Wie macht man Business-Porträts? Zunächst sei gesagt: Natürlich lässt sich nicht jeder Auftrag in 30 Minuten abwickeln. Es kommt immer darauf an, wie viele Mitarbeiter vor der Kamera stehen und wie komplex das Lichtsetup oder die Location sind. Geht es jedoch um einen klaren, professionellen Look ohne unnötige Lichtspielereien, kann man einen Auftrag mit etwa drei Mitarbeitern entspannt in diesem Zeitfenster unterbringen. Zeit ist Geld – das gilt besonders im Business. Oft wird ein Fotoshooting unnötig aufgeschoben, weil ein riesiger Zeitaufwand oder zu hohe Kosten befürchtet werden. Dass es auch anders geht, zeige ich dir in diesem Artikel.
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Anfrage vom Friseursalon Mein Friseur aus Lübeck
Bevor es zum Kunden ging, müssen wir schauen, was davor passiert ist. Ganz klar, die Anfrage des Shootings. Peggy, die Besitzerin des Friseursalons, schrieb mich an und fragte, mit welchen Kosten sie zu rechnen hätte. Nachdem ich per E-Mail nachgefragt hatte, was sie benötigte, und die Info erhielt, sandte ich ihr das Angebot zu, das sie mir kurze Zeit später bestätigte und zu dem wir einen Termin vereinbarten. Peggy wollte von sich und ihrer Mitarbeiterin Sabine ein Bild für die Webseite haben. Kein großer Aufwand und der Salon fast vor meiner Haustür. Die Kosten also überschaubar, um die 180 Euro brutto.
Welche Kameraausrüstung braucht man für so ein Shooting?
Mittlerweile fotografiere ich seit über 12 Jahren Porträts und bin routiniert beim Packen meiner Kameraausrüstung. Also musste ich nicht lange überlegen, ich nahm mit:
- zwei 400er Blitze,
- zwei Stative,
- zwei Durchlichtschirme,
- eine Softbox,
- einen Beautydish,
- eine Canon R5 mit dem RF 85mm f/1.2 und
- die R6 mit dem RF 28–70 f/2,
- einen Fernauslöser
Speicherkarten, Akkus und Kleinkram lasse ich mal etwas außen vor.

Die Location: kreative Lösungen bei wenig Platz
Vor Ort sah ich mich erstmal kurz um. Der Friseursalon hatte wenige freie Wände, die wir für die Bilder hätten nutzen können. Es gibt eine Wand in dem Salon, die aber eher trist ist und sehr clean als Hintergrund gewirkt hätte. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich für eine Wand mit grünem Hintergrund und fragte Peggy, ob das für sie passen würde. Sie nickte. Ich nahm den Beautydish und einen Durchlichtschirm, um den Hintergrund etwas aufzuhellen. Meine Kameraeinstellungen für die Business-Porträts:
- Blende f/2.5
- Verschlusszeit 1/500
- ISO 500
- Blitzleistung 1/32
Da ich mit 1/500 Sek. fotografiert habe, kam der HSS-Modus (High-Speed-Sync) zum Einsatz. So konnte ich trotz Blitz die kurze Verschlusszeit nutzen, um das Umgebungslicht perfekt zu kontrollieren. Ich fotografierte relativ offenblendig, weil ich ein sehr weiches Bokeh erzielen wollte. Dafür ist die 85er-Linse perfekt geeignet. Nachdem ich ein paar Einstellungen und Testshots gemacht hatte, zeigte ich Peggy das Ergebnis und es gefiel ihr, also legten wir los.
Den Kunden abholen?
Wie den Kunden abholen? Er steht doch schon vor mir. Spaß! Nein, das heißt: Wie erziele ich das gewünschte Ergebnis, einen Gesichtsausdruck freundlich und sympathisch? Da verlasse ich mich auf meine Empathie. Dadurch merke ich sehr schnell, wie ich der Person vor mir ein Lachen entlocke, und siehe da: Manchmal bedarf es nicht viel und schon fing Peggy an zu lächeln und die ersten Bilder waren gemacht. Wir wechselten zu Sabine und auch hier klappte es hervorragend und schnell. Am Ende fragte Peggy noch, ob sie von sich und Sabine noch ein Bild zusammen haben könnte, und auch da hatten wir schnell einen Haken hinter. Ich musste nur die Blende, die Verschlusszeit und die ISO etwas anpassen, damit beide auf dem Bild scharf abgebildet waren. Alles in allem lagen wir bei um und bei 30 Minuten. Ich packte zusammen und fuhr zurück ins Studio.

Auswahl der Mitarbeiterbilder
Im Fotostudio setze ich mich gleich an die Bilder des Shootings. Überspielte sie auf den Rechner und sortierte aus. Bilder, auf denen die Augen geschlossen waren oder der Gesichtsausdruck nicht passte, flogen raus. Die übriggebliebenen Bilder stellte ich Peggy und Sabine über eine Galerie zur Verfügung (dafür nutze ich Scrapbook). Nachdem die beiden sich die Bilder angesehen und ihre Auswahl getroffen hatten, setzte ich mich an die Bildbearbeitung.
Bildbearbeitung Business-Porträts
Peggy und Sabine hatten sich 5 Bilder ausgesucht. Zwei Einzelporträts jeweils und ein Bild, auf dem beide zusammen waren. Ich retuschierte die Bilder, nahm Reflexionen des Blitzes aus einem Spiegel im Hintergrund und der Brille. Retuschierte ein paar Kleinigkeiten im Gesicht. Machte eine Tonwertkorrektur und war schnell fertig. Die bearbeiteten Bilder lud ich den beiden hoch und erhielt prompt die Antwort, dass die Bilder den beiden sehr gefallen. Peggy schrieb mir eine 5-Sterne-Bewertung, worüber ich mich sehr freute.
Fazit: Die Business-Porträts haben 30 Minuten vor Ort gedauert. Der gesamte Auftrag, angefangen bei der ersten E-Mail bis zum Versand der Rechnung, dauert natürlich deutlich länger. Hierfür muss man etwas mehr Zeit einplanen. E-Mail-Kommunikation, An-/Abfahrt zum Kunden, Shooting vor Ort, Bildauswahl, Bildbearbeitung, abschließende Kommunikation mit dem Kunden. Alles zusammen kam ich auf circa zwei Stunden. Dementsprechend hatte ich mein Angebot kalkuliert. Wie kalkuliert man den Preis? Dazu habe ich bereits einige Artikel auf dieser Seite veröffentlicht, schau doch mal rein in: „Wie berechnet sich der Preis eines Fotografen?“
