Die Blende richtig eingestellen

Die Blende richtig einstellen

Fotografen werden des Öfteren gefragt: „Mit welchen Einstellungen hast du dieses Bild gemacht?“ Eine dieser Einstellungen ist die Blende. Wofür genau ist die Blende zuständig? Die Blende, oder besser gesagt die Blendenzahl gibt die Öffnung der Blende an. Ein wenig verwirrend ist, dass es sich mit den Werten etwas widersprüchlich verhält. Mit zunehmender Größe f/8, f/12 …usw. wird die Öffnung kleiner. Besonders interessant ist die Möglichkeit, nur bestimmte Bereiche im Foto scharf zu stellen. Eine Person zum Beispiel und den Hintergrund unscharf werden zu lassen (weiches Bokeh). Wofür die Blende nun genau zuständig ist und wie Du mit ihr Dein Bild gestalten kannst, verrate ich Dir im nachfolgenden Artikel.

Der Umgang mit Deiner Kamera und der ISO

Warum Du Dich mit Deinen Kameraeinstellungen im Vorwege auseinandersetzen solltest ist relativ einfach erklärt: Du siehst eine Situation und möchtest schnell ein Bild machen. Wenn Du jetzt erstmal nachdenken musst: „Wie, Was und Wo“ Du an Deiner Kamera einzustellen musst, ist die Situation auch bereits vorüber.

Kurz gesagt: Wissen spart Dir Zeit

Zu komplexen und komplizierten Themen (aber auch Einfachen) findest Du auf youtube häufig hilfreiche Tutorials. Einer meiner Favoriten ist Benjamin Jaworskyj. Ben erklärt einfach, ohne viel Schnickschnack oder Fachchinesisch und das in einem sehr überschaubaren Zeitraum. Hier findest Du Benjamin Jaworskyjs youtube Kanal.

Was passiert beim Öffnen/Schließen der Blende

Über die Blende kannst Du steuern, wie viel Licht auf den Bildsensor fallen soll. Die Bildsensoren in Deiner Kamera benötigen eine bestimmte Menge Licht, um alle Bereiche des Bildes kontrastreich darzustellen. Je größer die gewählte Öffnung (kleiner Wert „f“.), desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Umgekehrt gelangt weniger Licht auf den Sensor, wenn die Öffnung geschlossen wird (großer Wert „f“).

Merk Dir einfach: Viel Licht bei einer kleinen Blendenzahl, wenig Licht bei einer großen Blendenanzahl

Blendenwahl für die Schärfentiefe

Holstentor in Lübeck. Kameraeinstellung: Blende f/6.7, ISO-100, Belichtungszeit: 1/250 Sekunde, Brennweite 35mm, Kamera Nikon D7100.

Besonderheit der Blende bei Teleobjektiven

Schaust Du Dir zum Beispiel das Objektiv von Sigma 18-250mm F3.5-6.3 an. Wird Dir auffallen, dass die Blende mit F3.5-6.3 angegeben ist? Vorab eine kurze Erläuterung zur Brennweite „18-250mm“: Die Brennweite ist bei Objektiven mit „Millimeter – mm“ angegeben. Wenige Millimeter – kleine Brennweite, viele Millimeter – große Brennweite. Umso größer die Brennweite Deines Objektivs, desto geringer ist der Bildausschnitt, je kleiner die Brennweite (wie zum Beispiel bei Weitwinkelobjektiven), desto mehr bekommst Du aufs Bild. Das heißt, dass sich mit zunehmender Brennweite der Vergrößerungsfaktor verändert. Zum genannten Objektiv, je nachdem welche Brennweite gewählt wird, verändert sich die Blende. Bei 18mm hast Du noch F/3.5 zur Verfügung, bei 250mm nur noch F/6.3. Somit benötigst Du beim Heranzoomen mehr Licht auf den Lichtsensoren. Höherwertigere Teleobjektiven haben meist eine durchgängige Blende zum Beispiel beim Sigma 70-200 mm F/2.8.

