wunderschönen, einnehmenden Ausstrahlung. Wenn ihr für eure freie Trauung jemanden sucht, der keine vorgefertigten Textbausteine abklappert, sondern euer wahres Wesen ergründet, eure Masken sanft durchschaut und eure ganz persönliche Liebe in Worte fasst – dann kann ich euch Thing von ganzem Herzen empfehlen.

Danke, liebe Thing, für dieses wundervolle, inspirierende Gespräch!

Euer André

Ihr wollt Thing für eure Hochzeit anfragen oder mehr über ihre Arbeit erfahren? Hier findest du Things Webseite: Freie Rednerin!

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