Eine kleine Praxisübung

Klingt das alles ein bisschen kompliziert? Probiere es selbst kurz aus! Schnapp Dir Deine Kamera, fokussiere ein Objekt in Deiner unmittelbaren Umgebung. Arbeite nur mit der Blendeneinstellung für diese Praxisübung (Einstellrad). Je mehr Du das Rad nach rechts drehst, desto mehr wird sich Deine Belichtungswaage nach links bewegen. Wenn Du das Rad nach links drehst, bewegt sich die Waage nach rechts.

Zusammenfassung

  • Große Blendenöffnung = ein kleiner Bereich wird scharf abgebildet – es wird wenig Licht benötigt
  • Kleine Blendenöffnung = ein großer Bereich wird scharf abgebildet – es wird viel Licht benötigt

Mit der Blende die Schärfentiefe festlegen

Hast Du das vorstehende verstanden, bist Du bereits einen riesen Schritt weiter. Mit allem was Du dazu lernst, wirst Du noch mehr Freude am Fotografieren haben. Jetzt erkläre ich Dir, wie Du mit der Blende die Schärfe Deines Bildes beeinflussen kannst. Mit einer kleiner werdenden Blende werden Teile um das anfokussierte Objekt schärfer. Zur Wiederholung: Mit jeder Blendenstufe gewinnst Du etwas mehr Schärfe f/1.8, f/3.5 ….f/8. Die Blende schließt sich, das Bild wird schärfer. Ein Spruch der mir seit jeher im Kopf hängengeblieben ist: „Blende 8, wenn die Sonne lacht“. Natürlich ist es keine Blende für jede Lichtsituation bei Sonne, aber Du kannst es als Anhaltswert nehmen. Über die weiteren Einstellungen, wie Belichtungszeit, ISO und Belichtungsmessung regelst Du den Rest. Wie Du die Belichtungszeit richtig einstellst, habe ich in meinem Artikel „Belichtungszeit richtig einstellen“ erklärt.

Anwendungsbereiche der Schärfentiefe

Schärfentiefe in der Landschaftsfotografie

Ein Bereich in dem meistens alle Bereiche scharf sein sollen, ist die Landschaftsfotografie, mit einer kleinen Blende (Blende – z.B. ab f/8). Um möglichst viel aufs Bild zu kriegen, werden Weitwinkelobjektive eingesetzt. Diese Objektive gewährleisten eine große Schärfentiefe und Lichtstärke.

Anwendungsbereich in der Portraitfotografie

Um ein möglichst weiches Bokeh hinter einer Person abzubilden, wird in der Portraitfotografie mit großen Blenden gearbeitet. Ein bevorzugtes Objektiv in der Portraitfotografie ist das 85mm. Ebenfalls mit einer hohen Lichtstärke. Mein Lieblingsobjektiv ist in der Portraitfotografie das Nikon Nikkor AF-S Objektiv – 85 mm – F/1.4.

Kleine oder große Blende – Weitere Beispiele

  • Schärfebereich nur auf die Augen einer Person legen – große Blende, für einen kleinen Bereich – bis Blende f/4
  • Gruppenbild. Personen stehen versetzte (mehreren Reihen) – Mittlere Blende – f/4 bis f/8
  • Landschaftsbild, alles soll scharf auf dem Bild sein – kleine Blende – ab f/8

Bitte beachte, dass die Schärfe von weiteren Faktoren abhängig ist, z.B.: Wie Entfernung zum Objekt und Objektiv (Brennweite).

Motive mit verschiedenen Blenden fotografiert

Blende f/2.8

f/2.8 : Die erste Schraube links ist gut zu erkennen, die weiteren drei Schrauben sind noch verschwommen.

Blende f/4

f/4 : Die zweite Schraube wird langsam schärfer. Der Rest dahinter ist immer noch unscharf.

Blende f/8

f/8 : Mehr und mehr werden alle der vier Schrauben sichtbar und schärfer.

Blende f/11

f/11 : Nun ist auch fast die letzte Schraube scharf. Ein wenig fehlt noch.

Fazit: Du siehst, das mit zunehmender Größe der Blende mehr Details auf dem Bild zu erkennen ist! Und nun los! Schnappe Dir die Kamera und probiere aus. Bei der ganzen Theorie lernst Du am besten, in dem Du es gleich in die Praxis umsetzt.

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